Finkenwerder

Hausbrand: Ehepaar schläft trotz Rauchmelder-Piepen

Es wurde erst wach, als die Einsatzkräfte die Wohnungstür aufbrachen. Bewohner erheben Vorwürfe gegen Feuerwehr.

Hamburg. Auf Finkenwerder hat am Donnerstagabend aus bislang unbekannter Ursache der Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses gebrannt. Ein Ehepaar musste von der Feuerwehr aus der oberen der drei Etagen befreit werden, die 50 und 52 Jahre alten Bewohner kamen mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus.

Das Feuer war von Nachbarn und Bewohnern des Sechs-Parteien-Hauses an der Nordmeerstraße bemerkt worden – bei der Feuerwehr gingen um 22.20 Uhr mehrere Notrufe ein. Da sich noch zwei Personen im Gebäude befinden sollten, wurde die Alarmstufe auf "Menschenleben in Gefahr" erhöht.

Die meisten Bewohner konnten sich rechtzeitig aus dem brennenden Haus retten. Doch die Eheleute in der oberen Wohnung hatten ihre Türklingel abgestellt und konnten so nicht auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden. Sie wurden erst wach, als die Feuerwehr ihre Tür aufbrach. Das laute Piepsen der Rauchmelder in ihrer Wohnung hatten sie überhört, sagten sie den Einsatzkräften später.

Bewohner machen Feuerwehr Vorwürfe

Die Bekämpfung des Feuers konnte zunächst nur von außen erfolgen, da es sich bei dem Haus um einen Altbau mit Holzbalkendecken handelt. „Wenn Holzdecken von Löschwasser durchweicht werden, sind sie nicht mehr tragfähig“, so Feuerwehrsprecher Werner Nölken. Somit habe sich der Innenangriff sehr schwierig gestaltet.

Die Bewohner vor dem Haus seien „hektisch“ gewesen, sie hätten den Einsatzkräften auch vorgeworfen, sie wären erst nach 25 Minuten am Einsatzort gewesen, sagte Nölken. Der erste Löschzug sei aber bereits nach sieben Minuten eingetroffen.

Insgesamt waren 60 Einsatzkräfte vor Ort. Der 15 mal 25 Meter große Dachstuhl brannte komplett ab. Die betroffene Haushälfte ist schwer beschädigt und vorerst nicht mehr bewohnbar. Eine Unterbringung der Bewohner wurde über die SAGA geklärt, teilte die Feuerwehr am Freitagmorgen mit.

Nachbar klagte über Brustschmerzen

Während der Löscharbeiten kam es zu einem weiteren Vorfall. Ein Nachbar aus dem Haus nebenan klagte über Brustschmerzen. Er wurde mit Verdacht auf Herzinfarkt in Begleitung eines Notarztes ins Krankenhaus gebracht.

Nach Angaben des Feuerwehrsprechers wurden Warnsignale von Rauchmeldern auch schon bei den beiden Bränden in Harvestehude und Borgfelde nicht gehört. Gründe dafür könnten unter anderem tiefer Schlaf oder laute Musik sein. Auf Finkenwerder war offenbar das Prasseln des Feuers der Grund.