Harburg
Randnotiz

Wo sind die Tropfenfänger geblieben?

Es ist bedauerlich, dass es eine nützliche Erfindung wohl nicht mehr zu kaufen gibt: Den Tropfenfänger für kleckernde Tüllen von Kaffee- und Teekannen konnten wir in keinem Geschäft entdecken.

Es handelt sich um einen Schwamm. Er wurde durch ein Gummiband, das am Griff der Kanne befestigt war, unter die Tülle gepresst. Der Schwamm fing die letzten Tropfen an der Tülle beim Ausgießen auf. Das Gummiband verhinderte zusätzlich das Hinabfallen des Deckels mancher Kanne, wenn sie schräg gehalten wurde. Anfang der Fünfzigerjahre wurde der Tropfenfänger erfunden. Er löste zumindest ein Problem menschlichen Agierens in geselligen Kaffeerunden: Er vermied das Bekleckern von kostbaren Tischdecken oder von wichtigen Papieren auf Konferenztischen. Häufig verursachte die Ausgießerei ein heißes Getröpfel auf Hände, die höflich die Tassen hoch hielten oder auf elegant übereinander geschlagen Beine der Damen hinter niedrigen Couchtischen.

Wie ich auf dieses Thema komme? Wir haben in letzter Zeit drei neue Teekannen gekauft, aus Glas, Porzellan und Keramik, zu denen eigentlich Tropfenfänger mitgeliefert werden müssten. Erst die vierte Kanne gießt bei allen auch riskanten Gießbewegungen absolut tropfenfrei. Warum gibt es keine Tropfenfänger mehr, wenn es so viele Kannen mit tropfenden Tüllen gibt? Hat man die Produktion etwa eingestellt, um mehr abwaschbare Plastik-Tischdecken zu verkaufen?