Bezirk Mitte

Kinder-Notfälle erfunden – Hunderttausende unterschlagen

Hochhäuser am Glockengießerwall , Bezirksamt Mitte Häuser

Hochhäuser am Glockengießerwall , Bezirksamt Mitte Häuser

Foto: Michael Rauhe / HA

Skandal im Jugendamt: Der Mitarbeiter soll Fälle erfunden haben, um Sozialhilfegeld zu veruntreuen. Nun ist er untergetaucht.

Hamburg. Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) des Bezirks Mitte steht erneut im Zentrum eines Skandals: Ein Mitarbeiter soll über Jahre mehrere Hunderttausend Euro veruntreut haben. Nach Abendblatt-Informationen ist der Mann untergetaucht. „Wir alle sind schockiert über die Vorwürfe, die hier im Raum stehen“, sagte Bezirksamtleiter Falko Droßmann am Montag bei einer Pressekonferenz.

Der betroffene Mitarbeiter soll sich Jugendhilfefälle ausgedacht, diese ins System gespeist und dann dafür gesorgt haben, dass für nicht erbrachte Leistungen Geld bezahlt wurde. Die Dienststelle Interne Ermittlungen (DIE) ist mit dem Verfahren befasst, auch die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet. In den Räumen des Bezirksamtes am Klosterwall hat es mehrere Hausdurchsuchungen gegeben.

Droßmann will Sicherheitsmaßnahmen überprüfen

Das Verfahren zur Beantragung von Geldern unterliegt einem mehrstufigen Bewilligungssystem. Nachdem ein Bedarf gemeldet wurde, wird die konkrete Unterstützung ermittelt. Anschließend wird ein freier Träger der Jugendhilfe mit einer bestimmten Hilfeleistung beauftragt. Damit diese bewilligt wird, muss die Abteilung „wirtschaftliche Jugendhilfe“ zustimmen.

An dem Prozess der Bewilligung von Hilfen zur Erziehung sind also mehrere Mitarbeiter beteiligt. Dennoch richteten sich die Ermittlungen nur gegen einen Mitarbeiter, so Droßmann. „Trotzdem müssen wir uns bei unserer Aufarbeitung der Vorgänge mit der Frage beschäftigen, ob unsere Sicherungsmechanismen ausreichen.“

Um die „laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden“, möchte sich die Staatsanwaltschaft nicht dazu äußern, ob gegen den Verdächtigen auch ein Haftbefehl vorliegt. Auch ob es Ermittlungen gegen weitere Mitarbeiter oder externe Träger der Jugendhilfe gibt, wollte die Behörde nicht sagen. Dass der Mann ohne Hilfe von Dritten agiert hat, ist angesichts der Bewilligungspraxis aber schwer vorstellbar.