Kunstprojekt

Das ist Hamburgs Wand für die Freiheit

Die Lehrerin Silke Rajski mit ihrer
dritten Klasse

Die Lehrerin Silke Rajski mit ihrer dritten Klasse

Foto: Marcelo Hernandez / HA

2000 Leser haben mitgemacht. Das einzigartige Kunstprojekt ist bis zum 16. Oktober in der City zu sehen.

Hamburg.  „Auf der Spitze vom Empire State Building mit King Kong wohnen“, steht auf dem roten großen Blatt geschrieben. Daneben: „In der Natur sein“ und „In New York City singen“. Die Sätze stammen von der Klasse 3c der Grundschule Neugraben – es sind drei von Tausenden Antworten auf die Frage, was das Wort Freiheit bedeutet.

Rund 2000 Menschen machten mit und schickten Briefe und Bilder zum Thema Freiheit. Und das hat sich gelohnt: Am Freitag haben der Kölner Aktionskünstler HA Schult, Vertreter des Projektentwicklers Frankonia und des Hamburger Abendblatts die große Freiheitswand am Großen Burstah feierlich eingeweiht.

Sichtlich zufrieden zeigte sich Künstler HA Schult bei der Präsentation. „Ich bin begeistert von den Einsendungen. Die Menschen haben sich klug und ernsthaft mit dem Thema Freiheit auseinandergesetzt“, sagte der 77-Jährige. „So ist ein Kunstwerk von allen für alle entstanden. Die Freiheitswand ist ein Mosaik der Seele Hamburgs. Kinder haben genauso mitgemacht wie alte Menschen, Verkäuferinnen, Hochschullehrer, Arbeiter und Konzernvorstände.“ Schult ist dafür bekannt, dass seine Kunstwerke nicht in Bilderrahmen landen oder, wie er sagt, „auf den Fluren der Vorstandsetagen“. „Ich möchte Kunst machen, die da stattfindet, wo Menschen zusammenkommen.“

Auch einige derjenigen, die selbst einen Freiheitsbrief geschickt haben, sind am Freitag an den Großen Burstah gekommen, um das Kunstwerk zu bestaunen. Darunter auch die Schüler aus Neugraben. Gemeinsam mit der ganzen Klasse haben sie an dem Projekt teilgenommen. Ihr Werk hat es gut sichtbar und mittig platziert an die XXL-Wand geschafft. „Alle Kinder aus der Klasse haben daran teilgenommen und gemalt und geschrieben, was das Wort Freiheit für sie bedeutet“, sagt Klassenlehrerin Silke Rajski. „Wir haben schon öfter an Projekten aus der Stadt teilgenommen, weil wir neben dem Lehrplan auch das echte Leben in die Klasse holen wollten.“ So sei der Deutsch- und Kunstunterricht in den vergangenen Monaten manchmal auch zum Philosophieunterricht geworden.

Dabei hätte es um ein Haar nicht geklappt mit der Bewerbung. „Die Paketrolle, die wir an Herrn Schult gesendet haben, ist von der Post wieder zurück geschickt worden. Wir haben HA Schult dann informiert und durften die Post zum Glück noch mal schicken, obwohl die Frist schon abgelaufen war.“

Auch Hamed Norozi ist an den Großen Burstah gekommen. Der 16-Jährige ist vor eineinhalb Jahren aus Afghanistan nach Hamburg gekommen. Eine Lehrerin hatte ihn ermutigt, mitzumachen. Hamed schickte diese Zeilen: „Freiheit ist ein simples Wort, aber mit großem Inhalt. Freiheit ist wie ein Kleid aus Seide, das niemand in Afghanistan tragen kann. Hier in Deutschland habe ich erfahren, mit der Freiheit zu leben und davon zu träumen, was ich einmal werden möchte. Hier muss ich nicht leben wie eine Marionette, ich kann ,Ich’ sein, und das ist für mich Freiheit.“

Wer sich die Freiheitswand ansehen möchte, hat dazu bis zum 16. Oktober die Gelegenheit. Sie befindet sich an der Rückseite des Abendblatt-Gebäudes am Großen Burstah 18–32. Heute ab 11 Uhr wird auch HA Schult vor Ort sein.