OSZE-Treffen

Die am besten geschützte Demo der Welt

Während bei der Kundgebung am Mittag gähnende Leere herrschte, protestierten am Abend 1500 Teilnehmer. Tausende Polizisten im Einsatz.

Hamburg. „Nur der Griff der Massen zum Gewehr bringt den Sozialismus her!“ rufen die Demonstranten. Es lebe der Widerstand der Völker!“, heißt es auf einem Spruchband. Einige halten Besenstiele mit Fäusten aus Pappe hoch, schwenken rote Fahnen mit Hammer und Sichel oder Che-Guevara-Konterfei. Bei der größten Demonstration gegen – so der Tenor – „die Kriegstreiber von OSZE und G20“ in Hamburg sind am Donnerstagabend zeitweise bis zu 1500 Linke und Linksextremisten von der Feldstraße durch das Schanzenviertel bis zum Dammtor gezogen – begleitet von einem bisher beispiellos großen Polizeiaufgebot. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe um 21.40 Uhr blieb die Lage friedlich.

Eine für 20 Uhr ebenfalls an der Feldstraße angemeldete Kundgebung einer anderen linken Gruppe verlief ebenso ruhig. Vor den Augen eines ebenfalls großen Polizeiaufgebots tranken die meisten der nur rund 40 Teilnehmer am U-Bahnhof Feldstraße friedlich ihr Bier, sagen Beobachter.

Erst am Nachmittag die erste größere Kundgebung

Bereits am Mittag hatte es eine Kundgebung auf dem Karolinenplatz nahe dem Messe-Eingang Süd gegeben. Statt der 200 angemeldeten Demonstranten erschienen aber nur einige Journalisten zu der Versammlung. Für den Vormittag war auch eine kleine Mahnwache am Jungfernstieg angemeldet worden, zu der weit weniger Teilnehmer erschienen als erwartet. Am Nachmittag folgten dann rund 400 bis 500 Menschen einem Protestaufruf linker und kurdischer Gruppen. Sie zogen vom Hachmannplatz am Hauptbahnhof über die Mönckebergstraße bis zum Gänsemarkt.

An der Spitze die Reiterstaffel, gefolgt von einer Gruppe Frauen, einer Gruppe Jugendlicher und den übrigen Teilnehmern. Passanten, die gerade beim weihnachtlichen Einkaufsbummel waren, zückten die Handys und fotografierten vor allem die Polizeireiter. Die zumeist kurdischen Demonstranten warfen der OSZE vor, zu Menschenrechtsverletzungen in der Türkei zu schweigen. Gegen 17.45 Uhr wurde die Demonstration am Gänsemarkt friedlich beendet.

Bis zu 200 Teilnehmer aus dem "Schwarzen Block"

Nur eine Stunde später versammelten sich nach Angaben der Polizei zunächst 1500 Menschen auf der Feldstraße am südlichen Rand des Karoviertels, darunter nach Schätzungen von szenekundigen Beobachtern auch 100 bis 200 Teilnehmer, die dem sogenannten „schwarzen Block“ zugerechnet werden und als besonders gewaltbereit gelten. Die Demonstranten trafen sich vor dem U-Bahnhof, um in Richtung des linksautonomen Kulturzentrums Rote Flora zu ziehen. Doch die Polizei stoppte den Zug gleich zu Beginn für einige Minuten, erlaubte dann aber die Fortsetzung der Demonstration.

Es gab auch hier zunächst keine Zwischenfälle, wie eine Polizeisprecherin bestätigte. Da lag möglicherweise daran, dass kurzfristig zwei Züge der Bereitschaftspolizei zusätzlich und besonders eng auf beiden Seiten des Protestmarsches eingesetzt wurden, vermutet ein Polizist. Jeder Teilnehmer hatte gewissermaßen seinen persönlichen Beamten an der Seite. Für Ausschreitungen war kein Platz mehr.

Bei einer Zwischenkundgebung um kurz nach 19 Uhr vor der Roten Flora hatten die Demonstranten dann auch noch mit technischen Problemen zu kämpfen: Die Durchsagen ihres eigenen Lautsprecherwagens sind so leise, dass viele sie gar nicht verstehen können.

Auch vor der Roten Flora blieb es ruhig

Auch vor der Roten Flora selbst blieb es bis auf wenige gezündete Feuerwerkskörper ruhig. So dauerte es auch nicht einmal zehn Minuten, bis sich der Tross wieder in Bewegung setzte. Auf dem Weg riefen Teilnehmer „Straße frei für die rote Jugend“.

Gegen 19.50 Uhr waren bei einer weiteren Zwischenkundgebung am Schlump nur noch 750 Teilnehmer dabei, die so wenig aggressiv wirkten, dass viele Polizisten schon entspannt ihre Helme abnehmen konnten. Am Ende, gegen 20.20 Uhr, marschierten nur noch rund 500 Demonstranten zum Dammtor, dem Ziel der Demonstration.

Über Lautsprecher kündigte ein Demonstrant am Ende an: „Zum G20-Gipfel im Sommer kommen wir wieder, dann wird’s heiß werden.“ Für die Polizei ist die Konferenz ebenfalls eine Art Generalprobe für den G20-Gipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am 7. und 8. Juli in Hamburg gewesen. Dann wird erstmals auch Donald Trump als US-Präsident in Deutschland erwartet – und mit ihm viele Linksextremisten aus der ganzen Welt.