Polizei

Schwules Paar in Barmbeker Fitnessclub angegriffen

Foto: Bertold Fabricius

In der Umkleide des Holmes-Place-Studios in Barmbek soll ein Gast die beiden Männer beleidigt und außerdem genötigt haben. Die Polizei hat nach dem Vorfall Ermittlungen aufgenommen.

Hamburg. Sieben Jahre haben Patrick C. und Christoph P. (Namen von der Redaktion geändert) im Edel-Fitnessclub Holmes Place an der Bostelreihe unweit der Außenalster trainiert. Doch nach einem tätlichen Übergriff am vergangenen Sonnabend und schwulenfeindlichen Beleidigungen durch einen anderen Gast will das Paar den Sportclub nicht mehr betreten. Christoph P. hat Anzeige wegen Körperverletzung, Beleidigung, Nötigung und Bedrohung erstattet. Polizeisprecher Mirko Streiber bestätigt: „Wir haben die Ermittlungen aufgenommen. Noch im Fitnessclub ist der Angreifer von der Polizei vernommen worden, er verweigerte jedoch die Aussage.“

Christoph P. wurde als „Schwuchtel“ beschimpft und körperlich angegriffen

Was am vergangenen Sonnabend in dieser Hamburger Filiale des nach eigenen Angaben führenden Anbieters für Fitness & Wellness geschehen sein soll, macht fassungslos: „Das war eine Diskriminierung, die man so einfach nicht hinnehmen kann“, sagt Patrick C., der bereits seit vielen Jahren mit seinem Partner Christoph P. zusammenlebt. Dass ein homosexuelles Paar in der Öffentlichkeit beleidigt werde, das komme leider immer noch vor. „Aber dieser Vorfall hatte noch mal eine ganz andere Qualität.“

Es soll in der Umkleidekabine passiert sein. Patrick C. schildert den Angriff auf seinen Freund Christoph P. so: „Wir wollten die Umkleide gerade in Richtung Studio verlassen, da hörte ich ein Brüllen. Ein muskelbepackter Gast stürzte sich auf meinen Freund. Zunächst schrie er, warum Christoph ihn so doof anglotzen würde.“ Dabei habe sein Freund nur beim Rausgehen in den Spiegel geschaut. „Doch der Mann griff meinem Freund an die Kehle und knallte ihn gegen die Wand. Er beschimpfte ihn als ‚dumme schwule Sau‘ und ‚Schwuchtel‘.“ Es sollen noch weitere Beleidigungen gefallen sein.

Schließlich ging Patrick C. dazwischen und zog seinen Freund Richtung Ausgang. Am Empfang informierte das Paar eine Mitarbeiterin über den Vorfall und ließ die Polizei rufen. Die Mitarbeiterin habe ihnen versichert, dass der Mann Hausverbot bekomme. Eine Sprecherin des Fitnessclubs sagte dem Abendblatt: „Wir entschuldigen uns ausdrücklich. Wir haben dem Angreifer Hausverbot erteilt.“

Zu den weiteren Vorkommnissen des Nachmittags gibt es zwei Versionen: Als sie auf die Polizei gewartet hätten, sei der Angreifer erneut auf sie zugestürmt und habe gedroht: „Die Bullen können euch nicht beschützen!“, das erzählen Christoph P. und Patrick C. „Der Angreifer hat gesagt, er werde uns hier wieder erwischen.“ Diesen Angriff habe ein Salesmanager des Fitnessclubs beobachtet – und tatenlos zugesehen, so Patrick C. Später sei der Mitarbeiter auf sie zugekommen und habe laut Patrick C. sinngemäß gesagt: „Obwohl ich euch nicht leiden kann, tut mir das jetzt leid.“ Aber da der Angreifer bisher nicht aufgefallen sei, könne man dem Gast kein Hausverbot erteilen, soll der Salesmanager weiter gesagt haben. „Als ich daraufhin fragte, wie wir hier in Zukunft sicher trainieren sollen, erklärte der Mitarbeiter, wir könnten ja kündigen, es würde sich bestimmt eine Möglichkeit finden lassen, unseren Vertrag vorzeitig zu beenden“, so Patrick C.

Dieser Schilderung widerspricht die Holmes-Place-Sprecherin: „Unser Mitarbeiter hat mir versichert, weder zu den beiden Mitgliedern gesagt zu haben, dass er sie nicht leiden könne, noch dass sie ihren Vertrag kündigen sollten.“ Vielmehr hätten die beiden Mitglieder selbst gefragt, ob eine frühzeitige Vertragsauflösung möglich sei. Auch sei es nicht richtig, dass dem Angreifer zunächst kein Hausverbot erteilt werden sollte – im Gegenteil: „Wir haben, sofort nachdem die Polizei vor Ort war, Hausverbot gegen das Mitglied verhängt.“ Die Sprecherin sagt weiter: „Für Holmes Place steht jeder einzelne Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen an erster Stelle. Ein derartig intolerantes Verhalten entspricht daher in keiner Weise der Philosophie von Holmes Place und wir distanzieren uns hiermit ausdrücklich von jeglichem respektlosen Verhalten gegenüber unseren Mitgliedern oder Gästen“, so die Sprecherin zum Abendblatt.

Patrick C. und Christoph P. haben dennoch die Konsequenzen gezogen und ihre Mitgliedschaft gekündigt.