Harburg
Kleinkläranlagen: Betreiber sollen umrüsten

"Unser Wasser ist sauber genug"

Seit 20 Jahren kämpft Georg Köhn im Rat der Stadt Buchholz für die Beibehaltung der dezentralen Abwasserentsorgung für die Bürger, die auf ihren Grundstücken Kleinkläranlagen betreiben und sich nicht für teures Geld an die Schmutzwasserkanäle anschließen wollen.

Buchholz - Und der 70 Jahre alte Holm-Seppensener, Vorsitzender der IDA (Initiative für Dezentrale Abwasserentsorgung), wird nicht müde, seinen Kampf gegen behördliche, politische oder wirtschaftliche Vorgaben fortzusetzen.

Seit 2002, seit der Novellierung der Bundesabwasserverordnung, verlangt Gunnar Peter, Abteilungsleiter Boden/Luft/Wasser in der Kreisverwaltung, von Betreibern der Kleinkläranlagen, auf sogenannte vollbiologische Anlagen umzurüsten. Die Umrüstung auf "vollbiologisch" kostet 3000 bis 7000 Euro. Im Landkreis Harburg haben bereits 3000 Haushalte ihre Kleinkläranlagen nach dem Willen der Kreisverwaltung verändert. Rund 3000 müssen noch in Holm-Seppensen und im Landkreis umgerüstet werden - wenn Diplomingenieur Köhn in der Abwasserverordnung nicht den Passus gefunden hätte, dass die einzelnen Bundesländer eigenständige Regelungen treffen dürften. Und Schleswig-Holstein hat im Mai 2008 die bisherigen Kleinkläranlagen erlaubt. Nur ein bestimmter Reinheitswert, der Chemische Sauerstoff-Bedarfs-Wert, muss eingehalten werden. "Und diesen CSB-Wert erreichen wir mit unseren bisherigen Anlagen ohne Schwierigkeit", sagt der Holm-Seppenser, "die bisherige Methode ist effektiver als die in der vollbiologischen Anlage." Eine Studie der Lübecker Hochschule bestätige diese Aussage.

IDA-Vorsitzender Köhn pocht jetzt auf die Gleichbehandlung. Er hat Landrat Joachim Bordt, den zuständigen Abteilungsleiter Peter, das Niedersächsische Umweltministerium und auch Minister Hans-Heinrich Sander mit Briefen "bombardiert". Bisher hätten sich alle mit Formalitäten, jedoch nicht mit den biologischen Prozessen beschäftigt, die beim Klären des Wassers abliefen.

Bei der gesamten Umrüsterei spielten wirtschaftliche Interessen eine bedeutende Rolle, überall in den Gremien säßen Lobbyisten von Unternehmen. Das sagt Professor Dr. Ing. Otto-Horst Hoffmann (69), der selbst eine Kleinkläranlage an seinem Haus in Schleswig-Holstein betreibt und in Buchholz wohnt. Auch Hartmut Ludwig (63) aus dem IDA-Vorstand vertritt diese Ansicht.

"In Niedersachsen sind mehr als 200 000 Betreiber von Kleinkläranlagen von der Verordnung betroffen", sagt Köhn, "das sind Umrüstungskosten von 1,5 Milliarden Euro." Dabei könnten noch gar keine Aussagen über die Reparaturanfälligkeit und Belastbarkeit der neuen Anlagen getroffen werden. (mp)