Harburg

Frauen entern die "Cap San Diego"

Foto: Stefanie Maeck

Der Kunsthafen Harburg will den Standort Hamburger Süden an der Überseebrücke bewusst machen

Harburg. Sie hat auf die "Cap San Diego" gebeten - und 24 Künstler sind gekommen. Mesaoo Wrede ist Kuratorin des Kunsthafens 59° im Frauenkulturhaus Harburg, der seit Mitte April das Museumsschiff an der Überseebrücke mit einer Ausstellung geentert hat. "Fluchtlinien und Strömungen" ist der Titel.

Ein Titel, der bewusst Assoziationen von politisch über poetisch bis ökologisch-maritim wecken darf, wie Mesaoo Wrede und Nadja Martinez Griese, Geschäftführerin im Frauenkulturhaus Harburg, erläutern. Besonders gerne sei man "über die Elbe gesprungen", um Hamburgs Süden als Kunststandort "wahrnehmbar" zu machen.

An Bord des Museumsschiffes ist auch ein Quotenmann

Künstler Alexander von Agoston aus Berlin, früher selbst zur See gefahren, ist dabei, seine Leinwände an Deck zu tragen. Auf Fernreisen findet er seine Motive, alles wird ganz altmodisch mit dem Skizzenbuch festgehalten und dann auf die Leinwand gebracht. Ein wenig ist Agoston an Bord sicher der "Quotenmann", denn als Frauenkulturhaus ist man natürlich stolz, "Künstlerinnen zu zeigen." Von 24 bis 81 reicht deren Altersspektrum. Trotz aller Unterschiede in Stil, Arbeitstechnik und Herkunft sei man in dem Wunsch vereint, gemeinsam "Stellung zu nehmen zu Zeitthemen", so Wrede.

In Luke 1 der "Cap San Diego", einem Ort, der früher als "Schmutzluke" stark riechende Ladungen wie Tee oder im unteren Teil nassgesalzene Häute beförderte, sind die ausstellenden Künstler zu Hause. Mit Malerei, Video, Zeichnung, Objekten und raumgreifenden Installationen.

Beeindruckend sticht das kritisch-wachrüttelnde und trotzdem äußerst ästhetische Konzept der Hamburger Künstlerinnen Susanne Dettmann und Brigitte Kratschmayr ins Auge, die eine Riesenwelle aus Plastiktüten als Rauminstallation erbaut haben. An den Plastikmüll auf den Weltmeeren möchten sie erinnern, der über den Nahrungskreislauf bis in die Lebensrealität eines jeden von uns schwappt. Mittlerweile gebe es mehr Plastik als Plankton.

Die ausstellenden Künstler decken ein breites Spektrum ab

Motivisch artverwandt ist Installation "Medusenballett" von Stefanie Engel, ebenfalls aus Hamburg. Von der Decke hängen an Fäden Plastiktüten als Quallen, eine Arbeit, die politische und poetische Aspekte verdichtet. Die Künstler auf der "Cap San Diego" decken ein breites Spektrum ab. Es reicht von Elbstrandfotografien mit zarten Überzeichnungen der 81 Jahre alten Künstlerin Helene Dettmann bis zu Malerei, Foto- und Textarbeiten, die immer wieder das Schicksal flüchtender und nicht selten auf den Weltmeeren ertrinkender "Boat People" umkreist - Werke von Eike Brodersen-Marcks, Traude Bührmann und Gerda Falke. Dazu kommen fragile Objekte von Silvia Wille, die den angespülten und durchaus ästhetisch wirkenden Müll von Lanzarotes Stränden verwendet. "Fluchtlinien" von Heidemaria Thiele sind dabei mal buchstäblich als heimatloses, staatenloses und schutzloses Dasein von Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben verstanden, dann wieder eher als technischer Aspekt von Malerei - als Perspektive. "Strömung" wiederum assoziiert das Meer und alle ökologischen Desaster, aber natürlich noch mehr das, was sich als Übertragung und Wellenlänge zwischen Menschen ereignen kann.