City Nord

Große Pläne: Postbank-Zentrale soll für Wohnungen weichen

In den 80er-Jahren erbaut und erst 1996 für umgerechnet 48 Millionen Euro erweitert: das Gebäude der Postbank-Zentrale am Überseering in der City Nord

In den 80er-Jahren erbaut und erst 1996 für umgerechnet 48 Millionen Euro erweitert: das Gebäude der Postbank-Zentrale am Überseering in der City Nord

Foto: Andreas Laible / HA

Neuer Eigentümer will Postbank-Zentrale am Überseering abreißen. Es wäre eines der teuersten Neubauvorhaben in Hamburg.

City Nord.  Das Postbank-Gebäude am Überseering ist eine der imposantesten Immobilien der City Nord. Das Haus, in dem rund 1200 Menschen auf 40.000 Quadratmetern arbeiten, wurde erst in den 80er-Jahren gebaut. Jetzt hat es den Eigentümer gewechselt – und soll schon wieder abgerissen werden.

Der Hamburger Projektentwickler Magna mit Sitz an der Großen Elbstraße hat die Immobilie von der Postbank erworben. Das bestätigte Magna-Vorstand Jörn Reinecke dem Abendblatt am Rande der Immobilienmesse Expo Real in München. „Die City Nord ist ein sehr spannender Standort. Wir freuen uns, dass wir den Zuschlag erhalten haben.“

Es sollen sich etwa 70 Interessenten an dem Bieterverfahren beteiligt haben, das von dem Immobiliendienstleister BNP Paribas durchgeführt wurde. Nun wollen die Projektentwickler den Postbankkomplex durch einen Neubau ersetzen. Es ist von einer Gesamtinvestition in Höhe von mindestens 350 Millionen Euro die Rede. Damit wäre es eines der teuersten Neubauvorhaben in der Hansestadt. Allerdings hat die Postbank noch einen Mietvertrag bis 2021.

Es sollen vor allem Büros entstehen

Es ist nicht bekannt, an welchen Standort das Unternehmen wechselt. Nach dem Auszug soll zügig mit dem Abbruch begonnen werden. Die Umsetzung solle in enger Abstimmung mit dem Bezirk Nord und Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing erfolgen, sagte Magna-Vorstand David Liebig. Höing begrüßt die Pläne: „Die City Nord hat einen ganz eigenen Charakter, damit bietet sie ein großes Potenzial für neue Wohn- und Arbeitsformen in der Großstadt. Mit diesem und noch kommenden Projekten wird die Entwicklung der City Nord vorangebracht.“

Im kommenden Jahr wird es einen Architektenwettbewerb geben. Zu den konkreten Plänen für die zukünftige Nutzung wollten sich die Magna-Vorstände noch nicht äußern. Die Projektentwickler sehen die Möglichkeit, dort bis zum Jahr 2024 mehr als die jetzt bestehenden 40.000 Quadratmeter Nutzfläche zu schaffen.

Es sollen vor allem Büros, aber auch Wohnungen entstehen. Zudem könnte ein Hotel Teil des Gebäudeensembles werden, das dem Vernehmen nach in Grünflächen „eingebettet“ werden soll. Mit dem Projekt überschreitet die Magna bei ihrem Projektentwicklungsvolumen die Milliardengrenze, ein Großteil entsteht in Hamburg.

SPD und CDU wünschen sich mehr Wohnungen in City Nord

Die City Nord ist bei Investoren sehr beliebt. Viele Neubauten sind hier in den vergangenen Jahren entstanden. Der wohl spektakulärste Bau ist das 18-stöckige im Oktober 2017 eröffnete Holiday Inn Hotel am Kapstadtring. Welche Bedeutung das Quartier für Investoren hat, erläutert Richard Winter, Niederlassungsleiter des Immobiliendienstleisters Jones Lang LaSalle (JLL): „Nach 20 Jahren Dornröschenschlaf ist die Schöne aufgewacht. Neue Gebäude, Hotelbauten und Wohnungen verändern den Charakter von der Bürostadt zum urbanen Quartier.“

Die Politik beobachtet die Grundstücksgeschäfte aufmerksam. SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf: „Die City Nord ist ein bedeutender Standort für Projektentwicklungen. Es sollte bei dem Neubau am Überseering vor allem auch Wohnen entstehen. Denn durch die Nähe zum Stadtpark und die gute Anbindung an den ÖPNV ist es ein ideales Umfeld für Wohnungsbau.“ Dadurch würde dieses Büroviertel auch deutlich belebt, so Kienscherf weiter.

Das sieht CDU-Stadtentwicklungsexperte Jörg Hamann ähnlich: „Die City Nord ist ein sehr attraktiver Standort. Wir wünschen uns dort auch dringend benötigten Wohnraum und eine ansprechende Architektur.“

Gelände der „Postpyramide“ wird auch bebaut

Unterdessen wird nur wenige Meter vom Postbank-Areal entfernt ein weiteres Großprojekt für rund 300 Millionen Euro gebaut. Dort war die sogenannte Postpyramide, ein in den 70er-Jahren errichtetes Bürogebäude, abgerissen worden.

Auf der Fläche am Überseering sollen bis 2022 ein Bürogebäude mit rund 20.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche und mehr als 500 Wohnungen, ein Drittel von ihnen öffentlich gefördert, entstehen.

Das neue Quartier „Ipanema“ wird geplant von der Otto Wulff Projektentwicklung, Hamburg Team und der Berliner Christmann Unternehmensgruppe. Der Entwurf stammt von den Hamburger KBNK Architekten. Die Bauarbeiten sollen im zweiten Quartal kommenden Jahres beginnen, sagte Otto-Wulff-Geschäftsführer Andreas Seithe dem Abendblatt.