Hamburg

Angriff auf Hochschwangere: Richterin verliert die Geduld

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Daniel Herder
Am Amtsgericht Barmbek wird der Fall einer Frau verhandelt, die angeblich als Hochschwangere von ihrem Vermieter geschlagen worden sein soll.

Am Amtsgericht Barmbek wird der Fall einer Frau verhandelt, die angeblich als Hochschwangere von ihrem Vermieter geschlagen worden sein soll.

Foto: picture alliance/Zoonar/Axel Bueckert

Angeklagter soll Ex-Mieterin im Streit den Ellenbogen in den Bauch gerammt haben. Doch die Frau verstrickt sich in Widersprüche.

Hamburg. Dieses Verfahren zerrt an den Nerven der Amtsrichterin. Schon einmal hatte sie in der Sache verhandeln wollen, doch die Hauptzeugin war nicht erschienen. Um das Verfahren zu sichern, ließ sie Maria O. deshalb am Montagmorgen von ihrer Wohnanschrift in Kiel von der Polizei abholen und direkt ins Amtsgericht Barmbek bringen.

Ihr ehemaliger Vermieter soll der damals hochschwangeren jungen Frau am 1. Juni 2018 seinen Ellenbogen in den Bauch gerammt haben – darauf setzten Blutungen im Unterleibsbereich ein. Seit Montag muss sich der 64-Jährige wegen Körperverletzung verantworten. Domenico G. streitet indes alles ab. „Ich habe die Frau nie angefasst, ich bin ein Ehrenmann“, sagt er. Die Zeugin spiele „ein Theater“.

Vermieter soll angeblich mit Maschinengewehr gedroht haben

Maria O. und ihr Ehemann kommen aus Rumänien und sind nach eigenen Angaben „bettelarm“. 2018 zogen sie beim Angeklagten an der Segeberger Chaussee ein. Es sei dann rasch zum Streit gekommen. „Er hat uns terrorisiert und sagte, er habe ein Maschinengewehr, mit dem er uns alle erschießen würde“, so die Zeugin.

Als am 1. Juni 2018 zwei Jugendamtsmitarbeiterinnen und eine Dolmetscherin die Familie besuchten, kam Domenico G. hinzu und ging gleich ins Bad, um den Schlüssel für die Inbetriebnahme der Waschmaschine an sich zu nehmen – die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich der Vermieter über den hohen Wasserverbrauch der Familie ärgerte. Sie sei ihm aber zuvor gekommen, sagt die 23-Jährige.

Zeugin verwickelt sich in Widersprüche

Beim Versuch, ihr den Schlüssel wegzunehmen, habe er ihr den Ellenbogen in den Bauch gestoßen. Mit Schmerzen und Blutungen sei sie eine Stunde später in die Klinik gefahren, wo sie vier Tage vor dem errechneten Geburtstermin ein gesundes Kind entbunden habe. Zu Hause dann der Schock: „Er hatte uns das Wasser abgedreht. Wenn wir auf Toilette wollten, mussten wir in den Wald gehen“, sagt Maria O.

Das Problem: Die Zeugin verwickelt sich in Widersprüche. Die Jugendamtsmitarbeiterinnen hätten die Eskalation vom Wohnzimmer aus beobachtet, behauptet sie etwa. Tatsächlich geben zwei Amtsmitarbeiterinnen im Zeugenstand an, gar nichts gesehen zu haben. Maria O.s Ehemann wiederum erzählt, seine Frau sei erst am nächsten Tag in die Klinik gefahren.

Zeugin kann keine Skizze von Wohnung zeichnen

Komplett aus dem Konzept bringt die junge Frau jedoch die Aufforderung der Richterin, eine Skizze der Wohnung anzufertigen und darin jene Sitzecke einzuzeichnen, von der aus die städtischen Bediensteten die Szene beobachtet haben sollen – es will ihr einfach nicht gelingen. Während die Richterin zunehmend die Geduld mit der Zeugin verliert, fühlt die sich nicht verstanden. Sie sei hier das Opfer, sagt Maria O.

Die Staatsanwältin kann sich zwar vorstellen, das Verfahren gegen Auflage einzustellen; sie will aber noch eine wichtige Zeugin hören, die sich krankgemeldet hat. Der Prozess wird fortgesetzt.