Einkaufsmeile

Zehn Millionen Euro für eine modernere „Mö“

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Ulrich Gassdorf
Ein Blick über die Mönckebergstraße auf das Rathaus

Ein Blick über die Mönckebergstraße auf das Rathaus

Foto: Andreas Laible

Grundeigentümer wollen in die Mönckebergstraße investieren. Allein drei Millionen für Weihnachtsbeleuchtung geplant.

Hamburg.  Die Mönckebergstraße gehört zu Deutschlands bekanntesten Einkaufsmeilen, und nun soll auch hier ein Business Improvement District (BID) eingerichtet werden. Zehn Millionen Euro wollen die Grundeigentümer investieren, um die Straße aufzuwerten. Das ist die höchste Summe, die in der Hansestadt jemals für ein BID veranschlagt wurde: „Die Attraktivität der Mönckebergstraße wird durch dieses BID deutlich gesteigert. Die Eigentümer haben mit unserer Hilfe einen Maßnahmenkatalog erstellt“, sagte Sebastian Binger, der als Geschäftsführer der Otto Wulff BID-Gesellschaft als sogenannter Aufgabenträger für die Umsetzung verantwortlich ist. Hintergrund ist die Konkurrenzsituation – durch den Onlinehandel, aber auch das geplante riesige Einkaufszentrum in der HafenCity.

An der Mönckebergstraße soll es unter anderen eine aufwendige Weihnachtsbeleuchtung geben, die allein rund drei Millionen Euro kostet. 14 beleuchtete winterliche Motive sollen die Mönckebergstraße schmücken. Die Erwartungen sind groß: Die winterliche Inszenierung solle international ein Zeichen setzen, heißt es in der Präsentation des BID.

Neue Weihnachtsbeleuchtung soll Maßstäbe setzen

Bereits seit Jahren gibt es Planungen, dass der Einkaufsboulevard zu einem BID werden soll. Die Initiative ging vom Trägerverbund Projekt Innenstadt aus, der die Interessen von Einzelhandel und Grundeigen­tümern vertritt. Der Titel des BID sei „Neues Licht für die Mönckebergstraße“, sagte Geschäftsführer Heinrich Grüter.

Dabei habe man sich von dem Gedanken leiten lassen, dass Licht ein unverzichtbares Element der Stadtbildgestaltung sei. Licht schaffe Stimmungen und belebe die teilweise stadtbildprägenden Fassaden der Häuser der Mönckebergstraße, so Grüter weiter. Der Trägerverbund-Geschäftsführer spricht Klartext: „Die seit Jahrzehnten unveränderte Straßenbeleuchtung ist nicht nur technisch wegen des hohen Stromverbrauchs, sondern auch gestalterisch abgängig.“

Mehr Reinigungs- und neues „Servicepersonal“

Außerdem ist ein neues Beleuchtungskonzept für die Straße und die Fassaden der Geschäftshäuser geplant. Dafür werden rund 2,5 Millionen Euro ausgegeben. Zudem sollen neue Sitzmöbel und Pflanzentöpfe aufgestellt werden. Das Erscheinungsbild soll durch zusätzliche Reinigung gesteigert werden, aber auch um die Pflege der 87 Bäume wollen sich die BID-Macher kümmern. Zudem wird Servicepersonal auf der Straße präsent sein, das den Passanten als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Um die Mönckebergstraße international zu vermarkten, ist auch die Öffentlichkeitsarbeit Bestandteil des BID.

Citymanagerin Brigitte Engler verfolgt damit klare Ziele: „Die BIDs in der Innenstadt und die damit verbundene Steigerung der Aufenthaltsqualität tragen dazu bei, dass sich Hamburg noch mehr als Shoppingmetropole etabliert.“

Droßmann: „Davon profitiert die gesamte Innenstadt“

Im Dezember 2016 wurde der BID-Antrag beim Bezirksamt Mitte gestellt: „Wir begrüßen die Initiative der Grundeigentümer für ein BID und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit. Durch die Umsetzung der geplanten Maßnahmen wird diese prominente Einkaufsstraße noch attraktiver, und davon profitiert die gesamte Innenstadt“, sagte Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD).

Noch bis zum 13. September liegen die Pläne für das BID im Bezirksamt Mitte am Klosterwall 8 im Geschäftszimmer 823 in der achten Etage aus. In diesem Zeitraum haben die Grundeigentümer auch die Möglichkeit, Widerspruch gegen die Einrichtung eines BID einzulegen, denn sie müssen die Kosten von zehn Millionen Euro finanzieren. Wenn weniger als ein Drittel Widerspruch einlegt, dann kann das BID realisiert werden.

Hamburg hat die meisten Business Improvement Districts Deutschlands

Der Senat müsste dem noch zustimmen und wird sich damit voraussichtlich im Herbst befassen. Hamburg hat elf BIDs und damit die meisten in Deutschland. Zu den Standorten zählen der Neue Wall, der Gänsemarkt, die Reeperbahn und das Nikolai-Quartier.

Das erste BID wurde 2005 am Sachsentor in Bergedorf eingerichtet: „In Hamburg haben die Grundeigentümer und die ansässigen Unternehmen sehr positive Erfahrungen gemacht, und deshalb ist das Interesse groß, weitere zu gründen“, sagte Heiner Schote, der in der Handelskammer für die Begleitung der BIDs verantwortlich ist.