Moment mal

(K)ein Weg mehr nach Dibbersen

Eine Glosse von Rolf Zamponi

Ach, es ist eine Freude. Wenn man so in Richtung Buchholz unterwegs ist und kurz vor Dibbersen auf diese neue Umgehung einbiegt. Diese Weite, diese blauen Schilder fast wie auf der Autobahn, die glatte Fahrbahn und diese fast unbegrenzten Möglichkeiten. Auf die A1, weiter geradeaus, ab in den Kreisverkehr, Richtung Buchholz oder, oder, oder. Alles ist möglich und so schön ausgeschildert.

Ja, der Landkreis Harburg hat eine neue Sehenswürdigkeit. Gut 17 Millionen Euro für die Umgehung des 1000-Einwohner-Ortes, das war gut investiertes Geld. Und wenn man so aufs Gaspedal tritt, breitet sich zugegeben Zufriedenheit darüber aus, dass ein Bauprojekt tatsächlich fertig geworden ist. Selbstverständlich ist das heute ja nicht mehr. Tja, auch da bildet der Landkreis eine rühmliche Ausnahme.

Und Dibbersen? Ja, Dibbersen. Ein wunderbarer Ort, in dem schon im Jahre 1656, kurz nach dem 30-jährigen Krieg, der Forstarbeiter Hans Frommann eine Schankwirtschaft im Nebenerwerb betrieb. Heute ein allseits beliebtes Restaurant und Hotel mit Oldtimer-Ausfahrt und -Treffen in diesem Jahr am 11. und 12. April. Wer weniger Zeit zum Essen hat, kann bei der Filiale einer Burger-Kette hereinschauen und schließlich schwören Alteingesessene auf die im Ort ansässige Autowaschanlage. Interesse bekommen? Dann beim nächsten Mal die Ausfahrt nehmen, die auf der Umgehung nach Dibbersen führt. Das Dorf zu umgehen und einfach so liegen zu lassen, hat der Ortsteil von Buchholz wirklich nicht verdient.