Ein Harburger setzt auf China

Wirtschaft: Kompetenz-Zentrum soll in den Binnenhafen. Anwalt Rolf Geffken hat zehn China-Experten aus Deutschland zusammengetrommelt. Sie sollen Unternehmen auf beiden Seiten beraten.

Harburg. Sein Interesse für China bestehe nicht, weil er mit einer Chinesin verheiratet ist, sagt der China-Experte und Fachanwalt für Arbeitsrecht in seinem Büro an der Harburger Schloßstraße. Rolf Geffkens Ehefrau Janet (36) stammt von den Philippinen. Und der 57-Jährige, der am Wochenende in Cadenberge im Landkreis Cuxhaven und in der Woche in Harburg lebt, hat sich schon frühzeitig für Südostasien interessiert. Er promovierte an der Universität Bremen über Seearbeitsrecht und machte sich danach für philippinische Seeleute stark, schrieb auch ein Gutachten für den Verkehrsausschuss des Bundestages, in dem er die Arbeitsbedingungen auf den Philippinen beschrieb.

Mittlerweile ist das Reich der Mitte ganz im Visier des mehrfachen Buchautors, der sich mit einem kleinen Schmunzeln auch als "alter Achtundsechziger" bezeichnet, der in seiner Sturm- und Drangphase gegen den Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze demonstrierte und im Studentenparlament der Uni Hamburg saß. Sein Institut für Arbeit, das auf Englisch den stolzen Namen "International Institute for Comparison of Labour & Industrial Relations" trägt, will jetzt ein "China-Kompetenzzentrum für Hamburg" eröffnen. "Wir wollen in Harburg die Idee eines China-Zentrums mit geringfügigen Mitteln aufrechterhalten", sagt Rolf Geffken in Richtung "Mr. Binnenhafen", Arne Weber, der seinen "China-Tower-Plänen" jetzt einen "Tower-5-Plan" mit einem 100 Meter hohen Hochhaus hat folgen lassen.

Rolf Geffken hat indes zehn China-Experten aus ganz Deutschland zusammengetrommelt, die "abseits der akademisch überlastigen China-Kompetenz" ihre Dienste anbieten werden: Darunter die in Berlin geborene Juristin Kei-Lin Ting, deren Eltern aus Taiwan kommen; die kurz vor dem Master-of-Law-Abschluss stehende Hong Mei Zhang, die in Hausbruch lebt; und die kurz vor dem Examen für Medienkultur, Sinologie und Betriebswirtschaftslehre stehende Weizhang Chen.

"Alle unsere Mitglieder besitzen unterschiedliche Erfahrungen auf unterschiedlichsten Gebieten und stehen chinesischen Unternehmen in Deutschland wie auch deutschen Unternehmen auf dem Weg nach China zur Seite", sagt Rolf Geffken.

Es nütze nichts, so der Rechtsanwalt wenn ein Chinese weiß, wie er eine GmbH gründet, aber kein Visum bekommt oder wenn ein Deutscher viel Geld in China investieren will, aber nicht über erfahrene Dolmetscher seines Vertrauens verfügt. Auch elementare Verhaltensregeln will das China-Team lehren: "Ein deutscher Unternehmer sollte vor dem Geschäft immer mit dem chinesischen Partner essen gehen und auf alle Fälle eine Visitenkarte auf Chinesisch zur Hand haben."