Flüchtlingsunterkunft

Denkmalschützer wollen Eppendorfer Park retten

Denkmalsschützerin Kristina Sassenscheidt will mit Andreas Bunk (l.) sowie
Joachim Schnitter vom Denkmalrat den Seelemannpark erhalten

Denkmalsschützerin Kristina Sassenscheidt will mit Andreas Bunk (l.) sowie Joachim Schnitter vom Denkmalrat den Seelemannpark erhalten

Foto: Roland Magunia / HA

Kritik an Plänen für Flüchtlingsunterkunft hinter Hochzeitskirche. Zweites Heim soll an Loogestraße entstehen.

Hamburg.  Die geplante Unterkunft im Seelemannpark hinter der Hochzeitskirche St. Johannis galt bislang als einzige Flüchtlingsunterbringung in Eppendorf. Nun bringt das Bezirksamt Hamburg-Nord einen weiteren Standort ins Spiel: ein Grundstück an der Loogestraße, unterhalb der Bahngleise des U-Bahnhofs Kellinghusenstraße, direkt neben einem Sportplatz. Das ist für die Gegner der Unterkunft am Seelemannpark misslich. Sie hatte das Areal an der Loogestraße als Alternativfläche vorgeschlagen. Nun könnten beide kommen.

„Das Grundstück an der Loogestraße war für uns nie eine Alternativ-, sondern immer eine Zusatzfläche“, sagt Tom Oelrichs, der stellvertretende Bezirksamtsleiter, auf Nachfrage. Noch im Herbst hatte er verkündet, auf dem Grundstück am Bahndamm könnten wegen der Lärmschutzproblematik lediglich 20 Flüchtlinge untergebracht werden. Jetzt will der Zentrale Koordinierungsstab Flüchtlinge dort 104 Personen einquartieren – in besonders schallisolierten Containern. Im Seelemannpark ist eine Unterkunft für 88 Flüchtlinge geplant. Sie wird etwa die Hälfte des Parks einnehmen.

Entscheidungsvorgänge transparent machen

Mit den beiden Einrichtungen käme der Bezirk der Forderung nach einer dezentralen Unterbringung in kleinen Unterkünften nach, so Oelrichs. Da man verpflichtet sei, 200 Flüchtlinge pro Stadtteil aufzunehmen, wäre die Verpflichtung Eppendorfs damit erfüllt.

Nachdem schon Anwohner und die FDP Hamburg-Nord gegen eine Bebauung des Seelemannparks protestiert hatten, schalten sich nun auch Denkmalschützer und Gartenkulturverbände ein. In einem Appell an das Bezirksamt Hamburg-Nord fordern die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL), der Denkmalverein Hamburg, der Hamburger Denkmalrat, der Verein Grüne Metropole am Wasser, die Fritz-Schumacher-Gesellschaft und die Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur von der Bezirksversammlung: „Retten Sie Eppendorfs grüne Seele und erhalten Sie den Seelemannpark vollständig als Gartendenkmal!“ Außerdem verlangen die Unterzeichner, dass die bisherigen Entscheidungsvorgänge, nach denen Flächen in Eppendorf geprüft und ausgewählt wurden, transparent gemacht werden.

„Besonders interessiert uns, warum das Denkmalschutzamt die Bebauung als nicht denkmalgefährdend einstuft und einer Auseinandersetzung mit der Kritik externer Gartendenkmalpfleger ausweicht“, so Mitinitiator Joachim Schnitter, Mitglied des Hamburger Denkmalrats. Wie berichtet, hatte die Behörde der Einrichtung einer temporären Unterkunft in dem historischen Park zwischen Johanniskirche und Alster zugestimmt.

Eine Konzeptstudie sieht zwei dreistöckige Gebäude vor, die später zurückgebaut werden sollen. Trotzdem befürchten die Unterzeichner: „Der Park wird nicht nur seine Denkmalwürdigkeit verlieren, sondern wäre auch in seinem langfristigen Bestand als öffentliche Grünfläche bedroht.“

Gartendirektor legte Reformpark 1925 an

Der Seelemannpark sei ein wichtiges Stück Hamburger Parkgeschichte. Die Stadt habe ihn einst erworben, um ihn für die Öffentlichkeit zu erhalten. Hamburgs erster Gartendirektor Otto Linne gestaltete ihn um 1925 zu einem Reformpark mit zentraler Wiesenfläche und kleinem Kinderspielplatz. In dieser Form bestehe der denkmalgeschützte Park im Wesentlichen bis heute. „Es ist nicht nachvollziehbar, wieso ein bedeutendes Parkdenkmal geopfert werden soll, obwohl es offenbar vergleichbare Alternativflächen in der Nähe gibt, die nicht unter Denkmalschutz stehen“, so Kristina Sassenscheidt, Vorsitzende des Denkmalvereins Hamburg. In dem Appell wird neben dem Grundstück an der Loogestraße eine weitere Fläche an der Meenkwiese genannt. Die käme nicht infrage, so Tom Oelrichs, da dort zu viele Bäume gefällt werden müssten.

Noch sei das Prüfverfahren nicht abgeschlossen, heißt es aus dem Bezirksamt. Mit einer Umsetzung der Planungen werde daher frühestens im kommenden Jahr gerechnet. Bei einer öffentlichen Anhörung werden Bürger über den aktuellen Stand der Planungen sowie zur Standortauswahl Seelemannpark/Loogestraße informiert. Eingeladen sind unter anderem Vertreter des Zentralen Koordinierungsstabs Flüchtlinge, der Sozial-, der Umwelt, der Innen- und der Kulturbehörde sowie des Landesbetriebs „Fördern & Wohnen“.

Anhörung: Montag, 20. Februar, 18 Uhr (Robert-Koch-Straße 17). Fragen und Anregungen, die dort behandelt werden sollen, per Mail oder telefonisch anausschussdienst@hamburg -nord.hamburg.de oder Tel. 42804-27 37