Schulcampus Lohsepark

Hamburg: Der lange Weg zur Schule in der HafenCity

In dem unteren Dreieck zwischen dem Lohsepark und dem Bogen der Bahntrasse (rechter Bildrand) soll der Schulcampus Lohsepark entstehen.

In dem unteren Dreieck zwischen dem Lohsepark und dem Bogen der Bahntrasse (rechter Bildrand) soll der Schulcampus Lohsepark entstehen.

Foto: Burkhard Kuhn / HafenCity Hamburg GmbH Fotofrizz

Schulprojekt wird seit fünf Jahren geplant. Nun gibt es Streit um gesundheitliche Belastungen durch den Bahn- und Autoverkehr.

Hamburg.  Es ist eines der größten Schulbauprojekte in Hamburg, noch dazu an einem spektakulären, sehr sichtbaren Ort: Der Schulcampus Lohsepark soll in der östlichen HafenCity gegenüber der HafenCity Universität entstehen. Neu ist auch das pädagogische Konzept: Geplant ist eine sogenannte Clusterschule, die eine vierzügige Stadtteilschule und ein ebenso großes Gymnasium unter einem Dach vereint.

Schulcampus Lohsepark: Planung verzögert

Vielleicht liegt es an der ausgesprochen attraktiven Lage mitten in der HafenCity, dem neuen, viel besuchten Schaufenster der Stadt, dass es viele Umplanungen gab, die zu Verzögerungen führten. Mit Sicherheit tragen dazu auch die besonderen Gegebenheiten des Baufelds zwischen der viel befahrenen Eisenbahnstrecke und der stark frequentierten Versmannstraße bei. Schließlich hat die Initiative Schulcampus Lohsepark, zu der sich engagierte Anwohner zusammengeschlossen haben, mehrfach auf Schwachpunkte und Widersprüche der Planungen hingewiesen.

Der Senat hatte bereits im Schulentwicklungsplan 2012 an dieser Stelle den Bau einer weiterführenden Schule vorgesehen – es gibt bislang nur eine Grundschule in der HafenCity. Konkret geplant und diskutiert wird seit Ende 2015, als Schulbau Hamburg Behörden, Lehrer und Anwohner im Rahmen der Phase 0 zu Gesprächen über die Flächenplanung für die Schule einlud. Der Senat drückte aufs Tempo. „Die Fertigstellung der baulichen Maßnahme ist für August 2021 geplant. Die Maßnahme soll unverzüglich durchgeführt werden“, hieß es im Mai 2017 in der Ausschreibung für die Projektsteuerung des Schulcampus.

B-Plan HafenCity 10 wird im März ausgelegt

Davon kann keine Rede mehr sein. Dabei drängt die Zeit. Vor zwei Jahren lebten laut einer Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage mehr als 200 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 18 Jahren in der HafenCity – Tendenz steigend. Sie müssen auf Schulen in St. Georg, Hamm oder der Neustadt ausweichen. Und umgekehrt: Die neue Clusterschule ist so dimensioniert, dass auch Kinder aus Rothenburgsort und der Veddel dort unterrichtet werden können.

Wenn am 24. März der geänderte Entwurf für den Bebauungsplan „HafenCity 10“ öffentlich ausgelegt wird, dann ist mit einer Reihe von Einwänden zu rechnen. Die Kritik konzentriert sich auf grundsätzliche Elemente der Schulplanung wie die Freiflächen: Die Initiative hält es für erforderlich, dass 100 Prozent der Freiflächen für die Schüler ebenerdig sind. Das aktuelle Konzept sieht vor, dass 40 Prozent des „Schulhofs“ auf das Dach verlegt werden.

Gesundheitliche Belastungen wegen Ausbau des Zugverkehrs

Abgesehen davon gibt es Streit über mögliche gesundheitliche Belastungen. Durch Abnahme von Strom aus den Oberleitungen entsteht bei jeder Durchfahrt eines Zuges auf der Strecke Hauptbahnhof–Elbbrücken ein elektromagnetisches Feld. Die Umweltbehörde hat einen „Vorsorgegrenzwert“ von 0,3 Mikrotesla festgelegt, der um den Faktor 1000 unter dem gesetzlichen Grenzwert von 300 Mikrotesla für einen Abstand von 1,7 Metern zur Stromleitung liege. Aus dem Vorsorgewert ergibt sich, dass Wohnungen oder Schulen wegen des dauernden Aufenthalts von Kindern in einem Abstand von 45 Metern zur Bahnstrecke nicht errichtet werden dürfen.

Das geplante Schulgebäude liegt laut Schulbehörde außerhalb der Zone. Da diese Regelung für alle Baumaßnahmen in der HafenCity gelten soll, wird der Investor HIH Real Estate, wie berichtet, auf einem benachbarten Grundstück statt Wohnungen nun Büros bauen. „Hamburg ist neben Bremen die einzige Stadt, die einen derart niedrigen Grenzwert anwendet“, sagt Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde. Die Initiative hält den Vorsorgewert für zu hoch angesetzt und kritisiert, dass der von der Deutschen Bahn geplante massive Ausbau des Zugverkehrs mit einer höheren Belastung durch „Elektrosmog“ nicht berücksichtigt worden sei.

Autoverkehr sorgt ebenfalls für Streit

Streit gibt es auch über die Lärm- und Stickoxidbelastung durch die an das Schulgelände angrenzende Versmannstraße. Der Senat rechnet nach Abschluss der Bauarbeiten mit der Durchfahrt von 28.000 bis 30.000 Fahrzeugen pro Tag. Die Initiative weist darauf hin, dass diese Werte nur unter der Bedingung gälten, dass als Entlastung die Großmarktbrücke gebaut werde. Andernfalls würden 36.000 bis 42.000 Autos die Versmannstraße täglich nutzen – mit der Folge einer deutlich höheren Lärm- und Stickoxidbelastung.

„Der Senat will beim Schulcampus Lohsepark mit dem Kopf durch die Wand. Luftschadstoffe, Elektrosmog und ein enormer Lautstärkepegel – Schule von morgen geht anders“, sagt der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Jörg Hamann, der eine Überarbeitung der Pläne fordert. Die Linken-Abgeordnete fordert die Prüfung von Standortalternativen für die Schule, etwa an der Spitze des Baakenhöfts.

Schulcampus Lohsepark seit fünf Jahren geplant

„Wir brauchen mehr Bürgerbeteiligung. Ein zugesagtes Forum zum Thema Quartierszentrum, dessen Kern die Schule sein sollte, hat es nie gegeben“, sagt Initiativensprecherin Marianne Wellershoff. Die Kommission für Stadtentwicklung hat mit den Stimmen von SPD und Grünen beschlossen, dass sich die Bürgerschaft noch mit dem Thema Schulcampus Lohsepark beschäftigt.

Die Schulbehörde rechnet derzeit mit einer leichten Planungsverzögerung. „Grundsätzlich gehen wir von einer Wettbewerbs-/Planungs- und Bauphase von fünf Jahren aus“, sagt Albrecht. Die ersten Schüler sollen in „Modulbauten“ von 2021 an unterrichtet werden. Wo in der HafenCity die Container aufgestellt werden sollen, ist noch offen.