Harburg

Lusthoops Strauße trotzen der Vogelgrippe

Landwirtschaft: Landkreis gab die Genehmigung. Familie Hauschild darf ihre elf Riesenvögel im Freien lassen - unter genauer Beobachtung, versteht sich.

Bargstedt-Lusthoop. Nach dem Fund einer infizierten Bergente am Elbufer in Schleswig-Holstein ist die Vogelgrippe auch im Landkreis Stade ganz nah. Dort sind nicht nur Hühner, Enten und Gänse in Gefahr, sondern insgesamt elf exotische Riesenvögel: der Bestand der einzigen Straußenfarm an der Niederelbe in Lusthoop. Trotz der Stallpflicht bleiben die bis zu zwei Meter großen Laufvögel in ihren Gehegen unter freiem Himmel - mit ausdrücklicher Genehmigung des Kreisveterinäramtes. Die Riesenvögel einzusperren, erklärt Straußenhalterin Birgit Hauschild (42), würde gegen den Tierschutz verstoßen.

Müßten die Strauße nach einer Vogelgrippe-Infektion gekeult werden, wäre das ein bitterer Schlag für die Landwirtsfamilie Hauschild. Nach vier Jahren Streit mit dem Landkreis Stade, der sich bis vor das Verwaltungsgericht Stade zog, haben Birgit und Ingo Hauschild erst in diesem Winter die offizielle Genehmigung für ihre Straußenhaltung in Lusthoop bei Harsefeld erhalten - zunächst befristet für die nächsten fünf Jahre.

Die Ausnahmegenehmigung zur Befreiung vom Aufstallungsgebot ist mit Auflagen verbunden. Einmal im Monat muß ein Tierarzt die Straußenvögel untersuchen. Zehn Tieren des Bestandes wurde Blut zur weiteren Untersuchung abgenommen. Die Straußenhalter müssen zudem täglich bei ihren Tieren nach Vogelgrippe-Symptomen Ausschau halten. "Wenn ein Tier träge in der Ecke sitzen und keinen Appetit haben würde", erläutert Birgit Hauschild, "könnte das ein Anzeichen für eine Infektion sein."

Die Straußenhalterin kann mit den zusätzlichen Kosten, etwa 200 bis 300 Euro, und dem Mehraufwand für die Ausnahmegenehmigung gut leben. Schlimmer, sagt sie, wäre eine Stallpflicht gewesen. Das hätte unweigerlich zu einem Verlust von Tieren geführt. In Revierkämpfen auf engem Raum hätten sich die Strauße schwere Verletzungen zugeführt, so Birgit Hauschild. Straußenhalter in anderen Bundesländern, berichtet sie, seien von der Stallpflicht nicht befreit worden und hätten bereits Tiere verloren.

Furcht, daß die Vogelgrippe ihren Hof erreichen könnte, hat Birgit Hauschild nicht. Gewässer, die infizierte Zugvögel ansteuern könnten, gebe es auf der Geest nicht. Ihre Straußenvögel seien bestens ernährt und daher weniger anfällig für Krankheiten. Vieles in der Berichterstattung über die Vogelgrippe hält die Landwirtin für Hysterie. Sie mahnt zu mehr Gelassenheit: Die Krankheit sei nicht neu, sondern bereits im 19. Jahrhundert aufgetreten. Schon immer seien in besonders kalten Wintern verendete Vögel aufgefunden worden. Birgit Hauschild plädiert dafür, wie im benachbarten Ausland das Impfen gegen die Vogelgrippe zuzulassen. Birgit und Ingo Hauschild sehen in ihrer Straußenzucht einen Weg, den zerstörerischen Strukturwandel in der Landwirtschaft zu überstehen. Rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes soll der Verkauf von Straußensteaks, Aufschnitt, Rieseneiern und Federn (Karnevalsvereine im Rheinland zählen bereits zu den Abnehmern) einmal einbringen. Bis auf eine Kuhherde mit vier Tieren haben Hauschilds ihre Milchwirtschaft abgeschafft. Hauptstandbein des Betriebes ist der Pferdehof, auf dem auch der Verein "Freizeit zu Pferd" seinen Sitz hat.

Etwa vier Jahre stritt die Landwirtsfamilie mit Unterstützung des Kreisbauernverbandes für die Zulassung der einzigen Straußenfarm im Landkreis Stade. Die Kreisverwaltung sperrte sich lange, schob tierschutzrechtliche Gründe vor. Dabei verlangten die Behörden baurechtliche Auflagen, vor allem 1500 Quadratmeter Überdachung, die nach Ansicht des Verbandes deutscher Straußenzüchter gerade eine artgerechte Haltung von Straßen verhindern würden. Der Durchbruch kam im vergangenen Jahr, als die zuständige Veterinärin Diana Plange ihren Hut nahm. Heute genügen zwei Stallungen mit insgesamt 200 Quadratmetern. Das afrikanische Straußentrio Eik, Kathleen und Sheila lebt bereits seit mehr als vier Jahren auf der Geest in Lusthoop - in bester Gesundheit, wie auch die Tierärzte des Landkreises stets bescheinigten.