Harburg
Ein "Tante-Emma-Laden" in der dritten Generation

Familie Manke trotzt dem Trend

Hier gibt es frisches Gemüse, Würstchen, Mausefallen, Badehosen, Schmirgelpapier und lauter zufriedene Kunden.

Wintermoor

"Hier können Sie mit D-Mark bezahlen" verrät ein Schild an der Wand hinter der Kasse bei "Max Manke Lebens- und Genussmittel" in Wintermoor - doch die Kunden haben längst Euro und Cent in der Tasche. Vorbei sind auch die Zeiten, als es in jedem Dorf einen "Tante-Emma-Laden" gab. Längst fahren die Leute für den Großeinkauf zum nächsten Discounter. Doch Familie Manke trotzt dem Trend.

Wenn die ersten morgens um halb sechs zur Arbeit fahren, ist bei Elfriede, Egon und Matthias Manke an der Landesstraße von Schneverdingen zur B 3 schon geöffnet. Direkt vor der Tür ist die Haltestelle, hier fährt der Bus ab zum Airbus-Werk in Finkenwerder. Vorher gibt es noch schnell einen Kaffee - der Becher kostet 60 Cent -, ein Mettbrötchen oder eine hausgemachte Frikadelle. Patrick Liedtke aus Schneverdingen ist einer der treuen Morgengäste - nachmittags ist er auch wieder hier, beginnt den Feierabend mit Cola, Schokoriegel und Klönschnack.

Zeit mitgebracht hat auch Marie Zahlmann. Die 84-Jährige ist seit ihrer Jugend Stammkundin bei den Mankes. "Man wird abgeholt und mit dem Einkauf wieder nach Hause gebracht", lobt sie den Service, den der kleine Laden den älteren Bürgern bietet. Den Fahrdienst für die Kundschaft - die älteste Käuferin ist schon 93 - übernimmt Matthias Manke (37). Er hat das Geschäft vor drei Jahren von seinen Eltern übernommen.

Unterstützt wird er von Vater Egon (77) und Mutter Elfriede (65). Beide haben miterlebt, wie sich das Leben auf dem Lande gewandelt hat. Gegründet wurde das Geschäft 1932 von Egons Eltern Max und Anna Manke. Seitdem hat sich viel getan in und um Wintermoor. Die Veränderungen sind gravierend: Sechs Gaststätten gab es hier einst, eine Polizeidienststelle, ein Postamt, eine Schule, eine Fachklinik, und der Bahnhof hatte noch Personal statt Automaten - all das ist "weg", so Egon Manke.

Die jüngeren und mobileren unter den Kunden kommen auch nicht mehr einmal pro Woche zum Großeinkauf her, sie holen hier nur das, "was sie in den großen Geschäften vergessen haben", erklärt Egon Manke. Dabei ist das Sortiment nach wie vor umfassend: Frisches Obst und Gemüse gibt es, Duschgel und Brötchen, Kuchen und heiße Würstchen, Nähzeug, Zeitschriften und Topfpflanzen. Ganz oben auf dem Regal stehen Pappkartons mit handgeschriebener Auflistung des jeweiligen Inhalts: Mausefallen und Badehosen zählen dazu, Rückenbürsten und Briefpapier, Luftschlangen und Schmirgelpapier.

Auch Lotto wird in Wintermoor gespielt. "Einer hat hier mal einen großen BMW gewonnen", erinnert sich Egon Manke. "Glück musst du haben. Wenn einer fleißig ist, ist das die halbe Miete, aber Glück gehört auch dazu", sagt er.

Dass der Laden immer noch läuft und die Jahrzehnte ebenso überdauert hat wie neue Einkaufstrends, liegt auch an der persönlichen Note.

Wenn Stammkundin Marie Zahlmann Nudeln und Kekse auf dem Einkaufszettel notiert hat, dann weiß Egon Manke ganz genau, welche Sorten die 84-Jährige bevorzugt. Geduld gehört dazu und ein freundliches Wort für jeden Kunden - egal ob aus dem Ort oder auf der Durchreise: Rudi Carrell war schon hier, Peter Frankenfeld und Uwe Friedrichsen, Politikerin Annemarie Renger und der Deutsche-Bank-Manager Alfred Herrhausen. Matthias Manke, Chef in der dritten Generation, ist überzeugt, dass der freundliche Familienbetrieb auch in Zukunft gegen den Trend bestehen kann: "Wenn ich Kopfschmerzen dabei hätte, dann würde ich es nicht machen."