Harburg
Randnotiz

Festplatte im Kopf

Manche Leute fühlen sich ohne ihren Computer völlig hilflos. So wie mein Schulfreund Axel, der seinen Rechner vielleicht sogar mit ins Bett nimmt.

Neulich traf ich ihn in der S-Bahn, natürlich mit dem Laptop auf den Knien. "Seit Tagen suche ich den Termin für unser Klassentreffen, ich bin absolut sicher, dass ich ihn hier gespeichert habe, aber in welchem Ordner? Das habe ich total vergessen", beklagte er sich.

So ganz spontan konnte ich Axel nicht helfen, ich musste schon systematisch vorgehen. Also klickte ich mit der virtuellen Maus den Ordner "Termine" auf der Festplatte in meinem Kopf an, öffnete zunächst versehentlich den Unterordner "geschäftlich", ging dann aber auf "privat", ein weiterer Doppelklick, und ich hatte die Datei "Klassentreffen" gefunden. "5. Juni!", konnte ich verkünden. Axel sah mich ungläubig an: "Hast du etwa alle Termine im Kopf?", fragte er.

Ich erklärte ihm, dass die Sache nicht ganz so einfach ist. Genau wie bei einem Computer legt man im Kopf am besten verschiedene Verzeichnisse mit Unterordnern an, aus denen sich die einzelnen Dateien dann leicht abrufen lassen. "Das hat auch den Vorteil, dass diese Festplatte kaum abstürzen kann, es sei denn, du trinkst mal ein paar Gläser zu viel", sagte ich noch. "Willst du mich veräppeln?", fragte Axel mich fast feindselig. Kopfschüttelnd klappte er seinen Laptop zu und stieg aus, er war am Ziel. "Du hast wohl wirklich alles in der Birne", murmelte er noch.