Harburg Vorbild für Shanghai

Technologie: Die Europäische Solarbauausstellung in Heimfeld und Wilhelmsburg setzt Zeichen - weltweit. Jetzt interessiert sich Shanghai dafür.

Harburg. Nach offizieller Statistik gibt es in der chinesischen 16-Millionen-Metropole Shanghai 186 Hochhäuser, die höher sind als 100 Meter. Da wirkt Harburg mit seinem 86 Meter (mit Antenne) hohen Channel Tower geradezu wie Provinz. Dennoch ist Magali Menant, Handelsattache der Außenhandelskammer in Shanghai, nach Harburg gekommen, um zu lernen und um - wie sie sagt - "Netzwerke auszubauen". Im Herbst 2006 soll es in Shanghai eine ökologische Bauausstellung geben - nach dem Vorbild der Ausstellung in Heimfeld und Wilhelmsburg.

Den Anstoß hat ein Memorandum gegeben, das Bürgermeister Ole von Beust bei seiner China-Reise im Herbst 2004 gemeinsam mit Shanghais Bürgermeister Han Zheng unterzeichnet hat. Dabei wurde unter anderem das Pilotvorhaben für nachhaltigen Städtebau vereinbart. Das Ziel ist klar: Deutschen Unternehmen soll der chinesische Markt geöffnet werden, und ganz besonders angesprochen sind in diesem Fall Unternehmen, die fortschrittliche Umwelttechnologie anbieten. "Dabei gibt es durchaus Vorbehalte", sagt Magali Menant. Die deutschen Unternehmer hätten Angst um ihr Know-how, das wollten sie nicht so einfach preisgeben. Andererseits böten sich für deutsche Unternehmen ungeahnte Chancen. Seit etwa zehn Jahren sei es im ehemals kommunistischen China zum Beispiel erlaubt, Eigentumswohnungen zu kaufen. Außerdem sei Umwelttechnologie für die Asiaten weitgehend Neuland.

Gestern saß Magali Menant, die in Paris Wirtschaftswissenschaften studiert hat, im "momento di" am Veritaskai im Binnenhafen und sprach mit Senatsdirektor Willi Rickert, Leiter des Amts für Wohnen, Stadterneuerung und Umwelt, dem Harburger Bauunternehmer Günther Stein und Horst Erichsen vom Initiativkreis Bauen und Umwelt e.V. über die Ausstellung in Shanghai.

Erichsen ist Ausrichter der Ausstellung in Heimfeld und Wilhelmsburg, die noch bis zum 19. Juni geöffnet (werktags von 14 bis 20 Uhr und am Wochenende von 11 bis Uhr) ist. Auf dem Ausstellungsgelände sind neue innovative Wohnquartiere mit energieoptimierten Wohnhäusern entstanden, die weitgehend auf den Verbrauch fossiler Brennstoffe (Öl, Erdgas, Kohle) verzichten. Die Besucher erwarten über 20 Musterhäuser und ausführliche Informationen zum energieoptimierten Bauen. Die hier entstandenen Mehrfamilienhäuser und Eigenheime sind so gebaut, daß sie bis zu 80 Prozent weniger Energie für Heizung und Warmwasser benötigen als übliche Neubauten. Erichsen: "Die restliche Energie wird weitgehend aus erneuerbaren Energien erzeugt." Sämtliche Gebäude verbrauchen im Jahr und pro Quadratmeter maximal 40 Kilowattstunden. Das entspricht vier Liter Heizöl. Um nachzuweisen, daß solche fortschrittlichen Gebäude finanzierbar sind, dürfen die Baukosten 1250 Euro pro Quadratmeter nicht überschreiten. Weitere

Informationen im Internet unter www.solar-bau

ausstellung.de

Im Herbst 2006 soll es in Shanghai eine ökologische Bauausstellung geben.