Hamburg

Ohlsdorfer Friedhof: Verwaltung setzt Schrankenwärter ein

| Lesedauer: 4 Minuten
Edgar S. Hasse
Die neue Schranke auf dem Friedhof Ohlsdorf. Seit Dienstagmorgen stehen an der Schranke Mitarbeiter bereit, um den Friedhofsbesuchern den Zweck dieser Maßnahme zu erklären.

Die neue Schranke auf dem Friedhof Ohlsdorf. Seit Dienstagmorgen stehen an der Schranke Mitarbeiter bereit, um den Friedhofsbesuchern den Zweck dieser Maßnahme zu erklären.

Foto: Andreas Laible

Schrankenbetreuer soll Friedhofsbesuchern Zweck der neuen Schranke erklären. Einige Uneinsichtige stellen die Maßnahme infrage.

Hamburg. Nach dem holprigen Start der Straßenverkehrs-Schranke auf dem Ohlsdorfer Friedhof setzt die Verwaltung jetzt zusätzliches Personal für Gespräche vor Ort ein. Seit Dienstagmorgen stehen an der Schranke Mitarbeiter bereit, um den Friedhofsbesuchern den Zweck dieser Maßnahme und die Zufahrtmöglichkeiten auf den größten Parkfriedhof der Welt zu erläutern.

„Der absolut überwiegende Teil der Autofahrer sieht den Zweck der Schranke ein und ist für eine persönliche Auskunft dankbar“, sagte Lutz Rehkopf, Sprecher der Hamburger Friedhöfe AöR, dem Abendblatt. Gut die Hälfte der Besucher befürworteten die neue Regelung auch dann, wenn sie einen anderen Weg zur Grabstätte fahren müssen.

Schranke soll Autofahrer an der Weiterfahrt hindern

Seit vergangenen Freitag stoppen zwei Schranken an der Kreuzung Mittelallee und Ida-Ehre-Allee den Durchgangsverkehr. Mit der knapp 450.000 teuren, videoüberwachten Anlage sollen jene Autofahrer an der Weiterfahrt gehindert werden, die den Friedhof nur zur Querung nutzen. Untersuchungen hatten ergeben, dass gut 5000 der täglich 8600 Fahrzeuge den Friedhof ausschließlich für die Durchfahrt nutzen. Für kommerzielle Dienstleister wie Bestattungsfirmen wurden Zugangskarten vergeben.

Abendblatt-Leser hatten berichtet, dass die Schranke nach dem Start zeitweise nicht in Betrieb war. „Technische Probleme oder Störungen traten heute nicht auf“, sagte der Friedhofssprecher am Dienstag. Unterdessen wird die Verwaltung mit Anfragen überhäuft. Im Informationshaus sind es täglich rund 30 Kontakte, im Verwaltungsgebäude bis zu 150 am Tag. Seit dem 8. Oktober verzeichnet die Homepage des Friedhofs mit Informationen rund um die Schranke mehr als 1000 Zugriffe.

Rund die Hälfte der Besucher erwartet Schranke bereits an der Einfahrt

Während anfänglich Kritik geübt werde, sei die Reaktion inzwischen gleich, sagte Lutz Rehkopf, „der überwiegende Teil sieht den Sinn der Maßnahme ein“.

Lesen Sie auch:

Rund die Hälfte der Besucher erwartet übrigens die Schranke bereits an der Einfahrt – wie etwa am Wiener Zentralfriedhof – und bittet um Aufklärung, warum dort keine Schranke zu sehen sei. Rund ein Drittel dieser Anfragen stammen von Bürgern, die persönlich betroffen sind und das Grab ihrer Verstorbenen besuchen wollen.

Nach Auskunft der jetzt eingesetzten Schrankenbetreuer gibt es nur wenige Uneinsichtige, die am Ende des Gesprächs die Schranke infrage stellten. Insgesamt habe der Verkehr auf dem Friedhof deutlich abgenommen. Von Bestattern und anderen Friedhofsgewerken hat die Verwaltung derweil positive Rückmeldungen erhalten, weil die Trauerzüge jetzt unbehelligt von den Kapellen bzw. dem Forum zur Grabstätte über die Fahrbahnen gehen können.

Wissenswertes zum Ohlsdorfer Friedhof

  • Der Ohlsdorfer Friedhof ist der größte Parkfriedhof der Welt
  • Mit 389 Hektar ist der Ohlsdorfer Friedhof zudem Hamburgs größte Grünanlage
  • Hier gedeihen 450 Laub- und Nadelgehölzarten
  • Rehe gibt es auf dem Ohlsdorfer Friedhof, Feldhasen, Waschbären, Füchse und vieles mehr.
  • Allein 284 Arten von Schmetterlingen wurden auf dem Ohlsdorfer Friedhof erfasst.
  • 57 Vogelarten werden hier nachgewiesen, 50 davon brüten auch auf dem Ohlsdorfer Friedhof.
  • Auf dem Ohlsdorfer fanden zahlreiche Prominente ihre letzte Ruhe, darunter der Schriftsteller Wolfgang Borchers und der Physiker Heinrich Hertz
  • Auch der am 30. Dezember 2019 verstorbene Hamburger Schauspieler Jan Fedder wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt

Kostenlose Zugangskarte für Personen, die beruflich auf dem Friedhof zu tun haben

Wer beruflich und kommerziell mit dem Friedhof zu tun hat, erhält oder besitzt bereits eine kostenlose Zugangskare bzw. einen Chip, der an der Schranke gescannt wird. Hunderte solcher Karten sind bereits ausgegeben worden, vor allem an die Mitarbeiter von Bestattungsinstituten, Verkehrsunternehmen, Einsatzkräfte, an Geistliche und Trauerredner. Wer Karte oder Chip verliert, müssen für den Ersatz 200 Euro zahlen. Für reguläre Friedhofsbesucher werden solche Karten nicht ausgestellt.