Hamburg

Historische Lokstedter Villa: Rettung aus Harvestehude?

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Friederike Ulrich
Hamburg-Lokstedt: Thomas Kraske steht vor der seit langem verlassenen Villa an der Niendorfer Straße 70.

Hamburg-Lokstedt: Thomas Kraske steht vor der seit langem verlassenen Villa an der Niendorfer Straße 70.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Nach Abendblatt-Bericht setzt sich auch die Bezirkspolitik für das Denkmal ein. Es gibt sogar einen Kaufinteressenten.

Hamburg. Für die vom Verfall bedrohte Villa an der Niendorfer Straße in Hamburg-Lokstedt, deren Eigentümer das Denkmalschutzamt seit Monaten nicht erreichen kann, setzt sich jetzt auch die Bezirkspolitik ein. Wie berichtet, hatte der Anwohner Thomas Kraske Bürgerschaftsabgeordnete aus dem Wahlkreis über seine Sorge um die seit Jahren leer stehende Villa informiert. Die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Silke Seif stellte daraufhin eine Senatsanfrage, durch die jetzt einige Fakten ans Licht kamen. So war dem zuständigen Bezirksamt Eimsbüttel bekannt, dass Teile des denkmalgeschützten Gebäudes ab 2015 leer standen.

Zudem wurde im Oktober 2017 eine Genehmigung für den „Neubau eines Mehrfamilienhauses mit fünf Wohneinheiten“ auf dem rückwärtigen Teil des Grundstücks erteilt. Sie war drei Jahre gültig und ist mittlerweile erloschen.

Lokstedter Villa: "Eigentümer lässt sie verfallen"

Darüber hinaus war dem damaligen Eigentümer im Februar 2018 gestattet worden, aus den zwei vorhandenen Wohneinheiten fünf zu machen. Diese ebenfalls nicht in Anspruch genommene Genehmigung war bis Februar 2021 gültig und wurde von dem neuen Eigentümer Markus S., der die Villa 2019 gekauft hatte, mit einem fristgerechten Antrag um ein Jahr verlängert. Die Genehmigung für die Instandsetzung und den Umbau der Villa dagegen ließ er im Dezember auslaufen. „Meine Senatsanfrage zeigt: Der Eigentümer lässt nicht nur die Villa verfallen, sondern auch bereits erteilte Baugenehmigungen für einen Neubau und eine denkmalkonforme Villensanierung“, sagt Silke Seif.

„Es ist bedauerlich, dass der Eigentümer den Kontakt mit dem Denkmalschutz meidet. Deshalb müssen die Behörden ihren gesetzlichen Spielraum voll nutzen, damit nicht wieder die Abrissbirne ein Stück Hamburger Stadtteilgeschichte zerstört.“

Kaufinteressent aus Harvestehude

Der SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Marc Schemmel sagt ebenfalls: „Die Experten von Denkmalschutzamt und Bezirk müssen sich dringend von innen einen Eindruck des Denkmals verschaffen können.“ Seine Fraktion wird dazu in der nächsten Sitzung des Regionalausschusses Lokstedt/Niendorf/Schnelsen einen Antrag stellen. Darin heißt es: „Die Bezirkspolitik hat größtes Interesse daran, dass das Baudenkmal erhalten und perspektivisch wieder genutzt wird.“

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Der Vorsitzende der Bezirksversammlung und der Bezirksamtsleiter werden aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Vertreter des Denkmalschutzamts und die zuständigen Abteilungen des Bezirksamts die aktuelle Situation des Baudenkmals unter Berücksichtigung der rechtlichen Voraussetzungen erörtern und eine Perspektive für den Erhalt des Gebäudes erarbeiten. Zudem sollen im Regionalausschuss Vertreter der Abteilungen Wohnraumschutz und Bauprüfung über die juristische Handhabe sowie mögliche Maßnahmen zum Erhalt des Gebäudes berichten.

Es gibt sogar einen Kaufinteressenten, der die Villa retten möchte: den ehemalige Kaufmann Hans Z. aus Harvestehude. „Ich bin jemand, der gerne alte Häuser restauriert und mit Leben füllt“, so der 77-Jährige, der durch den Abendblatt-Bericht auf die Villa aufmerksam wurde und vor vielen Jahren bereits das ehemalige Krankenhaus Altona denkmalgerecht saniert hat.