Nikolaikirche

700 Jahre alter Fußabdruck sollte nur ein Jux sein

Ausgrabung beim Mahnmal St. Nikolai

Am Hopfenmarkt vermuten Archäologen gut erhaltene Reste der Neuen Burg, die für den Beginn Hamburgs als Kaufmannsstadt steht. Hier zu sehen ist Archäologe und Grabungsleiter Kay-Peter Suchowa mit einem Pilgerzeichen.

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Grabungstagebuch, Teil 6: Wie sich ein Kind in einem Backstein verewigte und was das mit einem Zauber gegen böse Mächte zu tun hat.

Hamburg. Das Kind wird sicherlich keinen Gedanken daran verschwendet haben, dass viele Jahrhunderte später Hamburger Wissenschaftler darüber grübeln werden, was es mit seinem Fußabdruck wohl auf sich hat. Sollte ja auch nur ein Jux sein. Es wurde einer, der die Zeiten überdauert hat. Jetzt hält Archäologe Kay-Peter Suchowa einen großen Backstein aus dem 15. Jahrhundert in seinen Händen, den er in einer Grundmauer gefunden hat, und schmunzelt: Deutlich ist der Abdruck eines Kinderschuhs zu erkennen. „Ich glaube, dass sich das Kind einen Spaß gemacht hat, als die Steine zum Austrocknen an der Ziegelei lagen“, sagt er.

Solche Abdrücke in Backsteinen sind gar nicht so ungewöhnlich. Häufig sind es Vögel, Hunde oder Katzen, die ihre Spuren hinterlassen haben, aber manchmal eben auch Menschen. Verwendet wurden die Steine dennoch. „Die Herstellung war aufwendig und langwierig, Ausschuss gab es ohnehin viel – da hätte man einen guten Stein auf keinen Fall weggeworfen“, sagt Suchowa. Zumal solche Steine mit Zeichen bei manchen Bauherren sogar besonders beliebt waren. Denn in einigen Bauwerken, besonders in Klöstern, wurden diese Steine alle besonders gut sichtbar verbaut, statt sie zu verstecken. Meist in den Fensterbereichen.

Ein Schutzzauber gegen böse Mächte

„Das hat wohl mit Aberglauben zu tun“, sagt Suchowa. Man versprach sich Schutzzauber gegen böse Mächte davon. Insofern ist es auch nicht auszuschließen, dass Hunde- oder Katzenabdrücke quasi auf Bestellung gemacht wurden.

Im Fall des Kinderschuhs ist Suchowa aber von einem Spaß überzeugt. „Der Stein ist ja auch in einer nicht sichtbaren Mauer verbaut worden.“ Gelegenheiten haben Kinder ohnehin reichlich gehabt, denn die geformte Lehmmasse lag bis zu drei Monate lang zum Trocknen und Aushärten, je nach Wetterlage, im Freien oder einem Trockenhaus.

Erst danach wurden die Steine gebrannt, bei etwa 800 bis 1000 Grad sechs bis neun Tage lang in einem Meiler. Bei dieser Methode war der Ausschuss sehr hoch (rund 40 Prozent). Ab dem 14. Jahrhundert entstanden dann regelrechte Ziegelwerke, die in größerem Maßstab und mit verbesserten Methoden arbeiteten. In den effektiveren, ausgemauerten Brennkammern konnte zielgerichteter gebrannt werden, sodass die Qualität der Steine stieg und deutlich weniger Ausschuss produziert wurde.

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