St. Georg

Billigbier-Embargo soll Trinker vom Hansaplatz vertreiben

SPD-Politiker Markus Schreiber (v.l.), die Geschäftsleute Mehmet Simsit , Kumar Taneja und Nitin Taneja usowie Fraktionskollege Oliver Sträter am Hansaplatz

SPD-Politiker Markus Schreiber (v.l.), die Geschäftsleute Mehmet Simsit , Kumar Taneja und Nitin Taneja usowie Fraktionskollege Oliver Sträter am Hansaplatz

Foto: Michael Rauhe

Seit Jahren ist Geschäftsleuten und Anwohnern die dortige Trinkerszene ein Dorn im Auge. Über den erneuten Versuch, den Ort zu retten.

St. Georg.  Der Hansaplatz ist einer der sozialen Brennpunkte in der Hansestadt. Schon am Nachmittag stehen hier Trinker beim Bier zusammen und Prostituierte bieten Passanten ihre Dienste an. In den Abendstunden kommt es häufig zu lautstarken Auseinandersetzungen. Mehmet Sinsit, der die Gaststätte Hansa-Treff und eine Außengastronomie auf dem Platz betreibt, sagt: „Ich habe Angst um meine Gäste, denn die Betrunkenen werfen häufig mit Bierflaschen um sich.“

Die Politik ist sich einig, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Es wurde sogar ein Forum Hansaplatz gebildet, an dem Politik und Bürger teilgenommen haben. Daraus hat sich ein Maßnahmenkatalog ergeben.

Ein entsprechender Antrag der Grünen und der SPD wurde im Juni vergangenen Jahres in der Bezirksversammlung Mitte beschlossen. Bislang wurde jedoch noch nichts umgesetzt. Eine der Forderungen war, für bestimmte Uhrzeiten ein Alkoholverkaufsverbot für die Kioske am Hansaplatz zu erlassen. Aber dafür müsste die Landesgesetzgebung geändert werden und das wird dauern.

SPD-Politiker haben die Initiative gestartet

Doch jetzt haben die SPD-Politiker Markus Schreiber und Oliver Sträter eine ungewöhnliche Initiative gestartet. Mit Erfolg: Drei Kioskbesitzer haben eine Selbstverpflichtung unterschrieben. Diese enthält unter anderen, dass künftig kein Billigbier mehr angeboten werden soll und dass sich die „unterzeichnenden Kioskanbieter darüber einig sind, dass ihnen eine besondere Verantwortung gegenüber Anwohnern und Konsumenten auf dem Hansaplatz zukommt“.

Der Hansaplatz ist das Sorgenkind des Szenestadtteils St. Georg: Seit Jahrzehnten wird hier mit Drogen gedealt und der Prostitution nachgegangen, obwohl es ein Sperrbezirk ist, in dem Prostitution verboten ist. Es wurde 2011 sogar ein Kontaktanbahnungsverbot eingeführt. Das heißt: Männer, die bei Verhandlungen mit einer Prostituierten erwischt werden, müssen bis zu 5000 Euro Strafe zahlen. Doch die Zahl der Damen, die hier auf den Strich gehen, ist nicht spürbar zurückgegangen.

Verkehrsberuhigung sollte Entlastung bringen

Im Jahre 2011 wurde im Zuge der aufwendigen und rund 2,5 Millionen Euro teuren Neugestaltung des Hansaplatzes sogar der Autoverkehr verbannt. Bis dahin fuhren dort immer die Freier entlang, sehr zum Ärger der Anwohner. Es brachte auch nichts, dass dort mehr Außengastronomie betrieben wird. Die Trinker und Prostituierten haben sich davon nicht vertreiben lassen.

Nun soll es der Verzicht auf Billigbier richten. Bislang gab es einen halben Liter Oettinger-Bier schon für 60 Cent zu kaufen. Nun soll es teurer werden: „Die Hoffnung ist, dass durch diese Maßnahme der Alkoholkonsum am Hansaplatz abnimmt und sich dadurch das Verhalten ändert“, sagte der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Markus Schreiber, der bis 2012 Bezirksamtsleiter in Mitte war. Es dürfte nun kein Bier mehr für weniger als ein Euro plus Pfand geben, so Schreiber. Der SPD-Politiker betont: „Die aktuelle Situation ist nicht hinnehmbar. Es dürfte nicht sein, dass auf solch einem attraktiv gestalteten Platz Trinkergruppen und Prostituierte andere Nutzer abschrecken.“

Glauben Sie, dass verteuertes Bier an den Kiosken die Probleme rund um den Hansaplatz lösen kann?

Einer der Kioskbetreiber ist Nitin Taneja. Von seinem Geschäft aus hat er einen direkten Blick auf die Trinker: „Ich verdiene zwar mit dem Verkauf von Alkohol Geld, aber was sich hier vor meinen Augen abspielt, ist kaum zu beschreiben“, sagt Taneja. Die Aggressivität und die Zahl der Belästigungen seien gestiegen. Deshalb sei es für ihn selbstverständlich, diese Selbstverpflichtung zu unterschreiben, so Taneja weiter.

Penny muss noch überzeugt werden

Außerdem wird der Geschäftsmann seinen Laden umbauen: „Wir investieren rund 45.000 Euro und wollen mehr Lebensmittel anbieten und unser Alkoholangebot verringern“, kündigte Taneja an. Sein Verwandter Kumur Taneja, der wenige Meter weiter einen Kiosk betreibt, sagt: „Die Situation am Hansaplatz ist katastrophal. Es muss sich etwas verändern und wir müssen dazu beitragen, dass es hier nicht mehr zu Trinkgelagen kommt.“ Das sieht der Inhaber vom „Donasta Store“ ähnlich, auch er hat die Selbstverpflichtung unterschrieben. Dazu Quartiersmanager Wolfgang Schüler: „Ich begrüße die Initiative der SPD und die Bereitschaft der Kioskbesitzer, sich für eine positive Veränderung am Steindamm einzusetzen. Es ist höchste Zeit, diesen zentralen Platz wieder für alle Hamburger zu einem attraktiven Ort zum Verweilen werden zu lassen.“

Unterdessen hat sich der SPD-Bezirksabgeordnete Oliver Sträter viel vorgenommen: „Wenn es uns gelingt diese und einen weiteren Katalog von Maßnahmen für den Hansaplatz umzusetzen, dann könnte hier in Zukunft wieder ein Stück Normalität einkehren.“ Gemeinsam mit Schreiber möchte Sträter auch Gespräche mit dem Discounter Penny am Steindamm führen, hier wird ein halber Liter Bier für 29 Cent angeboten: „Unser Ziel ist es, dass auch Penny seine Sortimentspolitik überdenkt“, so Sträter. Ob der Discounter mitmacht, scheint fraglich.