Nachtfahrten bergen Gefahren für Autofahrer

| Lesedauer: 2 Minuten

Leuphana-Studie zeigt, dass selbst Ausgeschlafene nicht sicher unterwegs sind

Lüneburg. Eine neue Studie der Leuphana belegt: Unser Wahrnehmungsvermögen im Straßenverkehr schwindet bei Nacht. "Wie schnell wir Gefahren im Straßenverkehr wahrnehmen, hängt stark von der Tageszeit ab. Auf unser subjektives Müdigkeitsempfinden diesbezüglich ist nur bedingt Verlass", sagt Professor Rainer Höger, der gemeinsam mit seinem Team im Auftrag der Volkswagen-Stiftung an neuen Sicherheitseinrichtungen für die Kraftfahrzeuge der Zukunft forscht.

Seine neue Studie, die Höger zusammen mit seinen Kollegen Martin Walter und Professor Nicki Marquardt (FH Rhein-Waal) soeben in der Zeitschrift für Verkehrssicherheit vorgelegt hat, beschäftigt sich mit dem nächtlichen Fahrverhalten. Die Forscher empfehlen, auf Fahrten in den späten Nachtstunden zu verzichten, da dann die Gefahrenwahrnehmung besonders schlecht sei - und zwar selbst in einigermaßen ausgeschlafenem Zustand.

Zwischen 2 und 4 Uhr morgens sind viele Menschen nicht mehr ausreichend aufmerksam. "Das gilt sogar dann, wenn sie vorher gut geschlafen haben und sich nicht übermäßig müde fühlen", sagt Höger. Die Wissenschaftler seines Teams hatten ihre insgesamt 40 Teilnehmer zu einem ausgeklügelten Aufmerksamkeitstest gebeten: Sie zeigten ihren Probanden Fotos von möglichen Gefahrensituationen im Straßenverkehr, und zwar in je zwei Varianten. Beim ersten Bild handelte es sich jeweils um die Originalaufnahme; im zweiten Bild hatten die Forscher ein wichtiges Detail verändert - beispielsweise leuchteten nun bei einem parkenden Wagen die Rückfahrleuchten.

Die Teilnehmer sahen diese Bilder abwechselnd und in schneller Abfolge auf einem Computerbildschirm. Sie sollten per Tastendruck Bescheid geben, sobald sie den Unterschied erkannt hatten. "Wir haben gemessen, wie schnell unsere Probanden diese Aufgabe lösen konnten - und zwar in Abhängigkeit von der Tageszeit", erklärt Rainer Höger. Die Probanden, die zwischen zwei Uhr und vier Uhr bei Nacht befragt wurden, brauchten am längsten, um die ihnen vorgelegten Bilder richtig zuzuordnen.

Wenig Einfluss auf das Testergebnis hatte dagegen das Müdigkeitsgefühl. "Wir hatten unsere Probanden gebeten, vor dem Experiment ausreichend zu schlafen", sagt Höger. Die Teilnehmer der nächtlichen Befragung fühlten sich im Schnitt nur unwesentlich müder als diejenigen, die zu einem abendlichen Zeitpunkt befragt wurden. Dennoch schnitten sie deutlich schlechter ab. Übrigens: Auch Menschen, die regelmäßig nachts fahren, warnen die Wissenschaftler vor höheren Reaktionszeiten. Es sei kaum möglich, die "innere Uhr" zu trainieren.

( (es) )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Harburg