Harburg
Landwirtschaft: Besuch auf der Straußenfarm in Lusthoop

Ach, du dickes Ei!

Bis zu 1700 Gramm schwer sind die Eier, die die Straußen-Hennen auf dem Hof Hauschild pünktlich zu Ostern gelegt haben.

Ohrensen-Lusthoop. Die größten frischen Ostereier an der Niederelbe kommen vom Hof Hauschild im 70-Einwohner-Örtchen Lusthoop bei Harsefeld. Auf der einzigen Straußenfarm in der Region haben die Hennen Kathleen und Hanna überraschend schon insgesamt drei Eier gelegt - jeweils zwischen 1600 und 1700 Gramm schwer. Normalerweise beginnen die afrikanischen Laufvögel in diesen Breitengraden erst Ende März damit. Die milden Temperaturen Mitte des Monats dürften dafür gesorgt haben, dass die Eierproduktion pünktlich zum Osterfest gestartet ist.

Seit gut sechs Jahren halten Birgit (44) und Ingo (45) Hauschild Strauße - für Aufsehen sorgen die exotischen Riesenvögel immer noch. Der eifersüchtige Zuchthahn "Eik" beschäftigte sogar die Versicherung: Auf der Balz wehrt er jeden Annäherungsversuch an seinen beiden Hennen vehement ab. Sogar den Ford Maverick der Hauschilds sah er als Nebenbuhler an. Das 140 Kilogramm schwere Tier rammte mit dem Brustpanzer eine Beule in das Blech. "Das passiert bei uns nicht so häufig", laute der Kommentar bei Hauschilds Versicherungspartner. Angriffe von eifersüchtigen Riesenvögeln deckt die Police nicht. Aus Kulanz bekamen die Hauschilds 300 Euro.

Birgit und Ingo Hauschild halten Strauße als Nutztiere. Sie sehen in der Straußenzucht eine Marktnische, um den zerstörerischen Strukturwandel in der Landwirtschaft zu überstehen. Erst nach vier Jahren Streit mit dem Landkreis Stade, der sich bis zum Verwaltungsgericht Stade zog, erhielten Hauschilds die Genehmigung für die erste und bislang einzige Straußenfarm im Landkreis - zunächst befristet für fünf Jahre. Hauptstandbein des Familienbetriebes ist der Reiterhof. Wegen der Anfangsinvestitionen bringe die Straußenfarm zunächst nur "ein Taschengeld", so Ingo Hauschild.

Zurzeit beschränkt sich der Bestand auf das Zuchttrio. Offen sei noch, ob die Hauschilds wie im Vorjahr elf Schlachttiere kaufen werden. "Vielleicht setzen wir dieses Jahr auf das Ausbrüten eigener Eier", sagt Birgit Hauschild. 20 Euro kostet das Kilo Straußenfleisch aus der Lusthooper Produktion. Geschmacklich, erklärt Birgit Hauschild, eine Mischung aus Rind und Wildschwein. Auf der rund einen Hektar großen Farm haben die Strauße weit mehr Auslauf als ihre Artgenossen auf Farmen in den Niederlanden. "Dort werden auf der gleichen Fläche bis zu 2000 Tiere gehalten", sagt Ingo Hauschild. Wenn Sohn Klaas (20) voll in den Betrieb einsteigt, würden die Hauschilds ihren Bestand gerne um drei zusätzliche Zuchttiere erweitern.

Ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr legen Straußenhennen Eier. Etwa 70 Jahre werden die großen Laufvögel alt. Insgesamt 74 Eier haben Hauschilds zwei Hennen in der vergangenen Saison gelegt. Eine eher magere Ausbeute, wie Birgit Hauschild meint. Die Straußenpionierin nimmt's auf ihre Kappe: "Wir müssen noch mehr Erfahrung sammeln." Die Hälfte der Ausbeute wurde verkauft, die andere Hälfte zur Brut eingesetzt. Das dickste jemals auf der Farm gelegte Ei wog stolze 2100 Gramm.

Nicht nur die Eier und das Fleisch der Riesenvögel lassen sich verwerten. Die Federn sind bei Kostümschneidern begehrt. Die Haut wird zu Leder.