Harburg
Ein Freiwilliges Soziales Jahr bei Radio Zusa

Wie Hörfunk den Horizont erweitert

Marie Schrötke aus Winsen bekam einen von 190 Plätzen in Norddeutschland. Dafür gibt es 285 Euro monatlich.

Winsen/Lüneburg. Nach dem Abitur hatte Marie Schrötke die Nase voll von Schule und wollte etwas anderes kennenlernen. Sie hörte von der Möglichkeit, sich im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs im kulturellen Bereich (FSJ Kultur) zu engagieren. Ein Jahr, in dem weniger theoretisch gelernt, als vielmehr vorwiegend praktisch gearbeitet wird. Marie wurde aufmerksam und bewarb sich in der Hamburger Kunsthalle, dem Freilichtmuseum am Kiekeberg und landete schließlich im Studio des lokalen Radiosenders "Radio ZuSa" in Lüneburg.

"Das Jahr hat meine Erwartungen übertroffen", bilanziert die Winsenerin die zurückliegende Zeit. Sie ist nicht die erste FSJ- Kultur-Absolventin, die bei Radio ZuSa Hörfunkjournalismus von der Pieke auf erlernt. Der Sender ist die einzige Einsatzstelle in Nordostniedersachsen.

Bereits am ersten Tag durfte Marie Radio machen und Veranstaltungstipps für den Nachmittag schreiben. Es folgte das Einsprechen und Zuschneiden sowie erste Drei-Minuten-Beiträge aus Umfragen und Interviews. "Anschließend schreibe ich die Einführung zum Beitrag." Die Kunst bestehe darin, in wenigen Sekunden sinnvoll auf Beiträge hinzuführen.

"Am spannendsten ist es immer noch, eigene Beiträge zu produzieren. Man kann das Thema aussuchen und frei gestalten." Intensiv begleitet während der vergangenen zwölf Monate wurde sie von Studioleiter und Hörfunkredakteur Matthias Dworschak. Der nicht kommerzielle Sender mit kleinem Budget kann auf den Einsatz der FSJler kaum verzichten und erwartet demnächst Maries Nachfolger.

Träger des FSJ Kultur ist die Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung Niedersachsen. "Wir koordinieren in Norddeutschland 190 Plätze. Mit kommerziellen Anbietern arbeiten wir nicht zusammen, schließlich sollen die Absolventen keinen Arbeitsplatz ersetzen", erklärt Kai Krüger, FSJ Kultur Koordinator für den Großraum Hamburg und Niedersachsen. "Das Bildungs- und Orientierungsjahr unterscheidet sich massiv von einem Praktikum. Die Arbeit ist eine Form von bürgerlichem Engagement, in dem die Absolventen etwas für sich und anderer Menschen tun."

Deshalb fällt die Entlohnung niedrig aus. 285 Euro erhalten die Absolventen für ihren ehrenamtlichen Einsatz. "Ohne die finanzielle Unterstützung der Eltern, ist das Jahr nicht zu schaffen", stellt Kai Krüger fest. Doch statt finanzieller Anerkennung würden die junge Leute Kompetenz gewinnen, eigene Potenziale freilegen und vorberufliche Erfahrungen sammeln. Auch anerkannte Wehrdienstverweigerer könnten statt des Zivildienstes ein FSJ Kultur absolvieren.

Marie Schrötke hat die Zeit zur Orientierung genutzt. Sie beginnt in Lüneburg im Oktober das Studium der Kulturwissenschaften und bleibt Radio ZuSa als freie Mitarbeiterin erhalten.

www.fsjkultur.de