Harburg
Randnotiz

Fernseh-Gewohnheiten

Eine Glosse von Antje Cords

Als ich ganz klein war, hatten meine Eltern noch kein Fernsehgerät. Bei besonderen Ereignissen, wenn zum Beispiel Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler bei Olympia ihre Kreise ins Eis kratzten, durften wir bei unseren Nachbarn fernsehen. Das war schön. Wenig später hatten wir dann aber auch einen eigenen Apparat wie so viele andere.

Kindersendungen gab es damals ganz selten. Wenn es Lassie oder Fury gab, war die Straße leergefegt, weil alle sich die Filme ansahen. In den Schulferien oder am Wochenende traf sich die Familie abends im Wohnzimmer und dann saßen wir gemeinsam vor dem Gerät und sahen uns Grzimeks "Ein Platz für Tiere", Robert Lemkes "Was bin ich" oder "Einer wird gewinnen" mit Hans-Joachim Kulenkampff an. Genauso wie viele tausend andere Kinder der Nation. Noch heute unterhält sich meine Generation über die damals gesehenen Fernsehsendungen. Es gibt Dinge, die vergisst man nie.

Auch später sahen alle Bundesdeutschen dasselbe. In der Familie, in der Schule und auch in der Kantine wurde über den letzten Krimi oder Straßenfeger geredet.

Das endete erst, als sich die Privatsender durchsetzten. Seitdem wird um die Fernbedienung und das ausgewählte Programm gestritten. Um den Familienfrieden wieder herzustellen, kaufen die Eltern ihren Kindern eigene Geräte.

Statt wie früher gemeinsam um den Fernseher herum zu sitzen, verschwindet jetzt jedes Familienmitglied in sein eigenes Zimmer und sitzt dort ganz allein vor dem eigenen Bildschirm. Inzwischen achten viele Kinder gar nicht mehr auf die Sendung, sondern spielen nebenbei auch noch auf ihrem Computer oder chatten mit ihren Freunden.

Gemeinsamkeit in der Familie gibt es da natürlich nicht mehr und hinterher auch keine Gespräche mehr über die Qualität der Sendungen, so wie es früher einmal war. Schade eigentlich.