Harburg
Wilhelmsburger Reichsstraße

Bündnis protestiert gegen geplante Verlagerung

Foto: Evelin Hartmann

Rund 300 Bürger aus Harburg und Wilhelmsburg bilden auf der alten Elbbrücke eine Menschenkette gegen die Straßenpläne des Senats.

Wilhelmsburg. Rund 300 Demonstranten hätten teilnehmen müssen, um die Menschenkette über die etwa 400 Meter lange alte Harburger Elbbrücke schließen zu können. "Viele haben dazu nicht gefehlt", freute sich Melanie Klein von den "Engagierten Wilhelmsburgern".

Zusammen mit der Bürgergemeinschaft "Engagierte Harburger" hatte das Bündnis am Sonnabend zu der Demonstration "der Süden hält zusammen" aufgerufen. Die Elbbrücke als Verbindung über die Süderelbe ist Melanie Klein und ihren Mitstreitern dabei als Demonstrations-Ort mehr als naheliegend erschienen. Melanie Klein: "Wir wollen eine Einheit im Hamburger Süden bilden."

Wie so oft richtete sich ihr Protest gegen die geplante Verlagerung der Wilhelmsburger Reichsstraße (B4/75) auf das benachbarte Eisenbahngelände, ebenso wie gegen den geplanten Bau der Autobahn-Querverbindung, der sogenannten Hafenquerspange, durch den Wilhelmsburger Süden, von Stillhorn (A 1) bis Moorburg (A 7).

Angedacht ist diese Verlegung unter anderem im Hinblick auf die im April 2013 startende Internationale Gartenschau Hamburg (igs). Denn dann droht in Wilhelmsburg ein Verkehrschaos. Die vierspurige Wilhelmsburger Reichsstraße schneidet den Park der Gartenschau in zwei Teile und muss daher für die Dauer der Gartenschau für ein halbes Jahr gesperrt werden. Die Alternative aus Sicht des Senats: Die Straße wird verlegt, führt dann nahe der Bahngleise entlang und wird ausgebaut. Doch hier grenzt das Wohngebiet Kirchdorf an, dessen Bewohner dadurch eine noch größere Lärmbelästigung fürchten.

"Die igs ist aber lange noch kein Grund, eine dritte Autobahn zu bauen. Die Ausstellung dauert ein halbes Jahr, wir wohnen aber ständig hier", so Sabine Dorndorf aus Wilhelmsburg. Ihre Eltern besitzen ein Haus in der Siedlung Kirchdorf. "Sie fürchten einen enormen Zuwachs an Lärmbelästigung und eine Wertminderung ihres Grund und Bodens", so Sabine Dorndorf.

Durch die Pläne des Senats droht der Hamburger Süden zum Autobahnkreuz zu verkommen - so die Sorge der Bündnismitglieder. Denn dann sei ein Ausbau der Bremer Straße als Verlängerung der A 253 bis zur A 7 nur noch eine Frage der Zeit. "Schon jetzt ist die Lärmbelastung kaum zu ertragen", so Irmgard Korpies. Die Anwohnerin der Bremer Straße hat sich der Bürgerinitiative "Engagierte Harburger" angeschlossen. Zusammen mit ihren Nachbarn hatte sie sich am Sonnabend in die Menschenkette eingereiht. "Sicher, beschlossen ist bisher nichts dergleichen, aber wir müssen jetzt schon protestieren, damit es irgendwann nicht heißt, 'warum habt ihr nichts gesagt?'" so die Harburgerin. Schon jetzt fühlen sich viele Anwohner durch den Lkw-Verkehr gestört. "Die Fahrer sparen sich die Autobahnmaut und fahren vor unser Haustür her", so Klaus Pengel, "und das besonders nachts mit 70 bis 80 Stundenkilometern. Deshalb fordern wir ein Einhalten des Tempolimits sowie ein Nachtfahrverbot für Lastwagen."

Der Beginn des Planfeststellungsverfahrens für die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße ist im Herbst zu erwarten. "Aber wir rechnen uns gute Chancen aus, dass das Bauvorhaben ausgesetzt wird", so Melanie Klein. Bis zum Start der igs müssten die Bauarbeiten abgeschlossen sein, sonst kippe die Finanzierungsvereinbarung der Stadt mit dem Bund. "Und dafür bleiben nur noch gut zwei Jahre."