Harburg

Wer zieht da ins Gasthaus "Symphonie"?

Foto: Fabian Schindler

Ein Tostedter aus der rechten Szene hat das Gebäude in Hollern ersteigert

Hollern-Twielenfleth. Hans Jarck, Bürgermeister der Samtgemeinde Lühe wirkt hilflos, enttäuscht und traurig, wenn er über das alte Gasthaus "Symphonie" im Hollerner Ortsteil Wöhrden spricht. Einst war das Haus am Schwingedeich ein beliebtes Ausflugsziel, in dem auch mal eine Blaskapelle für Tanzmusik sorgte. Nun, so die Befürchtung, könnte das mehr als 100 Jahre alte Gasthaus zum Treffpunkt politisch rechter Gruppen werden, denn das Gebäude wurde zwangsversteigert. Ein Mann aus Tostedt, der dem rechten Milieu angehören soll, Sebastian Stöber, erhielt für 115 000 Euro den Zuschlag für das Gebäude.

Die Gemeinde wurde von dem Verkauf völlig überrascht

"Es kam alles völlig überraschend, niemand im Ort hatte etwas geahnt", sagt Jarck. An dem Erwerb des Gebäudes von dem politisch einschlägig bekannten Mann lasse sich wohl nichts ändern. "Das ist alles in ganz geregelten Bahnen verlaufen", so Jarck. Und das wurmt ihn, denn so sind der Gemeinde die Hände gebunden..

Zunächst stand die Befürchtung im Raum, dass ein Schulungszentrum der NPD in dem Gebäude entstehen könnte und damit die rechte Szene im Kreis Stade eine weitere Stärkung erfahren könnte. Dann erfuhren die Gemeindeverwaltung und der Landkreis, dass das Gebäude angeblich für den vorrangig in Süddeutschland verbreiteten Rockerclub "MC Gremium" erworben worden sei. Doch das macht die Sache für die Gemeinde nicht besser: Der Rockerclub gilt bei Experten als kriminell. "Diese kriminellen Energien sind nicht in unserem Sinne", sagt Jarck. "Wir wollen so eine Zelle nicht in unserer schönen Gegend." Auch Landrat Michael Roesberg sieht diese Entwicklung mit Sorge. "Diese Gruppe besitzt erwiesenermaßen ein großes kriminelles Potenzial".

Die Samtgemeinde Lühe befürchtet einen großen Imageschaden. Dort, wo sich Touristen sich sicher fühlen sollen, mit dem Fahrrad am Deich entlang fahren sollen, da soll kein Hort für kriminelle Energien stehen. Am vergangenen Wochenende sollen die Rocker bereits ihrem neuen Domizil einen Besuch abgestattet haben. Polizei, Staatsanwaltschaft, der Landkreis und die Samtgemeinde Lühe wollen nun, so Roesberg, "mit Argusaugen" über das Gebäude wachen.

Jarck will im Gemeinderat das weitere Vorgehen der Gemeinde erörtern. Er hofft auf Rückendeckung von allen Parteien und auch von den Bürgern. Sie sollen ein Zeichen gegen die Rocker und die rechte Szene setzen. Eines ist aber schon klar: "Viele Möglichkeiten werden wir in der Gemeinde nicht haben, um steuernd einzugreifen", sagt Jarck. Über die Ortsgestaltungssatzung oder mit Bauauflagen könne die Kommune den Besitzern eventuell das Leben schwer machen. Das würde aber erst dann ein Thema für die Politik werden, wenn der neue Besitzer den in dem Haus Wohnenden die bestehenden Mietverträge kündigt.

Rechtlich gesehen gibt es bei Zwangsversteigerungen kaum Möglichkeiten, einen Zuschlag zu verhindern. Zunächst ist die Zwangsversteigerung öffentlich. Das heißt, jeder kann hinkommen. Beim ersten Termin muss das Mindestgebot fünf Zehntel des Verkehrswertes betragen. Zudem kann der Gläubiger den Zuschlag verweigern, wenn das höchste Gebot nicht mindestens sieben Zehntel des Verkehrswertes beträgt. Der erste Versteigerungstermin der "Symphonie" war Mitte Januar. Zwar gab es ein Gebot, doch es war viel zu niedrig. Die Versteigerung platzte, es kam es zu einem zweiten Termin.

Der Meistbietende erhält den Zuschlag

"Im Vorfeld hatten wir keine konkreten Hinweise auf bestimmte Personen", sagt Petra Baars, Pressesprecherin beim Landgericht Stade. Selbst während des Termins sei der Bieter unauffällig gewesen. Auch Jarck hatte keine Hinweise auf einen Bieter der rechten Szene. "Früher gab es im Vorwege mal Informationen, dann konnte ein Gebäude vorsorglich aufgekauft werden, diesmal hat es aber nicht funktioniert", so der Bürgermeister. "Wir können nur dann tätig werden, wenn eine Straftat begangen wurde", sagt Kai-Thomas Breas, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade. Und das sei noch nicht der Fall.

Selbst wenn der Bieter bei der Versteigerung vor Gericht auffällig gewesen wäre, hätte das Gericht kaum eine Möglichkeit gehabt, Stöber am Kauf des Gebäudes zu hindern. "Rechtlich gibt es überhaupt keine Mittel", sagt der Stader Rechtsanwalt Klaus Ahrens. Selbst ein gemeindliches Vorkaufsrecht gebe es in Zwangsversteigerungsverfahren nicht. Der Meistbietende erhält den Zuschlag, wenn er sich ausweisen kann.

Der Käufer, Sebastian Stöber, ist bei der Buchholzer Polizei als Angehöriger der rechten Szene bekannt. "Welche Funktion er hat und mit welcher genauen Absicht er den Kauf getätigt hat, können wir nicht einschätzen", sagt Polizeisprecher Jan Krüger.