Stadtentwicklung

Der große Streit um neue Tennisplätze für Hamburg

| Lesedauer: 4 Minuten
Friederike Ulrich
Ulrich Feist auf den Plätzen des Tennisvereins WET am Mühlenteich. Im Hintergrund ist die für die Erweiterung benötigte Wiese.

Ulrich Feist auf den Plätzen des Tennisvereins WET am Mühlenteich. Im Hintergrund ist die für die Erweiterung benötigte Wiese.

Foto: Roland Magunia / Funke Foto Services

Verein will an der Erikastraße zwei neue Plätze bauen. Nachbarn wollen das verhindern. Was die Vereinsvorstände dazu sagen.

Hamburg.  Der Aufschlag der Nachbarn ist grantig. Mit dem Bürgerbegehren „Grünfläche für alle“ wollen sie verhindern, dass die Tennisanlage des Winterhude-Eppendorfer Turnvereins (W.E.T.) auf einer derzeit frei zugänglichen Grünfläche an der Erikastraße zwei neue Tennisplätze baut (wir berichteten).

Der Verein hofft, dass der Ball ins Aus geht und das Bürgerbegehren nicht zustande kommt. Und dass der Bezirk Hamburg-Nord die vom Hamburger Sportbund (HSB) unterstützen Erweiterungspläne des W.E.T. durch einen neuen Bebauungsplan rechtlich absichern kann.

Hamburger Verein braucht mehr Tennisplätze

Hinter sich hat der seit 141 Jahren im Stadtteil verankerte W.E.T., der seit 1971 die Tennisanlage am Mühlenteich betreibt, eine große Zahl an Mitgliedern. 1194 Kinder, Jugendliche und Erwachsene betätigen sich dort sportlich, davon mittlerweile mehr als die Hälfte (658) im Tennisbereich.

„Das ist eine enorme Zunahme“, sagt Ulrich Feist aus dem Vorstand. Vor fünf Jahren spielte von den damals 1003 Mitgliedern nur ein gutes Drittel (352) Tennis. Die Anzahl der verfügbaren Außenplätze, nämlich fünf, blieb dagegen gleich. „Aus unseren Erfahrungen sollte pro 80 Tennisspieler ein Platz verfügbar sein“, sagt Feist. Demnach benötige der Verein eigentlich mehr als acht Plätze.

Hamburg-Nord lehnte Bauantrag zuerst ab

Die ersten Pläne, die Situation mit zwei neuen Plätzen zumindest etwas zu entspannen, entstanden 2018. „Wir wollten der steigenden Nachfrage gerecht werden, die mit den neuen Wohnquartieren im Umfeld zusammenhängt“, sagt Feist. Schon damals gab es Kritik von Nachbarn. Der Bezirk lehnte den Bauantrag ab. „Man fürchtete, dass die Nachbarn zu Recht dagegen klagen könnten“, so Feist.

Lesen Sie auch:

Dem Bebauungsplan von 1966 zufolge ist die Wiese, auf der die neuen Plätze entstehen soll(t)en, nämlich als Grünfläche und Schulspielplatz der damaligen Schule Erikastraße ausgewiesen. Er wurde nicht angepasst, als der W.E.T. vor 50 Jahren die Genehmigung für eine Tennisanlage auf der ehemals öffentlichen und damit eigentlich nicht bebaubaren Grünfläche am Mühlenteich erhielt – und sogar fünf statt der genehmigten vier Tennisplätze anlegte.

Verein gewann ehemalige Schulsportwiese

Die ehemalige Schulsportwiese, die aus Sicht der Initiative eine „Grünfläche für alle“ werden soll, gewann der Verein Ende der 90er-Jahre durch den Sportrahmenvertrag. Er durfte die städtische Fläche nutzen und musste sie im Gegenzug bewirtschaften. „Nachdem unsere Vorgänger den Vertrag aus Kostengründen 2001 aufgekündigt hatten, traten wir ihm 2009 wieder bei und verlängerten ihn 2014 um weitere 25 Jahre“, berichten Ulrich Feist und seine Vorstandskollegin Hansi-Petra Gregersen.

Vor mehr als zehn Jahren habe der Verein dann begonnen, die Wiese zu nutzen, habe eine Kinder- und Jugendfußballabteilung aufgebaut, die dort trainierte, Turnen und Yoga angeboten und die Fläche zwei Betriebssportgruppen fürs Fußballtraining zur Verfügung gestellt. „Außerdem haben wir hier Flohmärkte und Sommerfeste für unsere Mitglieder und die ganze Nachbarschaft organisiert“, so Hansi-Petra Gregersen.

Enttäuschung über Reaktion der Anwohner

Als sich manche Nachbarn im Zusammenhang mit den ersten Erweiterungsplänen öffentlich kritisch äußerten, habe man versucht, ihnen entgegenzukommen. „Das Tor zur Wiese ist seitdem unverschlossen, sodass Kinder und Erwachsene jederzeit Zugang haben“, sagt Ulrich Feist. Dass jetzt „eine Handvoll Nachbarn, darunter sogar ehemalige Vereinsmitglieder“ gegen den Verein vorgehe, fände er sehr enttäuschend.

Um der Nachfrage nach Tennis im Stadtteil gerecht werden zu können, habe der Verein nach entsprechenden Gesprächen mit dem Bezirk und dem HSB das Training der Jugendfußballmannschaften bereits von der Wiese auf den Kunstrasenplatz des SV Groß Borstel verlegt.

Hamburger Verein will freie Wiese für Sportangebote behalten

Das etwa 60 mal 30 Meter große Stück Wiese, das nach dem Bau der Tennisplätze übrig bleibt, würde der Verein gerne behalten. „Dann könnten hier weiterhin Kinderfußball und Sportangebote, aber auch Veranstaltungen für die Nachbarschaft stattfinden“, sagen Ulrich Feist und Hansi-Petra Gregersen.

Der Bezirk will dieses Stück Wiese laut Bebauungsplanentwurf aber der Parkanlage am Mühlenteich und damit der Allgemeinheit zuschlagen. Wenn dann weder Vereinssport noch Sommerfeste oder Flohmärkte auf der Wiese stattfinden könnten, wäre das wirklich ein Verlust für den Stadtteil.