Hamburg

Weihnachten mal anders: "Jingle Bells" wird zu "Single-Welt"

“Weißer Zauber“ heißt der Weihnachtsmarkt am Jungfernstieg, der sich zumindest optisch von den anderen deutlich abhebt.

“Weißer Zauber“ heißt der Weihnachtsmarkt am Jungfernstieg, der sich zumindest optisch von den anderen deutlich abhebt.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Zur Eröffnung der Weihnachtsmärkte spielten vor dem Rathaus die Söhne Hamburgs ihre eigene Interpretation bekannter Weihnachtslieder.

Hamburg.  So richtig weihnachtlich war das erst mal nicht, was am Montag vor dem Rathaus zu hören war: Unter freiem Himmel haute Musiker Joja Wendt am Klavier in die Tasten und spielte zusammen mit Stefan Gwildis und Rolf Claussen von den Söhnen Hamburgs zur Eröffnung des Roncalli Weihnachtsmarktes den Blues.

Die drei Hamburger wussten die Stimmung trotz Kälte bei ihrem Gratis-Konzert am Köcheln zu halten: erst mit eigenen Songs, allen voran der Mitmachhymne „Moin, Moin, Moin“, dann einigen frei übersetzten Weihnachtsliedern. Aus „Jingle Bells“ wurde so die „Single-Welt“, und plötzlich ging es nicht mehr um „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“, sondern in „Rudolf, der Fettkloß, pennt hier“ um einen versackten Herrn mit ebenjenem Vor­namen. Keine verkitschte Standard­Eröffnung also, sondern eine trockene, typisch norddeutsche Begrüßung der Weihnachtszeit.

„Weißer Zauber“ mit fast 100 Jahre altem Riesenrad

Und die beginnt jetzt so richtig auf dem Rathausmarkt. Ab sofort ist Hamburgs zentraler Weihnachtsmarkt täglich von 11 bis 21 Uhr geöffnet, am Wochenende eine Stunde länger (bis 23. Dezember). Auch an anderen Orten in der Innenstadt ist der Duft von gebrannten Mandeln, Punsch, Glühwein und Bratwürsten eingezogen. Gestern ging es auch für viele andere Hamburger Märkte los. Allein in der Innenstadt öffneten neun weitere Weihnachtsmärkte ihre Tore. Auf dem Gänsemarkt steht nun bis zum 23. Dezember ein märchenhaftes Dorf aus Lebkuchenhäuschen. Ein Besuch lohnt sich zum Beispiel auch auf der Fleetinsel (bis 23. Dezember) und in der Mönckebergstraße (bis 30. Dezember).

Gleich um die Ecke am Jungfernstieg eröffnete am Montag der „Weiße Zauber“ (bis 30. Dezember). Der Markt direkt an der Binnenalster bietet neben seiner einzigartigen Lage wie jedes Jahr auch die namensgebenden weißen Spitzzelte, in denen Deko, Glühwein und so manche Leckerei verkauft werden, sowie ein fast 100 Jahre altes Riesenrad.

Rolf Zuckowski backt mit Kindern Plätzchen

Gutes aus der Weihnachtsbäckerei gab es auch nebenan bei der Eröffnung der Märchenschiffe am Anleger Jungfernstieg auf der Binnenalster – eine Hamburger Tradition seit 34 Jahren. In einem der fünf Märchenschiffe backten Kinder ab drei Jahren ihre eigenen Plätzchen – jeweils unterstützt von einem Erwachsenen. Und wenn es eine Person gibt, die nicht fehlen darf, wenn die Worte Kinder, Weihnachten und Plätzchen fallen, dann ist das Sänger Rolf Zuckowski. Er war bei der Eröffnung eines der beiden Backschiffe dabei und sang, lautstark unterstützt von seinen kleinen Helfern, den Allzeit-Klassiker „In der Weihnachtsbäckerei“. Und beim letzten Re­frain stimmten dann sogar die Großen mit ein.

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Der Songtitel wird in den nächsten Wochen Programm sein, denn auf den beiden Backschiffen „Saselbek“ und „Sielbek“ können die Kleinen und ganz Kleinen jeden Tag ihre eigenen Plätzchen stechen, backen, verzieren und natürlich auch essen. Neben den „Backschiffen“ liegen auf der Binnenalster ein „Traumschiff“ inklusive Kinderschminken und Spielecke, ein „Theaterschiff“ zum Mitmachen und Ausprobieren und ein „Caféschiff“ zur Stärkung in dem ganzen Weihnachtstrubel. Karten für die „Backschiffe“ gibt es für zwei Euro direkt am Anleger Jungfernstieg im Büro Märchenschiff – jeweils von 10 bis 15 Uhr.

2020 fliegt der Weihnachtsmann wieder

Vor dem Rathaus waren am Montag im Anschluss an das Gratis-Konzert der Söhne Hamburgs dann auch noch kostenlose Tickets für deren Weihnachtskonzert in der Barclaycard Arena am
1. Dezember zu gewinnen. Alles, was es brauchte, war ein bisschen Mut und ein Gedicht zum Rezitieren. Und so fanden die Freikarten schnell neue Besitzer. Wer sich von der musikalischen Eröffnung des Weihnachtsmarktes hat anfixen lassen, aber trotzdem leer ausgegangen ist, der muss nicht traurig sein, diese Chance verpasst zu haben. Am 4. Dezember findet auf dem Rathausmarkt nämlich das NDR-Weihnachtssingen zugunsten von „Hand in Hand für Norddeutschland“ statt.

Auf ein Highlight müssen die Besucher vor dem Rathaus allerdings verzichten: den fliegenden Weihnachtsmann. Seit 2000 schwebt er in seinem beleuchteten Schlitten über den Platz. Das Stahlseil dafür war stets am großen Lichterbaum befestigt. Da aber die Rathauspassage vergrößert werden soll, wird dort eine Baustelle eingerichtet – und ohne Stahlseil kann der Weihnachtsmann nicht fliegen. Die frohe Nachricht: Im kommenden Jahr wird er auf dem Rathausmarkt wieder zu sehen sein.