Schandfleck

Verfallene Ladenzeile an Langenhorner Chaussee soll weg

Leerstand und Verfall an der Langenhorner Chaussee 660 - 666 in Höhe des U Bahnhofs Ochsenzoll

Leerstand und Verfall an der Langenhorner Chaussee 660 - 666 in Höhe des U Bahnhofs Ochsenzoll

Foto: Michael Rauhe

Unternehmer will dort neue Geschäfte und 40 Wohnungen errichten. Schon Anfang 2016 könnte er mit dem Neubau beginnen.

Langenhorn.  Eine verfallene Ladenzeile, die einer Kriegsruine gleicht, hinter den zerborstenen Schaufensterscheiben zerfetztes Isoliermaterial, kaputte Regale und viel Müll – diese Hinterlassenschaften einer Entmietung, die von vielen einst als „mafiös“ bezeichnet wurde, sind den Langenhornern seit fast fünf Jahren ein Dorn im Auge. Umso mehr, als ein paar Meter weiter an der Langenhorner Chaussee, gleich auf der anderen Seite des Stockflethwegs, gerade das pompöse Autohaus Wichert mit angeschlossenem Einkaufszentrum entstanden ist.

„Warum wird dieser Schandfleck nicht endlich abgerissen?“, empört sich Anwohner Peter Freund und zeigt auf die abgesperrte Bauruine. Weil er das auch immer wieder in den öffentlichen Sitzungen des Bezirks fragt, kennt er die Antwort: Es gab Probleme mit dem Bauantrag. „Dennoch hätte man hier in der Zwischenzeit eine Grünfläche anlegen können, anstatt den vielen Passanten und den Pendlern, die hier jeden Tag daran vorbeifahren, einen solchen Anblick zu präsentieren“, findet der Langenhorner.

2,5 Millionen Euro in verfallenes Gebäude investiert

Auch Ulrich Oldehaver, seit 2012 Eigentümer der Ladenzeile und eines angrenzenden Grundstücks, würde die Ruine lieber heute als morgen abreißen – allerdings nur, wenn er anschließend sofort mit dem Neubau beginnen könnte. „Sonst“, so der Coach, Immobilienbesitzer und frühere Skirennfahrer, „würde ich noch mehr Geld verlieren.“.

Rund zweieinhalb Millionen Euro hat er bereits in das verfallene Gebäude investiert – verursacht durch die langen Auseinandersetzungen mit Ladeninhabern, die sich ihre bestehenden Mietverträge teuer abkaufen lassen wollten, und einer ersten Baugenehmigung, die offenbar irrtümlich erteilt wurde.

„Eigentlich sollte mir die Immobilie 2011 besenrein und ohne Mieter übergeben werden, aber das hat nicht geklappt“, so Oldehaver. Die teilweise schon entmietete und zerstörte Ladenzeile gehörte einem umstrittenen Hamburger Architekten und seiner Frau. Der Erwerb, so Oldehaver, sei mit vielen Schwierigkeiten verbunden – noch heute streitet er sich mit den Vorbesitzern vor Gericht.

Nachbarn protestieren gegen Bauvorhaben

Auch mit den Bauanträgen hatte Oldehaver zunächst großen Ärger. Die ursprünglichen Pläne des Vorbesitzers musste er verwerfen, da die von diesem geplanten Sozialwohnungen unter anderem wegen ihrer Größe nicht förderungswürdig gewesen wären. Für die Entwürfe des nächsten Architekten erhielt er zunächst vom Bezirksamt eine Genehmigung. „Von dieser haben wir aber wieder Abstand genommen“, so Oldehaver. Nachbarn hatten protestiert, dass das Bauvorhaben ihnen ein Fenster verschatten würde. „Das befand sich zwar in einer Brandschutzmauer und war somit illegal, aber in den Bauakten von 1956 gab es einen handschriftlichen Vermerk, dass das Fenster genehmigt worden sei.“

Mit Projektentwickler Marco Pankonin startete Oldehaver einen dritten Versuch. Mit ihm hat er bereits das Projekt „Wohnen an der Alsterschleife“ in Poppenbüttel realisiert. Am Langenhorner Markt hat Pankonin zudem den Wohnpark Reekamp gebaut.

Auch an der Langenhorner Chaussee könnten die beiden Erfolg haben. „Wir haben im August einen Bauantrag eingereicht, der allen Anforderungen entspricht und den Standort städtebaulich aufwerten wird“, so Pankonin. Geplant sei ein zwei- bis viergeschossiger Neubaukomplex mit einer kleinteiligen Ladenzeile und rund 40 Wohnungen, die mit zehn Euro pro Quadratmeter relativ günstigen Wohnraum böten. „Wir sind zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen eine Genehmigung bekommen und im ersten Quartal 2016 mit dem Neubau beginnen können“, so Pankonin. Die Langenhorner, die Pendler, die Passanten und nicht zuletzt Peter Freund würde das freuen.