Innenstadt

Streit um verhülltes Saturn-Haus – „ewiges Provisorium“

Eine schwarze Plane verhüllt den Elektronikmarkt

Eine schwarze Plane verhüllt den Elektronikmarkt

Foto: Andreas Laible

Das Gebäude am Eingang zur Mönckebergstraße ist seit Oktober 2014 mit einer schwarzen Plane verhängt. Die Politik ist verärgert.

Hamburg.  Die Mönckebergstraße ist die Haupteinkaufsmeile in der Hansestadt. Das Entree bildet das Saturn-Haus. Dieses ist ein Hingucker, allerdings nicht etwa aufgrund seiner besonderen Architektur, denn die ist gar nicht mehr zu erkennen: Ein Großteil des Gebäudes ist seit Ende 2014 mit einer schwarzen Plane verhängt.

Zuvor war die weiße Fassade, einst von Stararchitekt Egon Eiermann entworfen, abgenommen worden. Die Standfestigkeit war nicht mehr gegeben.

Seitdem ist nichts passiert. Das ärgert Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter: „Es ist schon beschämend, dass der Stadteingang gegenüber dem Hauptbahnhof seit Langem ein solches Provisorium ist“, sagte er dem Abendblatt. Dem Vernehmen nach hat der Oberbaudirektor den Eigentümer darauf hingewiesen, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.

Seit 2012 ist die Matrix Immobilien GmbH Eigentümer des Gebäudes. Geschäftsführer Martin E. Schaer räumte ein: „Natürlich sind wir mit der jetzigen Situation nicht glücklich und können verstehen, wenn es Kritik gibt.“

Saturn lehnt Bauvorhaben ab

Nach Abendblatt-Informationen hatte Matrix große Pläne für das Gebäude. Es lag bereits Ende 2014 der Entwurf und die Baugenehmigung für eine neue Fassade vor. Damit verbunden war jedoch ein Bauvorhaben: Die Immobilie in Eins-a-Lage sollte aufgestockt und auf dem Dach ein Hotel errichtet werden. Außerdem sollten die Arkade im Erdgeschoss geschlossen und zu Ladengeschäften umgebaut werden.

Aber Saturn – das Elektronikkaufhaus hat einen langfristigen Mietvertrag – stimmte dem nicht zu: „Wir hatten unterschiedliche Ansichten, und deshalb konnten wir unsere Pläne nicht umsetzen“, sagte Schaer. Saturn habe einen Generalmietvertrag für dieses Gebäude und könne deshalb auch über alle baulichen Maßnahmen, die ihre Flächen betreffen, bestimmen, so Schaer weiter.

Nach Abendblatt-Informationen war die Langzeitverhüllung des Gebäudes bereits mehrfach Thema im Bauausschuss. Der Politik ist offensichtlich der Geduldsfaden gerissen: „Mir fehlt jedes Verständnis für das Zögern des Bauherrn. Es ist ärgerlich, wie lieblos hier mit dem Eingang in unsere City umgegangen wird“, kritisierte SPD-Bauexperte Carl Philipp Schoepe.

Auch CDU-Fraktionschef Gunter Böttcher sieht dringenden Handlungsbedarf: „Es ist unverständlich, dass die Stadt nicht in der Lage ist, mit einem Eigentümer eines derart die Innenstadt prägenden Gebäudes schneller zu einer Lösung zu kommen, um dieses ewige Provisorium endlich zu einem guten Ende zu bringen.“ Kritik kommt auch von Grünen-Fraktionschef Michael Osterburg: „Es ist ein Unding, dass bis heute der Eintritt zur Mönckebergstraße mit einer schwarzen Plane verhüllt wird. Besonders dreist empfinde ich es, dass nun zusätzlich mit ungenehmigten Werbeplakaten Geld verdient wird.“

Das Bezirksamt bestätigte auf Abendblatt-Anfrage, die Werbung an dem Gebäude sei dort nicht zulässig gewesen. Sie sei inzwischen vom Eigentümer abgenommen worden, sagte Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland. Inwiefern ein Bußgeld verhängt wurde, wollte Weiland mit Hinweis auf den Datenschutz nicht sagen.

Eine neue Fassade soll es erst im kommenden Jahr geben

Das Bezirksamt könnte erzwingen, dass die Plane abgenommen und eine neue Fassade angebracht wird. Dafür müsste laut Weiland „eine Verfügung zur Herstellung ordnungsgemäßer Zustände“ erlassen werden.

Aber davon wird vorerst kein Gebrauch gemacht: „Wir sind hinsichtlich der Aufhebung des Provisoriums mit dem Antragsteller in intensiven Gesprächen. Ein neuer Bauantrag mit neuer Gestaltung soll in enger Abstimmung mit dem Bezirksamt und den zu beteiligenden Behörden vorbereitet werden“, so Weiland. Das Bezirksamt werde auf eine zügige Durchführung der Planungs- und Bauprozesse bestehen, kündigte die Sprecherin des Bezirks an.

Das Bezirksamt sei in dieser Angelegenheit nicht gerade durch übertriebenen Tatendrang aufgefallen, sagte dagegen CDU-Fraktionschef Günter Böttcher.

Aber bis die Verhüllung ein Ende hat, dürfte es noch dauern. Die Umsetzung einer neuen Fassadenlösung soll laut Matrix-Geschäftsführer Schaer im kommenden Jahr erfolgen.