Hamburg

Umweltschützer beenden Baumbesetzung in Wilhelmsburg

Die verbliebenen drei Besetzer haben am Mittwochmittag den Baum in Wilhelmsburg verlassen. Was ihnen nun droht.

Hamburg. Die Baumbesetzung in Wilhelmsburg ist am Mittwoch ohne einer weitere Konfrontation zwischen Umweltschützern und Polizei zu Ende gegangen. Die noch verbliebenen drei Aktivisten hätten gegen 13 Uhr den Baum in dem Wäldchen zwischen Harburger Chaussee und Honartsdeicher Weg verlassen, sagte ein Polizeisprecher dem Abendblatt. Sie würden nun erkennungsdienstlich behandelt, möglicherweise drohe ihnen ein Bußgeldverfahren wegen einer Ordnungswidirgkeit.

Zuvor hatte die Polizei deutlich gemacht, dass sie mit schwerem Gerät versuchen würde, die Aktivisten vom Baum zu holen, falls diese nicht freiwillig abrücken würden. Zu diesem Zweck hätten möglicherweise noch andere Bäume gefällt oder beschädigt werden müssen. Dafür wollten die Umweltschützer nicht verantwortlich sein und gaben laut Polizei deshalb auf.

1100 neue Wohnungen geplant

In dem Wäldchen in Wilhelmsburg soll auf einer Fläche von 20 Hektar das Spreehafenquartier mit rund 1100 Wohnungen entstehen. Dutzende Bäume sollen weichen. Dagegen hatte sich Protest in der linken Szene formiert. Dort meint man: Wohnungen ja – aber nicht hier.

Am Sonntag verliehen die Aktivisten ihrem Protest schließlich Nachdruck und besetzen am Rande eines Nachbarschaftsfests einen Baum, um die Abholzung zu verhindern. Die sechs Männer und Frauen hatten in etwa fünf Metern Höhe eine Plattform errichtet und Transparente gespannt. Drei von ihnen harrten bis zum Mittwoch aus.

Erster Räumungsversuch am Montag

Einen ersten Versuch, alle Besetzer vom Baum zu holen, führte die Polizei am Montag durch. Mit speziell für Einsätze in größerer Höhe ausgebildeten Bundespolizisten rückten die Beamten am Honartsdeicher Weg im Stadtteil Wilhelmsburg an.

Für die schweren Fahrzeuge wurde ein Weg bis kurz vor den besetzten Baum freigesägt. Die für solche Einsätze trainierten und ausgerüsteten Polizisten ließen sich dann von einem Kran auf die Plattform hieven. Drei der Baumbesetzer konnten erreicht werden. Ohne Widerstand, aber auch ohne jede eigene Unterstützung ließen sie sich abseilen und wegtragen. Ihre Gesichter hatten die Baumbesetzer mit einer Art Kriegsbemalung verziert. Verfolgt wurde der Einsatz von einer Handvoll Unterstützern, die sich an den Absperrungen der Polizei aufhielten.

Am Nachmittag wurde der Einsatz schließlich abgebrochen, da es zu gefährlich wurde. Die letzten drei der sechs Besetzer blieben in den Ästen sitzen. Man warte darauf, dass sie von selbst herunterkommen, hieß es.

Polizei musste für Räumung abholzen

Der Einsatz wurde zur Gefahrenabwehr durchgeführt. Hausfriedensbruch lag, so entschied die Staatsanwaltschaft, nicht vor. Das Gelände ist zwar privat und gehört mittlerweile einer Immobilienfirma. Es ist aber nicht befriedet, also nicht eingezäunt.

Folglich machte die Polizei eine unangemeldete Versammlung als Grund für den Einsatz geltend. Damit sie mit ihren Spezialfahrzeugen für die Räumung in den Wald fahren konnte, mussten die Beamten Bäume und Äste abholzen. Zudem wurde auch die Feuerwehr alarmiert. Sie baute ein Luftkissen am Boden auf.