Bezirk Mitte

Projekt schlägt Brücke zwischen den Kulturen

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Falko Drossmann, Leiter des Bezirksamts Mitte, stellte die Ergebnisse des Projekts vor.

Falko Drossmann, Leiter des Bezirksamts Mitte, stellte die Ergebnisse des Projekts vor.

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Glaubens- und kultursensible Praxis: In Hamburg Mitte wird seit eineinhalb Jahren am Dialog gearbeitet. Das sind die Ergebnisse.

Hamburg.  Im Bezirk Mitte leben knapp 300.000 Menschen, etwa die Hälfte hat einen Migrationshintergrund. Von den unter 18-Jährigen sind es mehr als zwei Drittel. Das stellt Fachkräfte in der Verwaltung, der Sozialen Arbeit, in Bildung und Pflege aber auch vor Herausforderungen.

„Wir müssen Interkulturalität, Kultursensibilität und Ähnliches alltäglich leben“, sagte Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) am Donnerstag. „Vor einigen Jahren hatten wir die Situation, dass wir mitunter etwas sprachlos vor verschiedenen Entwicklungen in unserem Bezirksamtsbereich standen“, sagte Droßmann. Er nannte konkrete Beispiele.

13-Jährige komplett verschleiert – und nun?

In einem Haus der Jugend in Billstedt sei ein 13-jähriges Mädchen „von einem Tag auf den anderen“ komplett verschleiert eingetroffen. Dort muss man aber sein Gesicht zeigen, wenn etwa Legitimationsdokumente ausgestellt werden.

„Die Hilflosigkeit im Umgang damit wurde recht deutlich“, sagte Droßmann über Gespräche mit pädagogischen Fachkräften zu diesem und ähnlichen Fällen. „Wir haben es nicht bewertet“, so der Bezirksamtsleiter. Natürlich dürfe die Jugendliche so gekleidet ins Haus der Jugend kommen. Aber man wollte betrachten: „Wieso fühlen sich diese Jugendliche in die Situation gebracht, diese Signale, diese Symbole setzen zu wollen?“

Glaubens- und kultursensibles Handeln in der Verwaltung

Auch in der Verwaltung sei glaubens- und kultursensibles Handeln gefragt. In Wilhelmsburg könne es beispielsweise passieren, dass ein älterer Herr für mehrere Familien Mietverträge unterschreiben möchte, weil er kulturell als Stellvertreter betrachtet wird.

Mit dem Projekt „Lebenswelten im Dialog – Glaubens- und kultursensible Praxis in Hamburg-Mitte“, das seit eineinhalb Jahren läuft, will das Bezirksamt in Kooperation mit dem Diakonischen Unternehmen Rauhes Haus und dem Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation seine Fachkräfte mit leicht verständlichen Materialien unterstützen.

Auf der Webseite lebenswelten-dialog.hamburg wurden wissenschaftliche Texte und konkrete Fallbeispiele mit Praxistipps für die Kommunikation im Alltag zusammengetragen. Was Religion in den Lebenswelten von Menschen in einer multikulturellen Gesellschaft bedeutet, sei in der Vergangenheit noch nicht wirklich durchdrungen worden, sagte der „Rauhes Haus“-Vorstand, Andreas Theurich, am Donnerstag. Die Diskussion solle sich aber nicht auf einen Dialog zwischen Christentum und Islam beschränken.

( kwr )