Harburg
Mienenbüttel: Die Bürgerinitiative misst den Lärm an der B 3

"Wir wollen hier keinen Logistikpark"

Den Einwohnern des Dorfes ist es jetzt schon zu laut. Und sie fürchten vor allem noch mehr Schwerverkehr durch ein neues Gewerbegebiet.

Mienenbüttel. Mit Lärm kennt sich der Holztechniker Klaus Brandenburg gut aus. Bis 1997 lebte er mit seiner Frau Angelika (56) und seinem Sohn Sven (30) in einem Mittelreihenhaus am Mühlenstieg in Fleestedt, nur 250 Meter von der Autobahn A 7 entfernt. "Der Verkehr floss rund um die Uhr Vollpower", erinnert sich Brandenburg, "es war schon tierisch laut."

Weil er auf einem Hof zugleich wohnen und arbeiten wollte, zog er vor elf Jahren von Fleestedt nach Mienenbüttel, wo 250 Menschen leben. Klaus Brandenburg lebt und arbeitet jetzt 250 Meter von der Autobahn 1 entfernt, die Abfahrt heißt Rade. Durch das zum elf Kilometer entfernt liegende Neu Wulmstorf (21 000 Einwohner) gehörende Dorf führt die Bundesstraße 3, Klaus Brandenburgs Terrasse liegt zwölf Meter vom Straßenrand entfernt.

Und geht es nach dem Bebauungsplan in Neu Wulmstorf, soll demnächst auch ein 80 Hektar großer Logistikpark fast an das Grundstück Brandenburgs grenzen. Vier Hallen sind 500 Meter lang und 100 Meter breit. Der Investor, die Düsseldorfer Habacker Holding, verspricht in einer Broschüre für den "LogPark Hamburg kosten- und verkehrsgünstige Logistikflächen am Tor zu Nord- und Osteuropa - die Lage im südlichen Raum Hamburgs bietet deutliche Kostenvorteile gegenüber Flächen im Hamburger Hafen oder im Citygebiet".

Der Bebauungsplan in Neu Wulmstorf rechnet mit 8300 Kfz-Zufahrten und entsprechend 8300 Kfz-Abfahrten pro Tag. Darunter 1255 Zufahrten und ebenso viele Abfahrten durch Schwerverkehr und 835 Zu- und Abfahrten durch Lieferwagen. Genau diese Lastkraftwagen sind Klaus Brandenburg und anderen Mienenbüttlern ein Dorn im Auge. Denn schon jetzt fahren nach einem Gutachten vom Büro des Diplom-Ingenieurs Ulfert Hinz Zukunftsorientierte Verkehrsplanungen täglich 13 200 Kfz durch Mienenbüttel. Hinzu kommen auf der nicht mautpflichtigen Bundesstraße 3 täglich 1650 Lkw, die direkt an Klaus Brandenburgs Haus vorbeifahren.

Wie fast alle im Dorf ist Klaus Brandenburg in der Bürgerinitiative "Für Mienenbüttel/Rade" engagiert. Er hat an einem Montagmorgen zwischen 4.30 Uhr und 6.45 Uhr gemessen, wie viele Lkw an seinem Haus vorbeifahren - es waren 184. "Die Zahlen, die uns präsentiert werden, sind doch ohnehin nach unten gerechnet", sagt Klaus Brandenburg. Vor acht Jahren hätten die offiziellen Messungen für Mienenbüttel bei 13 378 Kfz und 1636 Lkw pro Tag gelegen, also fast identisch mit den heutigen. "Dabei hat der Lkw-Verkehr in den letzten Jahren stark zugenommen." Die Verkehrsdaten Neu Wulmstorfs prognostizieren 21 800 Kfz am Tag in Mienenbüttel - und zusätzlich 8300 Fahrten über die neue Straße zum Logistikpark.

Sein Nachbar, der Apfelbauer Claus Viets (55), hat den Lärm mit einem Schallmessgerät dokumentiert. Auf Klaus Brandenburgs Terrasse misst das Gerät 65 Dezibel, wenn ein Lkw vorbeifährt. Direkt am Straßenrand zeigt die Skala bis zu 89 Dezibel.

"Gegen ein normales Gewerbegebiet mit Tischlereien und Schlossereien wäre nichts einzuwenden", sagen Klaus Brandenburg und seine Nachbarn Claus Viets, der ehemalige Straßenwachtmeister Bernd Lückemann (70) und Firmeninhaber Wolfgang Eichler (71). "Aber wir wollen keinen riesigen Logistikpark direkt vor unserer Haustür haben."