Harburg
Randnotiz

Künstlerin wohnt im Hinterhof

Sie ist Malerin, und sie wohnt so, wie man es sich von einer richtigen Künstlerin vorstellt: im kuscheligen Hinterhof-Atelier.

Draußen wilde Büsche im verwunschenen Grün, überall. So leben Künstler. Ruhig und gelassen. Der Atelierkater döst auf verstreuten Papierstapeln.

Staffeleien überall und sehr schöne, pastellfarbene Bilder. Sie gibt hier auch Kurse. Menschen wie du und ich kommen gern in dieses romantische Chaos. Es erzählt uns von einem freien Dasein. Wie das Leben eben auch sein kann. Wir malen, zeichnen, klecksen, probieren, diskutieren.

Die Künstlerin hat eine besondere Art, Korrekturen anzubringen. Sie spricht ruhig mit uns und wir zeichnen plötzlich anders.

Auch junge Leute, Kunststudenten, haben Glück, wenn sie von ihr unterrichtet werden. Sie bringt sie zu neuen, ganz eigenen Erkenntnissen. So eine wünscht man den jungen Erwachsenen. Sie geht mit auf ihrem Weg anstatt ihnen ihren aufzustülpen.

Sie ist mehr an den Wegen interessiert als an Zielen und Ergebnissen, quasi symbolisiert sie das Gegenteil der Leistungsgesellschaft. Und das Tolle: Ihre Schüler leisten viel. Natürliche Autorität nennt man so eine, die etwas von der Kreativität der Menschen versteht, mit denen sie zu tun hat.

Man kann sehr froh sein, sie zu kennen und eigene Bilder von ihren Augen betrachten zu lassen - in den Kunstschulen und auch im kreativen Chaos des verwinkelten Hinterhofes. Während der Hauskater auf den unübersehbaren Stapeln aus Papier ganz gelassen vor sich hin schnurrt.