Langenhorn

Traditionsgasthaus schließt – Protest gegen geplanten Aldi

Das Bild zeigt das Gasthaus Tomfort um 1914

Das Bild zeigt das Gasthaus Tomfort um 1914

Foto: Langenhorn-Archiv

Helmut Schmidt und Uwe Seeler waren Gäste im Gasthaus Tomfort. Nun hat es geschlossen. Auf dem Gelände soll ein Aldi-Markt entstehen.

Hamburg.  Mit einem großen Fest endete am Silvesterabend in Langenhorn die Geschichte eines 156 Jahre alten Familienunternehmens. Nun soll auf dem Gelände des Gasthauses Tomfort eine Aldi-Filiale entstehen. Anwohner protestieren.

Die Gaststätte an der Langenhorner Chaussee ist seit dem 1. Januar geschlossen. Die Kinder des Inhabers Wolfgang Kühn wollten das Unternehmen nicht übernehmen. Die notwendigen Investitionen seien zu hoch. Im „Wochenblatt“ war eine Summe von einer Million Euro genannt. Kühn sagt dem Abendblatt: „Die Summe ist noch viel zu klein. Das Haus ist 300 Jahre alt. Wir haben immer laufend investiert. Aber nun sind weitere Investitionen notwendig.“

Ein großer Brand vernichtete im September 1986 das Gasthaus, Saal und Hotel. „Der Betrieb war nicht versichert“, so Kühn. Der Schaden von sechs Millionen Euro sei mittlerweile aber abbezahlt.

Schmidt und Seeler gehörten zu den Gästen

Nun soll ein Aldimarkt auf dem Gelände entstehen, auf dem um 1859 eine Pferdefuhrwerk-Station betrieben wurde. 1958 entstand dort ein Hotel. Zu den Gästen des Hauses gehörten unter anderem Jacques Chirac, Helmut Schmidt, die Boxer Max Schmeling, Bubi Scholz, Hein ten Hoff, Willi Hoepner und Albert Westphal. Aber auch Fußballer wie Günter Netzer, Uwe Seeler, Kevin Keegan und Franz Beckenbauer waren wiederkehrende Gäste.

Vor drei Jahren stand bereits der Verkauf an, es sollte ein Lidl-Markt entstehen. Durch Proteste der Anwohner wurden aber die Auflagen für den Bau so streng geregelt, dass Lidl sich gegen die Ansiedlung entschied. Nun hat Aldi den Zuschlag bekommen und der Protest formiert sich erneut.

Weltreise geplant

Am 18. Januar soll den Informationen nach beim Bauamt im Bauausschuss über den Bau entschieden werden. Einige Anwohner klagen, sie seien in die Planungen nicht einbezogen worden. Sie befürchten eine erhöhte Lärmbelästigung und die Zerstörung des Wohncharakters des Siedlungsgebietes, wie es in einem Einspruchschreiben an die Politiker des Bauausschusses heißt.

Kühn selbst sieht dies anders. „Unsere Mitarbeiter fahren mit dem Bus bis zum Langenhorner Markt und lassen sich dann mit dem Einkauf im Großraumtaxi zurückfahren.“ Durch die Schließung eines anliegenden Markant-Marktes sei es besonders für ältere Anwohner schwieriger geworden, den Einkauf zu erledigen, so Kühn. Die Stadt sei dazu verpflichtet, einen Nachversorger zu stellen. Es gebe praktisch keine Gewerbeflächen in der näheren Umgebung mehr, sagt Kühn.

Zum Abschied berichtet Kühn über seine Pläne im Ruhestand: „Ich gehe lieber erhobenen Hauptes. Die Leute sagen, es sei schade, das Essen sei immer so lecker gewesen. Aber ich hatte nie Zeit für das Alstervergnügen oder Ähnliches. Nun ist eine Weltreise geplant oder sich einfach mal an die Nordsee setzen und genießen.“