Airport Hamburg

Flugpassagiere blockieren Pendler-Parkplätze

Alles belegt: Der Autofahrer, der auf dem Park+Ride-Parkplatz
am Sommerkamp eine freie Lücke sucht, wartet vergebens

Alles belegt: Der Autofahrer, der auf dem Park+Ride-Parkplatz am Sommerkamp eine freie Lücke sucht, wartet vergebens

Foto: Michael Arning / HA

Umbau von P+R-Anlagen und Ferienzeit verschärfen die Stellplatznot für Anwohner im Norden Hamburgs. Kritik von der CDU.

Hamburg.  Pendler, die vom Auto auf S- oder U-Bahn umsteigen wollen, haben im Bezirk Hamburg-Nord derzeit das Nachsehen. Von acht Park+Ride-Anlagen können sie derzeit nur drei uneingeschränkt nutzen: Friedrichsberg (93 Stellplätze), Langenhorn-Markt (459) und Lattenkamp (55).

Die Park+Ride-Fläche Fuhlsbüttel (29) ist wegen Sanierung gesperrt, die am Kiwittsmoor (303) wegen der Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft. Die Fläche an der U-Bahn-Station Dehnhaide (65) fiel weg, weil dort Wohnungen gebaut wurden. Und die Park+Ride-Anlagen Langenhorn-Nord (101) und Ohlsdorf (252) bieten wegen Umbaumaßnahmen derzeit nur wenige Plätze.

Der ohnehin schon hohe Parkdruck in den umliegenden Wohngebieten hat durch die aktuelle Entwicklung weiter zugenommen. Besonders um den Park+Ride-Platz am U- und S-Bahnhof Ohlsdorf führt das jetzt zum Chaos. Hier schnappen von jeher Flughafennutzer den Pendlern die Parkplätze weg – als günstige Alternative zu den teuren Airport-Parkhäusern. Neben der beginnenden Ferienzeit kommt jetzt die Tatsache hinzu, dass das untere Parkdeck seit dem 24. Mai gesperrt ist und nur die Hälfte der Parkplätze zur Verfügung steht. Auch die weiter entfernt lebenden Anwohner sind genervt. „Selbst im Rübenkamp ist alles zugeparkt“, sagt etwa Jens Petersen. „Ich muss vor meinem Grundstück schon Mülltonnen aufstellen, um mir einen Parkplatz frei zu halten.“

Tatsächlich parken auf dem Parkdeck und in den umliegenden Straßen überwiegend Autos, die von außerhalb Hamburgs kommen: aus Lübeck und Kiel, aber auch aus Kreisstädten in Nordrhein-Westfalen, der Pfalz und Bayern. Sogar mehrere Autos mit dänischen Kennzeichen sind darunter.

Anwohner Robert Niederheide ärgern besonders die Dauerparker. „Sie beanspruchen ihre Parkplätze über Wochen. Und wir Anwohner finden keinen Platz mehr, wo wir unser Auto abstellen können.“ Auch Safak Bircan, der bei der Deutschen Bahn arbeitet, weiß um die Missstände. „Viele meiner Kollegen parken so weit entfernt, dass sie zehn Minuten laufen müssen. Seit der Sperrung des unteren Parkdecks gehen die Autofahrer bei der Parkplatzsuche noch aggressiver vor.“

Bis zum Herbst soll die gesamte Ohlsdorfer Anlage eine Videoüberwachung, Schranken und eine neue Beleuchtung erhalten. Auch die Plätze in Fuhlsbüttel und Langenhorn-Nord werden instand gesetzt. Mit Abschluss der Sanierungsmaßnahmen gehen die drei Anlagen aus der Obhut des Bezirks in die der Park+Ride-Betriebsgesellschaft über – und werden gebührenpflichtig.

Pro Tag soll das Parken 2 Euro kosten, eine Monatskarte ist für 20 Euro zu haben, die Mehr-Tages-Karte für 4 Euro pro Tag. Die Flughafennutzer wird das nicht abhalten, ihre Autos weiterhin am Sommerkamp abzustellen und damit Pendler-Parkplätze zu blockieren. Im Parkhaus am Terminal 2 würden sie für 15 Tage nicht 60 Euro, sondern rund 140 Euro zahlen.

Klaus Uphoff von der Park+Ride-Betreibergesellschaft weiß, dass das Angebot der Mehr-Tages-Karten die eigentlichen Kunden seines Unternehmens, die Pendler, benachteiligt. „Natürlich möchten wir in erster Linie für die Pendler da sein, die täglich kommen.“ Den „Wildwuchs“ könne man jedoch nicht verhindern. Auch wenn Autofahrer die Park+Ride-Plätze über längere Zeit in Anspruch nähmen, verhielten sie sich korrekt. „Wir werden dennoch genau beobachten, wer unsere Parkplätze tatsächlich nutzt“, sagt er. Gegebenenfalls müsse man sich einen anderen Weg überlegen und die Dauer der Tage, die man parken darf, einschränken.

Seit die Planungen zu Umbau­maßnahmen und Gebühreneinführung auf der jüngsten Sitzung des Regional­ausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel vorgestellt wurden, herrscht bei der CDU Hamburg-Nord Unmut. Sie kritisiert, dass Park+Ride-Nutzer zur Kasse ge­beten werden sollen.

„Um die stauträchtigen Straßen in der Innenstadt zu entlasten, müssten Pendler schon frühzeitig auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen können“, sagen die Abgeordneten Martina Lütjens und Nizar Müller. „Wer die Nutzung von Park+Ride-Anlagen kostenpflichtig macht, erreicht genau das Gegenteil: Die Pendler werden verstärkt in die Innenstadt fahren.“ In den Wohnquartieren würde der Parkplatzdruck weiter steigen, dabei sei er schon jetzt inakzeptabel hoch.

Klaus Uphoff beschwichtigt. Es habe sich erwiesen, dass Kunden nach der Einführung von Parkgebühren die Park+Ride-Anlagen zwar vorübergehend gemieden hätten. Wegen der Aussicht auf einen freien und sicheren Parkplatz wären aber viele nach einiger Zeit wieder zurückgekehrt.