Harburg
Sonnabend

Maritimes Fest am Oberfeuer in Grünendeich

Foto: Kerstin Lorenz

Buntes Familienprogramm am Sonnabend in Grünendeich und viele Informationen über Leuchttürme der Region

Grünendeich. Maritimes Flair an der Unterelbe: 51 Leuchttürme säumen den Strom zwischen Hamburg und der Elbmündung in Cuxhaven. Sie weisen den großen Pötten und kleinen Seglern sicher den Weg in der Fahrrinne.

Die meisten der Leuchtfeuer sind seit Jahrzehnten in Betrieb, einige haben längst Museumsstatus. Einer dieser Leuchttürme steht am Sonnabend, 8. Mai, besonders im Mittelpunkt: Das Oberfeuer Grünendeich.

Rund um den rot-weißen Leuchtturm am Kirchenstieg, zwischen Rathaus und Elbdeich, und auch auf dem historischen Gitterbau ist Volksfeststimmung angesagt. Mit Musik, Tanz und buntem Familienprogramm feiert die Gemeinde Grünendeich dort ihr sechstes Leuchtturmfest.

Buntes Familienprogramm rund um den Grünendeicher Leuchtturm

"Es soll ein buntes, schönes Fest für die Menschen unserer Gemeinde und möglichst vieler Gäste sein, die uns alle herzlich willkommen sind", sagt Grünendeichs Bürgermeisterin Maren Köster-Hetzendorf. Sie wird denn auch um 13 Uhr die Feierlichkeiten auf der maritimen "Party-Meile" eröffnen. Ihr zur Seite stehen die Altländer Obstmajestäten, vorneweg die "Ollanner Appelkeunigin" Katharina Schuback, die aus Grünendeich stammt. Erwartet wird auch die am vergangenen Wochenende gekrönte Blütenkönigin aus Jork, Meike Tilsner in ihrer prächtigen Altländer Brauttracht.

Rund um den rot-weißen Turm stellen sich Hobbykünstler vor und Vereine geben Einblicke in ihre Arbeit. Die Feuerwehr und der örtliche Sportverein sorgen im "Kuchenzelt" für eine zünftige Bewirtung der Besucher. Dort haben die Ratsmitglieder ihre gestifteten Torten aufgebaut, die zum Schlemmen verführen sollen. Aus dem Verkaufserlös wird das Leuchtturmfest mitfinanziert.

Das Oberfeuer Grünendeich steht mitten im Ort zwischen den Häusern

Musikalisch wird es mit dem "Männergesangverein Harmonie Mittelnkirchen von 1844" maritim. Die Altländer Volkstanzgruppe, der Katharinenchor aus Stade, Kinderlieder mit Ute Bülau, der Stader Jugendchor "Pop Academy" und die Gruppe "Notausstieg" sind ebenfalls mit von der Partie beim Unterhaltungsprogramm. Ein echter Hingucker ist auch die "Line-Dance"-Gruppe. Auf dem angegliederten Flohmarkt, an dem sich alle Anlieger beteiligen können, kann wieder nach Herzenslust gehökert und gehandelt werden.

Auch im Haus der Maritimen Landschaft Unterelbe, am Ende des Kirchestieges (Haus 33) ist an diesem Tage die Kapitänsbrücke geöffnet. Kapitän Rolf Bruns nimmt von 13 bis 15 Uhr Besucher mit auf die Brücke, erklärt Kompasse und Langwellenempfänger, traditionelle Navigation mit Sternen und anderes mehr.

Im Mittelpunkt des Festes steht natürlich der Leuchtturm an der Straße "Kirchenstieg", der allein durch seine Lage mitten im Ort etwas ganz Besonderes ist. Von 13 bis 18 Uhr ist er an diesem Tag für Besichtigungen geöffnet.

"Ein besonderer Höhepunkt sind die Führungen auf dem Leuchtturm", verspricht Manfred Junge, Leiter der Außenstelle Stade des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hamburg. "Zum einen können die Besucher die 164 Stufen der höchsten Wendeltreppe im Alten Land erklimmen, zum anderen hat man vom Rundgang des Turmes aus etwa 35 Metern Höhe eine fantastische Panorama-Sicht auf die Elbe und das Blütenmeer der Altländer Obstgärten", sagt Junge.

Während der Führung erklären Manfred Junge und vier seiner Mitarbeiter vom Wasser- und Schifffahrtsamt den Gästen alles Wissenswerte über die Funktion und Bauweise der Leuchttürme im Allgemeinen und speziell zum Gründendeicher Oberfeuer.

"Das Seezeichen wurde 1899 erbaut und ist seit dem 1. Januar 1900 in Betrieb. Es bildet mit dem Unterfeuer Lühe, das direkt an der Lühemündung steht, eine so genannte gleichgängige Richtfeuerlinie zur Orientierung der Kapitäne der großen Pötte im Fahrwasser der Elbe", sagt Junge. "Das Oberfeuer Grünendeich steht 1 546 Meter vom neueren Unterfeuer Lühe, das in seiner heutigen Form seit dem 11. Dezember 1970 in Betrieb ist, entfernt. "Derzeit bekommt das Unterfeuer Lühe einen neuen Kopf und ist noch verhüllt", informiert Manfred Junge.

Das Oberfeuer in Grünendeich ist als Stahlgitterturm mit einem innen liegenden Treppenrohr und mit Gratsparren konstruiert und ist mit einer Sichtweite von 16,54 Seemeilen (das entspricht etwa 30,63 Kilometern) angegeben.

Nautik-Experten erklären Seezeichen und Navigationstechnik

Doch die Nautik-Experten vom Wasser- und Schifffahrtsamt erklären den Besuchern noch viel mehr über Navigation und Seezeichen an der Unterelbe. Denn nicht nur der Grünendeicher Stahlriese ist sehenswert: Von den 51 Seezeichen entlang der Elbe sind die meisten hochinteressante technische Bauwerke und Denkmale. Sie haben klangvolle Namen wie "Dicke Berta", "Alte Liebe", "Osterriff-Bake", "St. Margarethen", "Blankenese", "Julesand" oder "Scheelenkuhlen" und prägen das maritime Bild der Unterelbe-Landschaft maßgeblich mit. Dass es so viele Leuchttürme zwischen Hamburg und der Elbemündung gibt, hat einen besonderen Grund: Die Elbe zwischen dem Hamburger Hafen und der Mündung in Cuxhaven ist die meist befahrene Seewasserstraße Europas. Um den Schiffsverkehr reibungslos durch das Fahrwasser zu lotsen, gibt es Richtfeuer und Leitfeuer an den Ufern des Flusses. Richtfeuer haben die Funktion, einem Seefahrzeug den genauen Kurs zu markieren. Sie bestehen aus dem ufer- oder küstennahen, niedrigerem Unterfeuer und einem weiter im Landinneren stehenden, höheren Oberfeuer. Fährt ein Kapitän exakt den richtigen Kurs, müssen Ober- und Unterfeuer genau übereinander in der so genannten Richtfeuerlinie zu sehen sein. Ist der Schiffsführer vom optimalen Fahrwasser-Kurs abgekommen erscheinen die beiden Feuer versetzt.

Ein Leitfeuer hat die gleiche Funktion wie oben beschriebenes Richtfeuer: den Kurs zu markieren. Zur Kurskennzeichnung dienen Sektoren mit unterschiedlich farbigem Licht. Der mittlere Sektor (meist weiß) ist der Leitsektor und kennzeichnet den Kurs.