Sport in Hamburg

Startschuss für den Masterplan „Active City“

Vorbild für die Entwicklung eines Stadtteils durch Sport: In Wilhelmsburg lädt eine acht Hektar große „Welt der Bewegung“ zum Sporttreiben ein

Vorbild für die Entwicklung eines Stadtteils durch Sport: In Wilhelmsburg lädt eine acht Hektar große „Welt der Bewegung“ zum Sporttreiben ein

Foto: Andreas Laible / HA

Senator kündigt erste Maßnahmen des Masterplans noch für dieses Jahr an und fordert mehr Sportflächen in neuen Quartieren.

Hamburg.  Knapp zehn Monate nach dem Olympia-Aus bekommt der Hamburger Sport ein neues Leitbild. Erste Maßnahmen des Masterplans „Active City“, der zurzeit behördenintern abgestimmt wird, sollen noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Das kündigte Sportsenator Andy Grote (SPD) in einem Vortrag beim 16. Hamburger Kongress für Sport, Ökonomie und Medien an, der noch bis Dienstag an neuem Standort in der HafenCity-Universität abgehalten wird.

„Wir haben mit den Olympiaplanern und vielen Sachverständigen überlegt, wie die positiven Effekte der Olympiabewerbung in eine langfristig angelegte Sportentwicklungsstrategie der Stadt integriert werden können, um den Sport auf allen Ebenen zu stärken“, sagte Grote. Ergebnis seien 26 konkrete Vorhaben sowie sechs Empfehlungen, die bis 2024 – dem Jahr der Sommerspiele, um die sich Hamburg bewerben wollte – realisiert werden sollen.

Als zentrales Handlungsfeld nannte Grote die Förderung des Schul- und Vereinssports. Geplant sei, dass in jedem der sieben Hamburger Bezirke mindestens eine barrierefreie Sporthalle errichtet wird. Zudem würden vereinzelt bestehende Anlagen so umgebaut, dass sie sportartenspezifischen Bedürfnissen von Vereinen gerecht werden.

In Anbetracht der knapper werdenden Flächen sei es zudem umso wichtiger, dass in neuen Quartieren und der sogenannten Revitalisierung bestehender Wohngegenden zusätzliche Sportflächen eingeplant würden. Entsprechende Forderungen waren zuletzt auch von Vertretern von Vereinen und dem Hamburger Sportbund laut geworden. Der Sport müsse stärker als bisher in die städtebauliche Planung einbezogen werden, sagte Grote. Als Negativbeispiele nannte er die HafenCity und die Neue Mitte Altona: „Sie entsprechen nicht in idealer Weise den Erfordernissen des Sports.“ In beiden Großprojekten sind Sporteinrichtungen kaum oder gar nicht vorgesehen.

Dass der Sport durchaus geeignet sei, die Entwicklung eines Stadtteils voranzutreiben, lasse sich dagegen in Wilhelmsburg besichtigen. Der dortige Inselpark steht auch Pate für ein weiteres Handlungsfeld des Masterplans: die Integrierung des Sports im öffentlichen Raum. „Wir möchten in unseren Grünanlagen dazu aktivieren, mehr Sport zu treiben“, sagte Grote. Gedacht sei an sogenannte Bewegungsinseln und Laufstrecken. Sport solle ein „sichtbarer Teil der Identität der Stadt“ werden und für alle und überall leicht zugänglich sein.

Aber auch der Leistungssport werde in die Planungen einbezogen. Er profitiere etwa vom wettkampftauglichen Ausbau der Alsterschwimmhalle. Auch das seit Langem geplante Landesleistungszentrum für Handball und Judo am Olympiastützpunkt in Dulsberg werde nun umgesetzt. Weitere Um- und Ausbauvorhaben betreffen das Tennisstadion am Rothenbaum und die Regattastrecke Dove Elbe in Allermöhe.

Reine Tennisarena sei nicht mehr zeitgemäß

Beide Standorte sollen laut Grote Schauplätze von Großveranstaltungen bleiben. So wolle man das Herrentennisturnier mindestens in seiner bisherigen Wertigkeit erhalten, „aber auch die Chance nutzen, dort bessere Sportmöglichkeiten zu schaffen“. Eine reine Tennisarena sei nicht mehr zeitgemäß: „Wir brauchen angesichts des wenigen Platzes multifunktionale Anlagen, in denen wir den Sport konzentrieren können.“

Im Juni wurde das Rothenbaum-Stadion erstmals zur Beachvolleyball-Arena umfunktioniert. Das Major-Turnier soll nach der erfolgreichen Premiere unbedingt eine Fortsetzung erleben. Grote will Hamburg zur „europaweit erfolgreichsten und attraktivsten Beachvolleyball-Metropole“ ausbauen. Ein weiterer Schwerpunkt bei der Profilierung der Stadt liege im Ausdauersport. Wie berichtet, soll von 2017 an ein Ironman-Wettbewerb das bisherige Portfolio mit Marathon, Triathlon und Cyclassics ergänzen.

Die Veranstaltungen machten die Bedeutung des Sports in Hamburg auch über die Grenzen der Stadt hinaus wahrnehmbar. Diesem Ziel dienen auch singuläre Großereignisse, die die Stadt ausrichtet: 2017 stehen die Weltmeisterschaften im Boxen, Frauenhandball und der Triathlonstaffel an, voraussichtlich heute folgt der Zuschlag für die Rollstuhlbasketball-WM 2018.

Vornehmliches Ziel des Konzepts „Active City“ sei, die Kräfte und Akteure des Sports nach dem verlorenen Olympia-Referendum wieder hinter einem gemeinsamen Ziel zu vereinen. Das, was im Zuge der Bewerbung und der sogenannten Dekadenstrategie an Perspektiven für den Hamburger Sport entwickelt wurde, dürfe nicht verloren gehen, sagte Grote.

Einer neuen Bewerbung selbst um kleinere Multisport-Ereignisse wie die Universiade oder die Olympischen Jugendspiele, wie sie der Hamburger Sportökonom und Ruder-Olympiasieger Wolfgang Maennig angeregt hat, erteilte der Sportsenator allerdings eine Absage. Dafür fehle im Moment die gesellschaftliche Akzeptanz.