Rothenburgsort

Nach dem Brand im Hochbunker: So geht es nun weiter

Der Tag nach dem Großeinsatz: Die Feuerwehr hat die Flammen gelöscht. Nun belüftet sie den Hochbunker - dann geht es in die Wohnungen.

Hamburg. Am Tag nach dem Großbrand in Rothenburgsort hat die Feuerwehr am frühen Mittwochmorgen auch die letzten Glutnester gelöscht. Aktuell werden mit dicken Schläuchen, die bis in das vierte Obergeschoss reichen, der Rauch abgesaugt und der Bunker gelüftet. Laut Feuerwehr gehen die Arbeiten gut voran. Im Bunker herrscht zur Zeit eine Temperatur von nur noch 45 Grad Celsius. Erst wenn das Gebäude vollständig rauchfrei ist, können die ersten Wohnungen in der Nachbarschaft wieder freigegeben werden. Dafür müssen die Einsatzkräfte in jede einzelne Wohnung. Nach Abschluss der Belüftungsmaßnahmen wird die Polizei in dem Bunker und mit der Brandermittlung beginnen.

Bei dem Großbrand in der Marckmannstraße waren mindestens 45 Menschen verletzt worden, 20 von ihnen wurden in ein Krankenhaus gebracht. In kurzer Abfolge kam es am Dienstagmorgen zu extremer Rauchentwicklung und einer Detonation. Die Feuerwehr rückte mit 200 Brandbekämpfern an, umliegende Wohnhäuser wurden evakuiert und mehr als 60 Menschen in Sicherheit gebracht. Innensenator Michael Neumann (SPD) machte sich vor Ort ein Bild von den Rettungsarbeiten. Mittwochnacht gegen 3 Uhr dann die erleichternde Nachricht: Das Feuer ist nach knapp 22 Stunden Kampf gegen die Flammen gelöscht. „Wir hatten in dem Gebäude fast null Sicht“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Der Brand war aus noch ungeklärter Ursache gegen 4.23 Uhr in dem Bunker ausgebrochen. Neben einer Tischlerei war auch ein Lager mit mehr als 100 Tonnen an ätherischen Ölen in dem 25 Meter hohen Gebäude. Beim Eintreffen der ersten Feuerwehrleute war die Wohnstraße bereits in eine schwarze Rauchwand gehüllt. Wegen der Wetterlage zog der Qualm nicht ab, sondern legte sich wie ein dichter Teppich auf das Wohngebiet. Mehrere Nachbarn erlitten bei der Flucht aus ihren Wohnungen Rauchvergiftungen.

+++ Lesen Sie hier ein Interview mit dem Feuerwehrsprecher über den schweren Einsatz +++

Bei den Löscharbeiten wurden die Feuerwehrleute gegen 7.15 Uhr dann von einer Explosion überrascht. Der verdichtete Rauch im Bunker hatte offenbar mit Sauerstoff reagiert. „Es gab eine schlagartige Durchzündung mit einer erheblichen Druckwelle, die so stark war, dass Fahrräder durch die Luft gewirbelt wurden“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Brandort. Eine Stichflamme schoss aus den zwei Eingängen des Bunkers bis auf die gegenüberliegende Straßenseite. Auch mehrere Feuerwehrleute wurden von der Druckwelle erfasst, stürzten und zogen sich Prellungen und Abschürfungen zu. Insgesamt mussten 15 Beamte, teils auch mit leichten Verbrennungen, in ein Krankenhaus gebracht werden.

Die Feuerwehr rief die höchste Alarmstufe aus, alle Anwohner in Ro­thenburgsort und Hammerbrook wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Erst am Mittag konnte die Rauchentwicklung so weit eingedämmt werden, dass die Feuerwehrleute sich im Inneren des Bunkers zurechtfanden. Gleichzeitig wurden benachbarte Häuser auf weitere Verletzte durchsucht und verbliebene Bewohner mit HVV-Bussen zunächst für eine Nacht in Hotels gebracht. Wann sie in ihre Wohnungen zurückkehren können, war noch unklar.

Am Nachmittag wollte die Feuerwehr den gesamten Bunker mit Löschschaum fluten, entschied sich dann aber für eine konventionelle Löschung. Die Polizei konnte aus Sicherheitsgründen zunächst noch nicht damit beginnen, im Inneren des Bunkers nach der Brandursache zu suchen.

Die Löscharbeiten dauerten bis in die Nacht an. „Der Einsatz war außerordentlich kompliziert“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Es sei „Glück im Unglück“ gewesen, dass bei Brand und Verpuffung niemand schwer verletzt wurde. Die Brandschäden können erst am Mittwoch erfasst werden.