Hamburg

Wie Bürohund Otis für Wohlfühlatmosphäre sorgt

Der Bürohund Otis mit seinem Herrchen Jasper Siebert im Architekturbüro Skai Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Der Bürohund Otis mit seinem Herrchen Jasper Siebert im Architekturbüro Skai Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Tierische Kollegen sind gar nicht so selten: Weil es der Work-Life-Balance hilft, erlauben viele Hamburger Unternehmen Hunde im Büro.

Hamburg. Wenn Otis an seinem Platz im Büro ist, schläft er meistens. Er darf das auch. Denn als Hund hat Otis nun einmal ein großes Schlafbedürfnis und verbringt gern bis zu 80 Prozent des Tages mit Dösen. Für Otis’ Besitzer Jasper Siebert und seine 35 Kollegen im Barmbeker Architekturbüro SKAI ist das Ruhebedürfnis des Hundes auch ganz angenehm. Denn würde der 19 Wochen alte Vizsla-Rüde wie aufgedreht durch die Agentur laufen, wäre das wohl das Ende von Otis als Bürohund. Dann würde er stören.

So aber sorgen Otis und seine anderen Hundekollegen Hootch, Bibi und Lotte für gute Stimmung bei der Arbeit. Auch in anderen Hamburger Unternehmen sind Hunde gern gesehen. In der Agentur Demodern in der Schanze zum Beispiel gibt es mit Vilma, Pepe, Uschi und Vince auch vier Hunde. Moderne Arbeitgeber haben erkannt, wie die tierischen Kollegen das Betriebsklima verbessern können.

Bei den Architekten von SKAI gab es schon immer Bürohunde. „Wir wollen unseren Mitarbeitern ermöglichen, ihre Hunde mitzubringen, das bieten wir auch aktiv bei Einstellungsgesprächen an“, sagt Geschäftsführer Malte Kramer, der nie einen Hund hatte, dafür aber Katzen. „Schließlich dient das der Work-Life-Balance.“ Wichtig sei aber, dass die Hunde erzogen sind. Wenn Bürochef Kramer von den Hunden erzählt, gerät er richtig ins Schwärmen: „Hunde sind wie Babys, jeder reagiert positiv darauf.“

Wichtig: Die Vierbeiner müssen gut erzogen sein

Bürohunde, hat er beobachtet, sorgen für mehr Kommunikation unter den Mitarbeitern, es findet Austausch statt. „Die Hunde bringen Freude“, so Kramer. Vizsla-Rüde Otis, der an den Wochenenden zum Jagdhund ausgebildet wird, geht mit in die Agentur, seitdem er elf Wochen alt war, sein Bruder Harvey „arbeitet“ eine Etage tiefer bei einem anderen Unternehmen. Das Büro ist längst Otis’ zweites Zuhause, und deshalb liegt er ganz entspannt in seinem Körbchen und schläft. Hier fühlt er sich sicher und geborgen. Für den Fototermin mit dem Abendblatt muss er vorsichtig geweckt werden. Er ist müde. Denn vor der Arbeit war er bereits eine Dreiviertelstunde draußen. Nachmittags dann noch mal. Für Auslastung ist gesorgt.

Wichtig ist Agenturchef Kramer, dass die Hunde die Arbeitsabläufe nicht stören. „Es kann natürlich nicht sein, dass Jasper nicht zu einem wichtigen Meeting kann, weil sein Hund gerade raus muss.“ Auf wichtige Meetings musste Jasper Siebert bislang nie verzichten. Wenn der 31-Jährige Controller nicht mit dem Hund raus kann, nimmt ein Kollege Otis nach draußen in den Park, wo er andere Hundekumpels zum Toben hat. „Firmen wie Google haben ein Bällebad, wir haben Hunde“, bringt es Malte Kramer auf den Punkt.

Denn moderne Arbeitgeber haben längst erkannt, wie wichtig Hunde sein können. Sie können in Zeiten von Fachkräftemangel sogar entscheidend sein dabei sein, gute Mitarbeiter zu rekrutieren. So werben Unternehmen auf der Internetseite www.feel-good-at-work.de damit, dass bei ihnen Hunde erlaubt sind, darunter auch viele Hamburger Firmen. In Co-Working-Spaces wie dem Betahaus in der Schanze oder bei We-Work sind immer Hunde anzutreffen, die brav unter den Schreibtischen liegen.

Wissenschaftlich bestätigt ist ohnehin, dass die Vierbeiner gut tun. „Beim Streicheln wird Oxytocin ausgeschüttet“, sagt Markus Beyer von der Interessengemeinschaft Bürohund e.V. Die Interessengemeinschaft vertritt die Interessen von Unternehmen, Mitarbeitern und Hunden gleichermaßen.

Hunde im Büro sind gut für Kreativität und Motivation

Das Kuschelhormon verringert das Hormon Cortisol und baut so Stress ab. Weitere Pluspunkte: „Kollegen, auch verschiedener Abteilungen, kommunizieren mehr miteinander, wenn ein Hund mit im Spiel ist.“ Hunde im Büro verbessern das Engagement, die Motivation, die Loyalität, die Kreativität und das allgemeine Wohlbefinden der Mitarbeiter. Als Burn-out-Prophylaxe gilt der Hund ohnehin. Rund 1300 Mitarbeiter deutscher Unternehmen hat die Interessengemeinschaft im vergangenen Jahr befragt – demnach stellten mehr als 90 Prozent der Befragten eine Verbesserung des Arbeitsklimas fest, sobald ein Hund anwesend ist. In einer anderen Erhebung von Statista im Auftrag von Xing und dem kununu-Ranking der tierliebsten Arbeitgeber in Deutschland sagten 37 Prozent der Befragten, dass das Streicheln von Hunden im Büro bei Stress trostspendend sei.

Und doch gilt es, einiges zu beachten, wenn der Hund mit zur Arbeit soll: „Hundehalter und Arbeitgeber sollten schriftlich die Rechte und Pflichten vereinbaren und mögliche Sanktionsmaßnahmen nennen“, sagt Markus Beyer. Auch Kollegen, die Bedenken oder sogar Angst vor Hunden haben, müssten mitgenommen und gefragt werden. Dass Hunde mit ins Büro gehören, ist für Hundetrainer Beyer selbstverständlich. „Wir kämpfen gegen altes Denken. Es ist längst keine Frage mehr, ob das geht. Wer im Wettbewerb bestehen will, muss neu denken.“ Noch sei vieles eher angstgeprägt. Aber was ist mit Allergikern? Bei SKAI in Barmbek wären dann wohl keine Hunde mehr erlaubt. Markus Beyer beruhigt: „Lediglich 3,5 Prozent der Menschen leiden überhaupt unter einer Hundehaarallergie. Diese Menschen müssen und können geschützt werden, indem zum Beispiel bestimmte Bereiche in den Büros für Hunde tabu bleiben.“

Bei Demodern in der Schanze bringen Vilma, Pepe, Uschi und Vince mehr Spaß in den Arbeitsalltag – sie gelten dort wie auch bei Malte Kramer von SKAI als Feelgood-Manager – die Dackel Vilma und Pepe sind sogar schon fast richtige Instagram-Stars.

Markus Beyer von der Interessengemeinschaft Bürohund sagt: „Der Hund schafft eine Brücke zwischen Menschen.“