Helms-Museum feiert Hans Drescher

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Adolf Brockmann

Zum 80. Geburtstag ein Festkolloquium für den Harburger Wissenschaftler

Harburg. Heute wird der 80. Geburtstag von Hans Drescher im Familienkreis am Metzendorfer Weg gefeiert. Morgen, Freitag, steht der zweifache Ehrendoktor dann im Helms-Museum am Harburger Rathausplatz 5 im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu der Wissenschaftler aus dem In- und Ausland in Harburg erwartet werden.

Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Hamburger Museums für Archäologie und die Geschichte Harburgs, hat zu einem Festkolloquium zu Ehren Hans Dreschers eingeladen. Sicher nicht nur für den 80-Jährigen ein Höhepunkt: Im Helms-Museum werden am Nachmittag erstmals Nachgüsse zweier Glocken aus dem ehemaligen Hamburger Dom präsentiert. Ihre Vorbilder stammen aus dem 11. Jahrhundert und stellen das älteste nachgewiesene Domgeläut Europas dar. Die zugehörige Gussgrube wurde 1986 durch Mitarbeiter des Helms-Museums auf dem alten Hamburger Domplatz an der Steinstraße/Altstädter Straße ausgegraben und im Block geborgen. Es ist, so Prof. Weiss, den Forschungen Hans Dreschers zu verdanken, dass die beiden Glocken auf der Grundlage des Originalbefunds rekonstruiert werden konnten.

Hans Drescher hat einen bemerkenswerten Lebensweg hinter sich: vom Maschinenbauer, angelernten Zimmermann, Hochbauingenieur und Architekten bis zum Museumsmitarbeiter, Archäologen und freien Wissenschaftler. Seine Arbeiten haben nicht nur für den Harburger Raum und Hamburg große Bedeutung. Hans Drescher ist mit seinen Untersuchungen zur Metallurgie-Geschichte weit über die Grenzen des heimischen Arbeits- und Wirkungskreises hinausgewachsen, heißt es in einer Würdigung im neuen "Harburger Kreiskalender".

Der Wissenschaftler ist in Harburg/Elbe geboren, war schon in jungen Jahren fasziniert vom Schmiedefeuer, den Drehbänken und den wegsprühenden Spänen, die er in Bostelbek beim Kohlensäurewerk kennen lernte, in dem sein Vater als Eisendreher und Betriebsschlosser tätig war. Seine Tätigkeit - Hans Drescher ist Spezialist für Fragen des Glockengusses - wurde nicht nur durch die Verleihung der Ehrendoktorwürden der Universitäten Kiel und Hamburg gewürdigt. Der Harburger bekam 1988 die Senator-Biermann-Ratjen-Medaille vom Hamburger Senat verliehen. Er ist Mitglied der Archäologischen Kommission für Niedersachsen und seit 1989 Ehrenmitglied des Vereins Deutscher Gießereifachleute, Inhaber der Brüder-Grimm-Medaille, Ehrenmitglied des Vereins Deutsches Glockenmuseum.

Außerdem hat er sich Anerkennung durch eine Vielzahl von Publikationen erworben, etwa zu Themen in der Nachbarschaft, über Kirchengrabungen in Tostedt und Harburg, die Jesteburger und Harsefelder Glocken. Auch wenn er in Haithabu bei Schleswig und Brauschweig ebenso geforscht hat wie im Allgäu, begonnen hat alles eben in Harburg und in Harburgs Nachbarschaft, wie der 80-Jährige bei all seiner internationalen Arbeit und Bedeutung immer wieder betont. Und darum ist es nur gut, dass das Festkolloquium aus Anlass seines 80. Geburtstags im Harburger Helms-Museum stattfindet.

( A.Br. )

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