Kennen Sie Frl. Menke aus Maschen?

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Manfred Peschel

Comeback: Sie war ein Star der Neuen Deutschen Welle in den 80er-Jahren. Jetzt geht Franziska Menke wieder auf Tournee

Maschen. Die Neue Deutsche Welle (NDW) ist wieder da. Die Musik der 80er-Jahre. Und da eine Frau aus Maschen wieder auf die Bühne, einst bekannt als Fräulein Menke - Franziska Menke. Die heute 43 Jahre junge Franzi, wie sie sich bei Freunden am Telefon meldet, hat auch eine Erklärung dafür: Die junge Generation, die die NDW als Kinder und Jugendliche erlebte, sind jetzt in dem Alter, in dem sie selbst Partys organisieren. Da hören sie gern die "alte" Musik. Und Franziska Menke hat damit in der Schlagerbranche einiges zu tun. Anfang März tourt sie mit der Spider Murphy Gang, der Münchner Freiheit und einigen mehr durch Deutschland, wo sie Hallen füllen wollen, die 5000 Menschen fassen. Für den Herbst ist eine ähnliche Tournee vorgesehen.

Wo Franziska Menke wohnt und aufgewachsen ist, hat schon ihr Vater, Joe Menke, mit den Truck Stops verkünden lassen: "Der wilde, wilde Westen fängt gleich hinter Hamburg an", im Tonstudio an der Autobahn in Maschen nämlich. Joe Menke produzierte weltbekannte Künstler wie Bert Kaempfert, Roger Whitaker, James Last oder Milva. Franzi: "Seit 1962, ich war zwei Jahre, bin ich mit im Studio gewesen." Das war ursprünglich im Haus ihrer Eltern, 300 Meter entfernt von dem Haus, das die Sängerin jetzt bewohnt. "Dieses Haus habe ich mir 1994 von dem Geld gebaut, das ich nach der Wende in den neuen Bundesländern verdient habe. Dort wollte man uns live auf der Bühne sehen, während wir im Westen als abgefiffene Typen galten. Die A 24 war mein Zuhause." Während ihrer Kindheit sprach sie auch schon Werbetexte, zum Beispiel für Smarties: "Da ist prima Vollmilchschokolade drin", sprudelt es sofort aus ihr heraus, "und so verdiente ich mir immer etwas zum Taschengeld dazu."

Franziska Menke beendete mit der mittleren Reife ihre Schulzeit und ging mit 18 Jahren nach Berlin. "Berlin war geprägt vom Punk, der NDW. Da habe ich gemerkt, hier ist richtig etwas los." Dort schrieb sie auch ihr erstes Lied: Hohe Berge. "Silvester war ich noch unbekannt, nach drei Monaten war ich schon in den Charts." Franzi gibt zu, dass die Bekanntschaft mit den Stars aus dem Tonstudio in Maschen hilfreich war. Sie war sich auch bewusst, dass die NDW nach kurzer Zeit ausläuft. "Drei Jahre war ich intensiv Fräulein Menke." Danach sang sie noch in einer Jazz-Combo. Und dann trat die Familie in den Vordergrund. Von ihrem Mann - "der hat nur studiert, Maschinenbau, und sich von mir versorgen lassen" - ist sie geschieden, er hat auch Sohn Ivo (14) mitgenommen, "anstrengende Männer". Tochter Alice (17) wohnt bei Franziska Menke.

Die Zeit nach der Bühnenkarriere gefiel ihr gar nicht. Die Kinder und die kleine Etagenwohnung waren ihr ein Horror, keine Arbeit, kaum Geld und der Mann studierte nur. Inzwischen lebt die Maschenerin aus mehreren Quellen. "Von 7.15 bis 12 Uhr arbeite ich bei UPS, stelle in der Hamburger Innenstadt Pakete zu. Ich verdiene gutes Geld, 900 bis 1000 Euro netto. Davon bezahle ich meine Sozialversicherungen." Den Kollegen erzählt sie nicht, dass sie am Wochenende für einen Bühnenauftritt genau so viel Geld bekommt, wie sie im Monat verdienen. "Es muss nicht unnötig Neid aufkommen." Während ihrer Arbeit wird sie manchmal von den Kunden erkannt und einige bitten um ein Autogramm.

Obwohl Franziska während der Weihnachtsfeier bei Microsoft am Berliner Tor als Fräulein Menke auftrat, erkannten die Beschäftigten sie im Büro als Zustellerin später nicht. Der Mann in der Poststelle gab ihr sogar fünf Euro Trinkgeld, als sie einige Computer ablieferte. An manchen Wochenenden spielt sie auch im Musical Richy's Traum im Delphi Showpalast mit. Und jeden Mittwoch um 19 Uhr leitet sie in der Gemeindeverwaltung Maschen, Schulstraße, einen Gospelchor. "Wir sind 22 Frauen und brauchen dringend Männer."

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