Harburg
Randnotiz

Kesser Bengel im Westend

Vor gut 70 Jahren war es noch ein reines Industriegebiet.

Hier in Ottensen standen noch Maschinenfabriken und Fischräuchereien. Eine Industriebahn durchquerte die Straßen und belieferte die Betriebe. Heute beherbergt dieser Stadtteil edle Stadtwohnungen und Büros. Auch die Vermarktungsgesellschaft der Klitschkobrüder hat hier ihren Sitz.

Der Name "Ottensen-Westend" soll Assoziationen erwecken zum Londoner Stadtteil gleichen Namens, dem überaus attraktionsreichen westlichen Teil der Londoner Innenstadt. Hier wie dort siedelten sich vor allem wohlhabende Bürger an. Dieser Tage schlenderten meine Liebste und ich durch das Ottenser Viertel, vorbei an dem Brunnen im Innenhof, als uns ein aufgeweckter Achtjähriger nach der Uhrzeit fragte. Er sei nur zu faul, sonst könne er auch nach oben zu seinen Eltern gehen und fragen, aber dann müsse er womöglich gleich oben bleiben erwähnte er noch, kommunikationsfreudig wie er war. Abends erwarteten sie auch noch Gäste, erfuhren wir.

Schon einmal im Gespräch erfuhren wir auch noch, dass der clevere Bursche offenbar eine Privatschule besuchte. Ich bewunderte sodann seinen Kapuzenpullover mit dem Totenkopf auf der Brust und fragte, ob er St. Pauli-Fan sei. Strahlend nickte er und fragte sofort zurück: "Und für wen seid ihr?" Ich wollte ihn nicht enttäuschen, antwortete dennoch etwas zurückhaltend: "für HSV". Wir schlagen euch, drohte er. So hatte sich also ein süßer Bengel aus dem "Upper-class" - Milieu auf seine Art ein Stück Individualität bewahrt. Mir gefiel der Junge!