Spendenaktion

Schulsport mal anders: Dieses Turnier dreht sich um Fairness

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Pia Wilke (HSJ), Rolf Lange (Edeka) und Reinhold Beckmann.

Pia Wilke (HSJ), Rolf Lange (Edeka) und Reinhold Beckmann.

Foto: Johannes Kramer

Bei „Straßenfußball für Toleranz“ geht es um faires Verhalten. Die Spendensumme geht an Yoga- und Fußballangebote für Geflüchtete.

Hamburg. Auf dem Schulhof an der Neustädter Straße geht es am Montagvormittag hoch her. Seit 9 Uhr tragen die Fünftklässlerinnen und Fünftklässler der Stadtteilschule am Hafen ein Fußballturnier aus. Als gegen Mittag das Finale stattfindet, ist die Stimmung in dem zehn mal 15 Meter großen Spielfeld auf dem Höhepunkt. Die umstehenden Schülerinnen und Schüler feuern beide Teams lautstark an, ehe in einem rassigen Duell eine Spielerin zu Boden geht. Reklamationen gibt es aber keine. Und auch der 2:1-Endstand ist letztlich nur nebensächlich. Denn bei diesem Turnier geht es vor allem um die Fairness.

„Straßenfußball für Toleranz“ heißt das Projekt, das seit 2002 vom gemeinnützigen Verein Nestwerk in Kooperation mit der Hamburger Sportjugend (HSJ) durchgeführt wird. „Viele Kinder sind nicht mehr so in Bewegung, wie sie es vor der Pandemie waren. Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir wieder solche Angebote machen können“, freut sich HSJ-Geschäftsführerin Pia Wilke über die erste Auflage seit 2019.

Spendenaktion: Faires Punktesystem

„Dieses Turnier ist eine Geschichte, die uns besonders am Herzen liegt“, betont Reinhold Beckmann. Der bekannte Fernsehmoderator, Journalist und Musiker ist Vorsitzender und Gründungsmitglied von Nestwerk. Ursprünglich hatten rund 40 Hamburger Schulen an dem Turnier teilgenommen, in diesem Jahr sollen es etwa 15 Schulen mit insgesamt 1000 Spielerinnen und Spielern sein. „Ein erster Schritt, nach Corona wieder anzufangen“, wie Beckmann erzählt.

Das Besondere an den Regeln ist, dass es nicht nur Punkte für Tore, sondern auch für faires Spiel gibt. „Die Teams bewerten im Anschluss gegen­seitig das Fairnessverhalten. Die Kinder sollen dadurch lernen, Konflikte gemeinsam zu lösen“, erklärt Nestwerk-Geschäftsführer Jan Magnus Kramp. Um die volle Punktzahl zu erhalten, muss zudem ein Mädchen ein Tor schießen. Neben drei Spielpunkten sind somit bis zu drei Fairnesspunkte möglich.

Turnier fördert Integration

Ein langjähriger Projektpate ist der ehemalige Fußballprofi Michél Dinzey: „Ich bin in Berlin aufgewachsen, da musste man sich durchsetzen. Das Spielen auf den Plätzen hat mir beigebracht, Freundschaft, Fairness und Teamspirit aufzubauen.“ Dass das Turnier auch zur Integrationsförderung beiträgt, ist laut Beckmann – wegen der vielen Geflüchteten aus der Ukraine – wichtiger denn je: „Das ist die einfachste Form, eine Sprache miteinander zu finden – ein Sprach- und Sprechkurs der ersten Art.“

Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine wurden die Spiele zudem zu einem Spendenturnier konzipiert. „Die Kinder haben die Chance, durch faires Verhalten Spenden zu erspielen und damit Gleichaltrigen zu helfen“, sagt Fundraising-Leiterin Anna Winkels. Dafür bedürfe es möglichst vieler Spendenpaten, die für jeden Fairnesspunkt einen selbst festgelegten Betrag spenden können. Durch die Spendengelder sollen unter anderem Yoga- und Fußballangebote für Geflüchtete an der Sternschanze und im ehemaligen Sofitel finanziert werden.

Unterstützt wird das Projekt bereits von Edeka und Starcar. Rolf Lange, Leiter der Unternehmenskommunikation von Edeka, überreichte am Montag einen Scheck mit einer Spendensumme von 15.000 Euro. Davon wurde auch das neue aufblasbare Feld finanziert. Bis zum 30. Juni stehen noch neun Straßenfußballturniere an Schulen in ganz Hamburg an.

Informationen zu den Standorten und zur Spendenpatenschaft sowie zu weiteren Projekten des Vereins gibt es im Internet unter nestwerkev.de.

( jkr )