Hamburg

Candlelight-Dinner im Gewächshaus – Gastronom trotzt Corona

| Lesedauer: 5 Minuten
Juliane Lauterbach
Gastronom Salar Khazaei vor den beheizten Gewächshäusern am „Anleger 1870“.

Gastronom Salar Khazaei vor den beheizten Gewächshäusern am „Anleger 1870“.

Foto: Roland Magunia/Funke Foto Services

Um den Corona-Winter zu überstehen werden Gastronomen kreativ. Ohne zusätzliche Außenflächen geht es oft nicht.

Hamburg.  Dass der Winter kommen und damit die Zahlen steigen würden, war Gastronom Salar Khazaei lange klar. Und so hatten er und sein Team sich frühzeitig Gedanken gemacht, wie sie ohne klassische Außengastronomie durch den Corona-Winter kommen könnten.

Corona-Winter: Hamburger Gastronomen testen neue Ideen

Denn so viel stand fest: Würden sie nur den Innenbereich mit weniger Gästen und auf Abstand bespielen, dann würde es nicht reichen. Und so musste eine neue Idee her – und die fand Khazaei bei einem Besuch im Sommer in Amsterdam. „Dort hatte ein Lokal diese gewächshausähnlichen Glashäuser aufgebaut. Das fand ich interessant.“ Konnte das die Lösung sein?

Ja, konnte es. Inzwischen hat der Geschäftsführer des „Anleger 1870“ an der Alster fünf dieser Gewächshäuser auf dem Steg vor seinem Restaurant aufgebaut. Jeweils 600 bis 700 Kilo schwer sind sie jeweils. Mit dem Zusammenbauen waren er und seine Mitarbeiter rund zwölf Tage beschäftigt. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden. „Die Glashäuser funktionieren wunderbar, sie sind wind- und kältegeschützt und können auf bis zu 30 Grad beheizt werden. So kann man gleichzeitig drinnen und draußen sitzen und dabei den wunderbaren Blick auf die Alster genießen.“

Essen im Glashaus mit Blick auf die Alster

In der Praxis läuft es nun so, dass man sich als Gast in die Glashäuser einbuchen kann. „Zwei bis acht Personen finden pro Einheit Platz.“ Zwei Buchungstermine gibt es pro Abend, jeweils von 17 bis 19 Uhr und dann wieder ab 19.30 Uhr. Zwischendurch wird gelüftet. Bei den Gästen kommt das Konzept gut an. „Alle freuen sich, dass sie nun essen gehen und sich dabei sicher fühlen können.“

Ob die Gartenhäuser auch für andere Gastronomen eine Alternative seien? „Ganz bestimmt“, so der Gastronom. Den Namen des Herstellers möchte er dennoch nicht nennen, denn dieser könne die ohnehin schon hohe Nachfrage kaum noch bewältigen. Wichtig zu wissen: Wer im Glashaus essen möchte, der muss einen Mindestumsatz von 45 Euro pro Person gewährleisten. Khazaei: „Sonst lohnt es sich einfach nicht.“

Klar ist: Wer irgendwie die Möglichkeit hat, den Außenbereich im Winter zu nutzen, der tut es. Denn die strengen Corona-Regeln – insbesondere das Abstandsgebot und die Sperrstunde – machen es für Wirte schwer, auf der bestehenden Fläche im Innenbereich genug Umsatz zu machen. Zudem fühlen sich viele Gäste draußen sicherer als drinnen im geschlossenen Raum.

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Auch laut dem Landesverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga ist das ein wichtiger Punkt: „Die Erweiterung der Außengastronomie auf öffentliche Flächen, der vorübergehende Gebührenerlass und die Nutzung von Heizgeräten, bietet den Betrieben, die räumlich dazu in der Lage sind, die Möglichkeit, zumindest einen Teil ihrer Umsatzverluste durch ein beschränktes Platzangebot im Innenbereich zu kompensieren“, so Dehoga-Chefin Ulrike von Albedyll.

Gastronomen setzten auf Heizstrahler

Wie berichtet ist die Nutzung der wegen ihres negativen Klima-Effekts umstrittenen Heizpilze bis bis zum 2. Mai hamburgweit erlaubt. „Besucherinnen und Besucher der Gastronomie sollen so ermuntert werden, aus Infektionsschutzgründen auch in der kalten Jahreszeit draußen zu essen und zu trinken“, teilte der Senat kürzlich mit.

Und ganz offensichtlich machen viele Gastronomen davon Gebrauch. Wie der Online-Händler Heizstrahler-shop24 mitteilte, sei das Interesse an Heizstrahlern deutlich gestiegen (Elektro und Gas). Laut einem Sprecher habe das Bestellvolumen um 30 bis 40 Prozent zugenommen.

Auch Steven Galling, der die „Ufer“-Weinbar an der Bismarckstraße hat sich für sein Lokal inzwischen eine Lösung gefunden, mit der er hofft, über die kalten Monate zu kommen. Das „Ufer“ verfügt über zwei Außenbereiche, die er in diesem Winter komplett bespielen möchte. Im hinteren Bereich steht nun ein wintergartenähnliches festes Zelt, im vorderen Bereich ein Pavillon.

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„Das große Zelt hinter dem Lokal hatten wir schon länger, allerdings war die dazugehörige Lüftungsanlage eigentlich ein Fehlkauf.“ Da sie für das kleine Zelt viel zu viel Leistung hat, habe man sie vor Corona immer nur auf kleinster Stufe laufen lassen. „Nun aber sind wir froh, dass wir sie etwas höher drehen und so den Luftaustausch mit Frischluft erhöhen können. Die Gäste fühlen sich einfach wohler, wenn sie wissen und spüren, dass die Lüftung funktioniert“, so Galling weiter.

Der Luftaustausch finde so permanent statt und da in der Lüftung auch eine Heizung eingebaut sei, würde es im Zelt auch nicht ganz auskühlen. Das gilt auch für den Pavillon vor dem Lokal. Dort nutzt Galling Heizstrahler, damit die Gäste nicht zu sehr frieren müssen. „Zusammen mit einer Decke ist es aber auf jeden Fall angenehm.“ Auch Galling sagt: „Ohne die Verlängerung des Innenbereichs nach draußen würde sich der Betrieb gerade nicht lohnen.“ Im Innenbereich fanden vor Corona rund 50 Menschen Platz, nun können dort noch 15 Menschen bedient werden.