Harburg
Randnotiz

Alte Leute waren gestern

Unsere Gesellschaft hat einen Jugendlichkeitswahn. Während in anderen Kulturen die älteren Menschen wegen ihrer Lebenserfahrung geschätzt werden, jagen wir dem Wunsch hinterher, für immer und ewig jung und gesund zu bleiben.

Daher lassen sich Verjüngungsmittel bestens verkaufen, seien es Haarfärbemittel, Antifaltencremes oder Mittelchen gegen Vergesslichkeit.

Und da es immer mehr Ältere gibt, wurden sie inzwischen auch von der Wirtschaft entdeckt. Allerdings kamen nicht alle Produkte an. So blieben Gaststätten auf ihren Seniorentellern und Reiseanbieter auf ihren Seniorenreisen sitzen, obwohl sie für viele interessant waren. Aber die Werbewirtschaft ist ja erfinderisch und benannte sie kurzerhand um. Seitdem werden sie auch gekauft. Dabei klingt Senior doch schon viel netter als Alter. So wirken Seniorenheime exklusiver als Altersheime, und wenn sie dann gar Residenz oder ähnlich heißen, scheinen sie unbezahlbar. Für das alte Wort Greis müssen unsere Jugendlichen wahrscheinlich schon im Duden nachschlagen.

Die Marketingfachleute erfinden für die wachsende Anzahl älterer Käufer weitere Begriffe. Manche klingen dabei schon etwas merkwürdig, so erinnert mich "Third Ager" an die dritten Zähnen und "Silver Ager" an die gerade umgefärbten, ungeliebten grauen Haaren. Auch "Gold Ager" kommt bei mir nicht gut an. Da wird der Wunsch nach den Ersparnissen der älteren Generation doch zu deutlich.

"Generation Best Ager" ist am nettesten. Das geht runter wie Öl, und man ist bereit, auch etwas mehr zu bezahlen.

Nein, Senioren waren gestern, heute heißen wir "Generation Best Ager".