Nach Unfall am Mundsburger Damm

Fahrraddemo zum Gedenken an verstorbene 18-Jährige

Trauer und Bestürzung herrscht nach dem Tod der erst 18 Jahre alten Käthe W. unter den Mitschülern und Lehrern. Schulgemeinschaft kündigt Trauergottesdienst im „Kleinen Michel“ an.

Hamburg. An der Unfallstelle liegen Blumen, Kerzen brennen. Ein roter Luftballon in Herzform flattert im eisigen Wind. An der Schule, an der sich die 18-Jährige auf ihr Abitur vorbereitete, kümmern sich Seelsorger um die Mitschüler, die am Donnerstagmittag von der Tragödie erfuhren. Am Freitagabend demonstrierten hunderte Fahrradfahrer zum Gedenken an die verstorbene Käthe. Zugleich forderten die Teilnehmer von der Hamburger Verkehrspolitik, für sicherere Radwege zu sorgen.

Die Radfahrer fuhren an die Unfallkreuzung, hielten dort inne, befestigten ein weiß lackiertes Rad am Absperrgitter und zündeten Kerzen an. Nach einem kurzen Dauerklingeln fuhren die Demonstranten weiter. Der Mundsburger Damm war von der Polizei für die Demo gesperrt worden.

„Wir sind zutiefst geschockt und betroffen und denken in diesen Stunden vor allem an die Eltern, die ihre Tochter verloren haben“, so Schuldezernent Erhard Porten. Schulleiterin Christiane Hofmann, die Schulseelsorgerin und Lehrer stünden den Mitschülern, die von dem Unglück sehr mitgenommen sind, zur Seite. Am 5. Februar werde die Schulgemeinschaft mit einem Trauergottesdienst im „Kleinen Michel" Abschied nehmen.

Interessenverbände nutzen den Unfall, um auf ihre Ziele hinzuweisen. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) fordert eine generelle Ausrüstung von Lastwagen mit Abbiege- und Bremsassistenten. Diese sollenden Fahrer beim Rechtsabbiegen, wenn er einen Radfahrer oder Fußgänger übersehen könnte, und bremsen bei Gefahr das Fahrzeug automatisch bis zum Stillstand ab. Außerdem fordert der ADFC von der Stadt eine breit angelegte Verkehrssicherheitskampange sowie eine Ausweitung der Tempo-30 Zonen.

Abbiegeassistenten kein Allheilmittel

Auch die Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Katharina Reiche (CDU), hat ein elektronisches Warnsystem für Lastwagen gefordert. „Das Warnsystem muss verpflichtend zumindest für alle neu zugelassenen Lkw sein – sobald es zuverlässig einsetzbar ist“, erklärte Reiche.

Christian Schäfer vom ADAC Hansa sieht in den Abbiegeassistenten kein Allheilmittel. Solche Systeme sind in der Entwicklung und in neueren Fahrzeugen auch schon vorhanden“, sagt der Experte. Sie könnten in bestimmten Situationen versagen. Auch verbesserte Rückspiegel, über die der Fahrer wesentlich besser das Umfeld einsehen könne, seien gesetzlich vorgeschrieben. Am Ende gebe es immer wieder tote Winkel.

Als beste Lösung sieht Schäfer die Einrichtung von Schutzstreifen auf geeigneten Straßen an. Sie seien, so belegen es Statistiken deutlich sicherer, da die „Sichtbeziehung“ mit Radfahrer besser sei.